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Künstliche Intelligenz - Chancen und Herausforderungen

16/03/2017 14:28 CET | Aktualisiert 23/03/2017 08:57 CET
abidal via Getty Images

Können Maschinen denken? Alan Turing hat diese Frage vor 66 Jahren gestellt, aber nie war sie so dringlich wie heute.

Intelligente Maschinen sind inzwischen Teil unseres alltäglichen Lebens. Sie verbessern die Effizienz, erleichtern uns Entscheidungen. Sie erbringen unglaubliche Dienstleistungen, die es nie zuvor gegeben hat. Sie beschleunigen den Fortschritt in der Biomedizin und beim Autonomen Fahren. Intelligente Algorithmen empfehlen uns auf Amazon oder Netflix Produkte aufgrund von früheren Sucheinträgen.

Sie nutzen offene Daten um vorherzusagen, wann eine Virusinfektion oder Grippewelle auftreten könnte. Oder sie erkennen Unregelmäßigkeiten in großen Datensätzen, anhand derer Banken zum Beispiel einen Betrug erkennen und sich dann gegen Datendiebstahl schützen können.

Die Chancen sind groß, aber auch beängstigend. Wer sammelt Daten über uns? Wofür werden sie verwendet? Was bedeuten diese neuen Technologien für unser Arbeitsleben? Für die Arbeitsplätze? Und weiter: Können Maschinen ein Bewusstsein entwickeln? Könnten sie gar beschließen, Dinge zu tun, die wir nicht wollen?

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Großbritannien hat, genau wie Deutschland, eine Vorreiterrolle bei der digitalen Innovation gespielt. Alan Turing gilt als einer der Erfinder des modernen Computers, Ada Lovelace war die erste Programmiererin.

Pioniere des World Wide Web, Tim Berners-Lee, Nigel Shadbolt und Wendy Hall sind Briten. Außerdem haben wir eine blühende Landschaft der Datenwissenschaften. Unsere Universitäten betreiben Spitzenforschung. Neue interdisziplinäre Institute wie das Alan Turing Institute an der British Library, das Francis Crick-Institut für biomedizinische Forschung und das Farr Institute für Gesundheitsinformatik sind entstanden.

Meine Mitarbeiter in Berlin haben vor kurzem britische Forscher auf dem Gebiet des maschinellen Lernens zu einem Gespräch mit deutschen Wissenschaftlern von der Technischen Universität Berlin und dem Berlin Big Data Centre in die Botschaft eingeladen.

Sie haben festgestellt, dass es viele Berührungspunkte gibt. Jetzt planen sie eine weitere Zusammenarbeit, zum Beispiel zwischen der Leopoldina und der Royal Society bei interdisziplinären Projekten zu den gesellschaftlichen Auswirkungen des maschinellen Lernens.

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Lebendige Debatte beim Smart Data Forum (von links): Klaus-Robert Müller (TU Berlin), Sofia Olhede (UCL Big Data Institute), Sian Thomas (Food Standards Agency), Volker Markl (Berlin Big Data Centre), Jack Thoms (Moderator und Vorsitzender des Smart Data Forum) und Patrick Wolfe (UCL Big Data Institute). ©bbdc\smart data forum

Bei einer anderen Veranstaltung in der Botschaft, die wir zusammen mit dem Leverhulme Centre for the Future of Intelligence (an der Universität Cambridge) organisiert haben, ging es um gesellschaftliche, rechtliche und regulatorische Fragen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz (KI). Dies sind hoch brisante Fragen.

Der technologische Fortschritt gewinnt an Fahrt. Mit atemberaubender Geschwindigkeit werden neue Produkte und Dienstleistungen entwickelt, immer mehr Daten werden gespeichert, vernetzt und genutzt. Die Chancen und Herausforderungen sind schwindelerregend. Die gesellschaftlichen und rechtlichen Auswirkungen müssen dringend erforscht werden, damit der Staat die richtigen Rahmenbedingungen schaffen kann.

Rahmenbedingungen, die es uns ermöglichen, das Potenzial der KI voll auszuschöpfen, uns aber vor den Gefahren schützen, die uns Angst machen: etwa dem Missbrauch unserer persönlichen Daten oder der Vorstellung, dass Maschinen sich gegen ihre eigenen Erfinder wenden könnten.

Die britische Regierung setzt große Hoffnungen in die Möglichkeiten, die uns die künstliche Intelligenz bietet. Sie hat vor kurzem eine neue Strategie für die Digitalwirtschaft veröffentlicht und darin angekündigt, dem Engineering Research Council (EPSRC) £17,3 Mio. für die Entwicklung neuer Technologien im Bereich Robotik und künstliche Intelligenz an britischen Universitäten bereitzustellen.

Schwerpunkte der Strategie sind die Verbesserung der digitalen Infrastruktur und die Finanzierung wichtiger Forschungsvorhaben. Aber es geht auch darum, flächendeckend für schnellen Internet-Zugang zu sorgen und den Menschen die nötigen Fähigkeiten zu vermitteln, damit sie digitale Produkte und Dienstleistungen nutzen können.

Professor Dame Wendy Hall, Regius-Professorin für Informatik an der Universität Southampton, und Jerome Pesenti, der Chef von BenevolentTech, werden eine Studie darüber erarbeiten, wie die Rahmenbedingungen aussehen müssen, damit diese Technologien in Großbritannien wachsen und gedeihen können. Mit KI-Startups wie DeepMind Technologies und Magic Pony hat sich London schon einen Namen gemacht.

Jetzt müssen wir mit Deutschland und anderen wichtigen Partnern zusammenarbeiten, damit diese Branche so gefördert und geregelt wird, dass die neuen Technologien der Gesellschaft als Ganzes zugute kommen.

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