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Pro- und Contra-Argumente für ein Online-Business

09/09/2015 15:56 CEST | Aktualisiert 09/09/2016 11:12 CEST
LIONEL BONAVENTURE

Online-Businesses haben einen ganz besonderen Reiz. Gerade für Trainer, Coaches oder Speaker bieten eigene Online-Produkte, wie Online-Trainings, Webinare oder E-Books grandiose Möglichkeiten.

Ich liebe das Gefühl, auf das Meer zu schauen und die Wellen zu hören, während ich schreibe. Das ist ein tolles Gefühl! Es hat was von Freiheit. Das ist einer meiner absoluten Lieblingsgründe, online tätig zu sein: Die Freiheit ortsunabhängig zu arbeiten.

Was macht noch den Reiz eines Online-Businesses aus? Manche Argumente, die genannt werden, haben eher was von Stammtisch-Parolen:

  • "Online kannst du schnell Geld machen!"

  • "Du musst nichts können, um online erfolgreich zu sein!"

  • "Online-Trainings kann jeder ."

  • "Es ist völlig egal, ob du das online oder offline machst!"

Ich teile gerne meine Erfahrungen als (Online-)Trainer mit dir, was es tatsächlich bedeutet, ein Online-Business zu haben. Was sind die Chancen, aber auch die Risiken? Wie immer gibt es zwei Seiten der Medaille. Für beide Seiten habe ich jeweils zehn gute Argumente gefunden, als Online-Trainer tätig zu sein- oder eben nicht:

Deine Chancen als Online-Trainer

  • 1. Du kannst ortsunabhängig arbeiten. Egal, ob du während der Arbeit gerne aufs Meer schauen oder in einem netten Café sitzen möchtest, es ist möglich! Du bist nicht an ein Büro gebunden.
  • 2. Vielleicht hast du auch schon von der "Zeit gegen Geld"-Falle gelesen. Ganz so dramatisch möchte ich es nicht ausdrücken, denn für mich ist das keine Falle. Was es aber wohl ist, ist ein „Zeit gegen Geld"-Tausch. Als Trainer ist deine Anzahl an möglichen Seminartagen eingeschränkt. Mehr Tage gibt es einfach irgendwann nicht mehr. An- und Abreise brauchen auch eine gewisse Zeit. Irgendwann möchtest du vielleicht auch etwas anderes machen - egal, wie viel Spaß du an deiner Tätigkeit hast. Durch eine Tätigkeit als Online-Trainer kannst du über den Tausch von Zeit gegen Geld hinauswachsen. Mit einer Aktion kannst du viel mehr Menschen erreichen, als das offline der Fall wäre.
  • 3. Damit hängt auch direkt dieser Punkt zusammen: die Skalierbarkeit deines Geschäftsmodells. Du kannst einen Online-Kurs entwickeln und mehrfach durchführen und verkaufen. Dadurch reduziert sich dein Zeitaufwand mittelfristig stark. Natürlich musst du immer Vorbereitungen treffen, aber wenn du ein Online-Training zum zweiten oder dritten Mal durchführst, geht das immer schneller. Auf diesem Weg kannst du auf lange Sicht viel mehr Trainingstage realisieren, als im Offline-Bereich.
  • 4. Auf diesem Weg kannst du ein höheres Einkommen mit weniger Zeitaufwand erzielen. Natürlich geht das nicht von jetzt auf sofort und der anfänglich deutlich höhere Aufwand darf nicht unterschätzt werden. Aber wenn du dran bleibst und gut bist in dem, was du tust, wird sich das auszahlen. Abgesehen davon, hast du auch keine An- und Abreisezeiten und spart dadurch richtig viel Zeit.
  • 5. Deine zeitliche Flexibilität als Online-Trainer steigt enorm. Ob du deinen Kurs tagsüber, abends, nachts oder am Wochenende entwickelst, ist egal. Bis auf deine Live-Methoden, wie beispielsweise ein Webinar, bist du an keine festen Zeiten gebunden. Du kannst alles an deinen Rhythmus anpassen und nach Bedarf ändern. Selbst, wenn du in einer völlig anderen Zeitzone lebst als deine Kunden.
  • 6. Wenn du dich online als Experte positionierst, kannst du ganz andere Zielgruppen erreichen, als wenn du nur offline agierst. Du kannst einen viel größeren räumlichen Radius abdecken, mit einer Maßnahme gleichzeitig viel mehr Menschen erreichen und auch mit Kunden arbeiten, die offline nicht zu dir kommen wollen oder können.
  • 7. Online tätig zu sein erfordert auch für dich nicht so viel körperlichen Einsatz, als wenn du drei Tage am Stück ein Seminar gibst. Ich weiß, wie anstrengend das sein kann. Das bedeutet, auch oder gerade wenn du mit persönlichen Einschränkungen zu kämpfen hast, können eigene Online-Produkte eine tolle Alternative für dich sein. Trotzdem das tun, was du liebst, wenn auch ein wenig anders...
  • 8. Da du online leichter viele Menschen erreichen kannst, ist eine schnellere Positionierung als Experte möglich. Das funktioniert selbstverständlich nicht automatisch und bedarf einer sinnvollen Strategie - aber es ist möglich. Auch deutlich kostengünstiger, als über den offline-Weg.
  • 9. Damit hängen deine Chancen, deine Sichtbarkeit online viel leichter und wiederum günstiger zu erhöhen, zusammen.
  • 10. Last but not least kommt mein zweitwichtigstes Warum: Es macht Spaß! Es gibt so viele Möglichkeiten und unendlich viel Neues, das du ausprobieren kannst. Das ist super!


