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Damit die Antibiotika weiter wirken

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SICK PEOPLE
KNSY KNSY via Getty Images
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Veröffentlichung einer Studie zu Antibiotikaresistenz in London

Wann haben Sie oder jemand, der Ihnen nahe steht, zuletzt Antibiotika eingenommen? Ist es nicht eine Erleichterung, wenn sie wirken und es Ihnen wieder besser geht?

Wir denken heutzutage kaum darüber nach, wie wichtig diese Medikamente sind, so sehr haben wir uns daran gewöhnt. Was wäre aber, wenn sie nicht mehr wirken würden? Die Bakterien sind viel intelligenter als wir ihnen zutrauen. Sie entwickeln Resistenzen gegen die Medikamente, die wir gegen sie einsetzen.

Das ist nicht neu, es ist sogar ein sehr natürlicher Prozess. Der schottische Bakteriologe Alexander Fleming, der 1928 das Penicillin entdeckte, hat auf diese Gefahr schon hingewiesen, als er 1945 den Nobelpreis für Medizin dafür bekam.

Resistenzen sind ein großes Problem

Aber die Resistenzen sind zu einem Problem geworden, weil sie sich schneller entwickeln. Zum Teil, weil Antibiotika unkritisch eingesetzt werden, aber auch weil wir immer mehr reisen und wegen der demographischen Entwicklung.

Außerdem nimmt nicht nur die Resistenz gegen die vorhandenen Medikamente zu, sondern wir entwickeln auch keine neuen - das "goldene Zeitalter" der Antibiotika ist 1987 zu Ende gegangen, und seither sind keine neuen Klassen von Antibiotika auf den Markt gekommen. Die Frage ist also: was können wir überhaupt gegen dieses Problem tun und wie können wir hier zusammenarbeiten?

2014 gab der britische Premierminister David Cameron eine unabhängige Studie über Antibiotikaresistenz in Auftrag. Nach zweijähriger Arbeit hat das Team unter der Leitung des Ökonomen Lord Jim O'Neill jetzt seinen Bericht vorgelegt und 10 Empfehlungen gegeben. Sie sind detailliert und konkret.

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Die 10 Empfehlungen der Studie

Vor allem geht es um Möglichkeiten, die Nachfrage und den unnötigen Einsatz von Antibiotika in der Human- und der Tiermedizin zu verringern. Aber auch, Anreize für die Industrie zu schaffen, damit sie neue Wirkstoffe gegen Krankheitserreger entwickeln.

Hierzu empfiehlt O'Neill die Einrichtung eines mit 2 Mrd. Dollar ausgestatteten Global Innovation Fund über fünf Jahre zur Förderung der Frühphasen- und nichtkommerziellen Forschung. Die britische Regierung hat schon zugesagt, sich mit 50 Mio. Pfund an diesem Fonds zu beteiligen.

Eine globale Koalition

Aber die abschließende Empfehlung ist vielleicht die wichtigste: eine globale Koalition für Maßnahmen gegen die Antibiotikaresistenz, im Rahmen der G20 und der UN. Nur so können wir dieses globale und potentiell katastrophale Problem in den Griff bekommen. Kein Land, keine Region kann das allein bewerkstelligen.

Das wurde auch bei einem Workshop zur Übertragung der Resistenz mit Wissenschaftlern aus ganz Europa deutlich, den ich im Oktober 2015 in meiner Botschaft in Berlin veranstaltet habe.

Ich freue mich sehr, dass Großbritannien und Deutschland schon jetzt Partner im Kampf gegen die Antibiotikaresistenz sind - in der G7, der G20 oder in anderen Foren. So wurde das Thema in der G7 unter der deutschen Präsidentschaft 2015 zum ersten Mal auf die Tagesordnung gesetzt. O'Neills Studie zur Antibiotikaresistenz ist sicher eine gute Grundlage für unser weiteres Vorgehen.

Ich selbst werde jedenfalls darauf achten, dass ich Antibiotika in Zukunft nur einnehme, wenn es wirklich nötig ist.

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