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Vom Privileg und der Herausforderung, heute Britischer Botschafter in Deutschland zu sein

02/10/2015 10:18 CEST | Aktualisiert 02/10/2016 11:12 CEST

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Europa und die Europäische Union stehen vor großen, noch nie da gewesenen Herausforderungen. Und binnen der nächsten zwei Jahre müssen wir die Frage nach der Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU für diese Generation klären. Deshalb ist die aktuelle Periode der deutsch-britischen Beziehungen wahrscheinlich die wichtigste seit dem Mauerfall.

Einen Großteil meiner diplomatischen Laufbahn habe ich in Fernost verbracht, zuletzt als britischer Botschafter in China. Als ich nach Deutschland kam, um mein Amt in der Botschaft in Berlin anzutreten, hatte ich aber das Gefühl, nach Hause zu kommen. Dabei habe ich bisher weder in Deutschland gelebt noch gearbeitet. Doch ich fühle mich Deutschland in vieler Hinsicht verbunden.

Mit Deutschland verbindet mich einiges: in der Schule war Deutsch mein Lieblingsfach (ich liebe Präzision!). An der Universität habe ich Mathematik und Philosophie studiert, und auch hier haben mich deutsche Philosophen wie Immanuel Kant am meisten beeindruckt.

Ich bin nach Johann Sebastian Bach benannt - er war der Lieblingskomponist meines Vaters. Ich liebe Musik und vor allem die großen deutschen Klassiker und Romantiker. Jetzt schätze ich besonders die Klavierwerke von Bach und Beethoven. Privat spiele ich gerne Klavier und Bluesgitarre, und zum Glück haben meine Familie und Mitarbeiter sich noch nicht beschwert.

Einer der Gründe, warum ich mich in Deutschland gleich heimisch gefühlt habe, sind aber die vielen deutschen Freunde, Kollegen und engen Partner, die ich über die Jahre in meinem Beruf und auch in meinem Privatleben kennengelernt habe.

Es war mir eine große Freude und Ehre, den Bundespräsidenten Joachim Gauck zu treffen, dem ich mein Beglaubigungsschreiben als Botschafter im Schloss Bellevue überreicht habe.

Die Deutschen feiern dieses Jahr zum 25. Mal den Tag der Wiedervereinigung, und es ist beeindruckend, was das Land in den letzten Jahrzehnten geleistet hat. Deutschland ist einer der engsten Partner für Großbritannien, wirtschaftlich, politisch und auch kulturell. Wir arbeiten gut und vertrauensvoll zusammen, gerade auch wenn es um Krisen wie in der Ukraine und in Syrien geht.

Das wichtigste Ziel meiner Amtszeit in Deutschland ist es, den Verbleib von Großbritannien in einer reformierten EU sicherzustellen. Natürlich ist beides wichtig: die Reform und der Verbleib. Denn der Verbleib meines Landes ist nur möglich, wenn wir gemeinsam die EU reformieren, sie zeitgemäß und effektiv für alle Mitglieder gestalten.

Meine Frau Sirinat und ich freuen uns sehr auf unsere Zeit in Deutschland und auch darauf, viele neue Freunde in allen 16 Bundesländern kennenzulernen.

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