    Ich bin von den Chancen überzeugt, aber es gibt natürlich auch Risiken, die ich dir nicht vorenthalten möchte. Damit es ausgewogen ist, auch hier zehn Gründe, die für den einen oder anderen bestimmt auch den Ausschlag geben zu sagen: Nein, das ist nicht meins. Das sind genau die Gründe, warum ich nicht als Online-Trainer tätig sein möchte!


    Deine Risiken als Online-Trainer

  • 1. Du bekommst kaum direkte Rückmeldungen von deinen Teilnehmern. Im Präsenzseminar merkst du meistens schnell, wie gut oder schlecht etwas ankommt. Online kommt das, wenn überhaupt, meistens zeitversetzt und im Nachhinein. Durch die fehlenden verbalen und nonverbalen Zeichen deiner Trainingsteilnehmer kannst du Warnsignale (Ablehnung, Langeweile, Überforderung, Ablenkung) deines „Gegenüber" nicht wahrnehmen.
  • 2. Ohne Ausdauer wird das nichts. Ja, du kannst mittelfristig deutlich mehr Trainertage realisieren als im Offline-Bereich. Einmal erstellt lässt sich ein Online-Training auch ohne großen Zeitaufwand wieder und wieder durchführen. Aber: Bis es soweit ist, dauert es. Die Erstellung von Unterlagen, Webinaren, Podcasts, Audios, Videos,... all das braucht Zeit, die nicht zu unterschätzen ist. Also: „Mal eben schnell mit Online-Trainings Geld verdienen" funktioniert nicht.
  • 3. Du kannst weniger spontan und situativ auf deine Teilnehmer reagieren. Das ist einer der Gründe, warum du unbedingt deine Wunschzielgruppe in die Entwicklung deines Online-Kurses mit einbeziehen solltest. Frage deine E-Mail-Liste nach Wünschen oder besonderen Schwierigkeiten mit deinem Thema. Führe das erste Training mit einer Test-Gruppe durch und lass dir Feedback geben, wie du das Training noch optimaler für deine Kunden umsetzen kannst.
  • 4. Bist du nur online tätig, dann schließt du manche Zielgruppen aus. Personen, die nicht online sind, oder kein Interesse haben, Trainings online zu absolvieren oder im Netz zu lernen. Das ist okay, sofern deine Idealkunden online unterwegs sind. Hast du Bedenken, dann empfehle ich dir ein Blended-Konzept, das ist eine Kombination, z.B. aus Online- und Offline-Methoden.
  • 5. Wenn dein Kontakt zu anderen überwiegend online ist, passiert es, dass du dich trotz der „Menschenmengen" um dich herum einsam fühlst. Such dir Gleichgesinnte, mit denen du dich online und/oder offline austauschst! Meine Mastermind-Partnerinnen möchte ich auf keinen Fall mehr missen.
  • 6. Mit deiner Sichtbarkeit und deinen Online-Trainings, setzt du dich der öffentlichen Meinung aus. Je mehr du dich zeigst, je erfolgreicher du bist, desto mehr Resonanz wirst du auf dein Tun erfahren. Positiv wie negativ. Gerade Kritik wird in der Online-Anonymität oft mal schneller, direkter und unfairer geäußert. Damit musst du klarkommen.
  • 7. Ja, die liebe Technik darf natürlich nicht fehlen. Auch wenn du dein Webinar noch so gut vorbereitet hast. Wenn in dem Moment die Technik „spinnt", die Verbindung abbricht oder dich deine Teilnehmer nicht mehr hören können, kannst du nur versuchen, cool zu bleiben. Wenn du Glück hast, gibt es sich gleich wieder oder du hast guten Support. Wenn nicht, geht die Welt aber auch nicht unter. So einfach und beeindruckend die technischen Möglichkeiten mittlerweile sind, brauchst du doch ein wenig Technik-Affinität. Hast du diese nicht, geht dir einfach auch viel von dem Spaß verloren, den du durch die technischen Optionen hast.
  • 8. In gewisser Weise bist du aber auch abhängig von der Technik. Hast du keinen Strom um deinen Laptop wieder aufzuladen, wird es nach ein paar Stunden schwierig. Wenn dein Internetzugang unterwegs nicht, oder nicht stabil genug funktioniert, hast du ein Problem. Das musste ich selber die Tage feststellen. Ich hatte unterwegs zwar eine Internetverbindung, leider war sie aber schwach und instabil. Deswegen konnte ich den Artikel, den ich eigentlich geplant aber nicht terminiert hatte, nicht veröffentlichen. „Ach, das kann ich dann alles vor Ort machen, ich habe ja Internet..." - Denkste! Ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Auch hier hat sich eine Lösung gefunden.
  • 9. Mit Online-Trainings hast du die Chance, viel mehr Menschen zu erreichen, als offline. Deine Sichtbarkeit und Bekanntheit kann schneller und kostengünstiger aufgebaut werden. Aber: Deine Idealkunden müssen trotzdem erst einmal auf dich aufmerksam werden. Sie müssen wissen, dass es dich und deine Angebote gibt. Ohne entsprechende Vermarktungsstrategien wirst du hier nicht weit kommen. Auch das ist ein Punkt, der eindeutig gegen „mal schnell Geld mit Online-Trainings machen" spricht.
  • 10. Damit bin ich auch gleich bei meinem persönlichen größten „vielleicht-lieber-nicht-Punkt": Tadaaa.... Ja, „er" darf nicht fehlen. Der „geliebte" Perfektionismus. Der macht dir das Leben nicht leicht. Gerade online passieren so schnell Dinge, die nicht geplant waren, irgendwas klappt nicht, ... Wenn dich das zu sehr stresst, kannst du die ganzen Chancen, die dir ein Online-Business gibt, gar nicht genießen. Das musste ich auch erst lernen. Der Spruch Start before you´re ready trifft hier noch viel, viel mehr zu, als im „echten Leben". Ich habe sehr lange gewartet, bis ich mit meiner Idee online gegangen bin. Weil ich immer das Gefühl hatte: „Ach ich muss erst noch dies machen und jenes machen,..." Irgendwann wollte ich aber endlich unbedingt loslegen, dann habe ich es einfach gemacht und auf „veröffentlichen" geklickt. Unperfekt, aber ganz ich.

  • Chancen oder Risiken. Was für dich den Ausschlag gibt, „es" zu tun oder eben auch nicht, hängt ganz davon ab, welche Punkte du für dich höher gewichtest. Ich weiß für mich ganz genau, dass (inzwischen) die Chancen, die ich für mich sehe, ganz klar überwiegen. Dafür nehme ich die Risiken gerne in Kauf.


    Das war aber nicht immer so. Deswegen kann ich dich auch gut verstehen, wenn du skeptisch bist. Aber weißt du, was ich auch in den letzten Jahren gelernt habe? Das, was passiert, ist immer viel, viel besser, als alle Befürchtungen, die ich habe. Probiere es einfach mal aus und habe Spaß dabei!

    Was überwiegt für dich? Was ist dein Warum, oder auch dein Warum-nicht? Ich bin gespannt!

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