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Auf Wiedersehen, Germany!

26/08/2015 08:52 CEST | Aktualisiert 26/08/2016 11:12 CEST

Nach fünf Jahren als Britischer Botschafter werde ich Deutschland turnusgemäß Ende August verlassen. Ich freue mich auf meinen neuen Job als Chef des britischen diplomatischen Dienstes in London, bin aber traurig, dass meine Zeit hier zu Ende geht - die ich schon von vier auf fünf Jahre verlängert hatte.

Es waren wunderbare und spannende Jahre, in denen ich dieses vielfältige Land beruflich und privat kennen lernen durfte.

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© impress picture / Buddy Bartelsen

Besonders fasziniert haben mich dabei die vielen regionalen Besonderheiten. Ich habe oft die Gelegenheit genutzt, Berlin hinter mir zu lassen und andere Regionen zu besuchen.

Auf so manchem lokalen Fest oder Termin lernt man nämlich mehr über Deutschland als in einer Bundestagsdebatte. Ich bin deshalb stolz darauf, alle 16 Bundesländer besucht zu haben, viele davon mehrmals.

Die Eindrücke, die ich dabei sammeln konnte, waren interessant, lehrreich - und manchmal widersprüchlich. Da es als Diplomat meine Aufgabe ist, zu beobachten, will ich hier einige meiner vielen (unwissenschaftlichen) Beobachtungen über Deutschland teilen - ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Erste betrifft ein Klischee, das sich (jedenfalls für mich) als richtig erwiesen hat: In Deutschland ist Bier weniger ein alkoholisches Getränk als ein Grundnahrungsmittel. Man merkt, dass das Land (hinter Tschechien) den zweithöchsten Pro-Kopf-Konsum Europas und eine große regionale Vielfalt von Bier besitzt.

Besonders eindrücklich war für mich der politische Aschermittwoch in Passau, wo viele Gäste schon um 10 Uhr Vormittags Maßkrüge leeren. Es ist bezeichnend, dass das Starkbier in Deutschland erfunden wurde: ein kräftiges und nahrhaftes Bier, das während der Fastenzeit im Mittelalter das Essen ersetzte.

Für viele Deutsche scheint die Wahl des Bieres eine Glaubensfrage zu sein: obwohl Düsseldorf nur 45 Kilometer entfernt ist, würde kein Kölner Altbier trinken.

Wenn Briten in Deutschland mit einem Handzeichen drei Bier bestellen, offenbart sich übrigens ein weiterer kleiner, aber bemerkenswerter Unterschied: während Deutsche dafür Daumen, Zeige- und Mittelfinger nutzen, zeigen Briten traditionell Zeige-, Mittel- und Ringfinger.

Zum Glück endet das „britische" Bestellen in Deutschland heute nicht mehr so wie in Quentin Tarantinos Film „Inglorious Basterds", in dem sich ein als Nazi getarnter britischer Spion enttarnt, als er drei Whisky bestellt.

Mir ist auch aufgefallen, dass saisonale Küche in Deutschland eine weitaus wichtigere Rolle als in Großbritannien spielt. Essgewohnheiten und Angebot in Restaurants und Supermärkten sind auf die Jahreszeit abgestimmt, saisonales Obst und Gemüse werde geradezu zelebriert.

Die Erdbeer-, Rhabarber- oder Kirschenzeit ist unübersehbar. Kein Obst und Gemüse reicht allerdings an den Spargel heran, der zwischen April und Juni auf keinem Volksfest und auf keiner Speisekarte fehlen darf.

So wurde natürlich auch Spargel serviert, als die Queen im Juni zu Gast bei Bundespräsident Gauck war - zum Glück fand das Staatsbankett am 24. Juni statt, dem Johannistag und traditionell letzten Tag der Spargelsaison. Stichtage wie dieser, zum Beispiel auch das Essen der Martinsgans am 11. November, werden ernst genommen.

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© impress picture / Buddy Bartelsen

Eine ganz andere Sache, die in Deutschland ernst genommen wird, ist die Straßenverkehrsordnung.

Ich muss zugeben, dass mich speziell die Ampelschaltungen an großen Kreuzungen, zum Beispiel am Rathenauplatz in Berlin, mehr als einmal verwirrt haben! Es gibt natürlich noch einige andere Besonderheiten, die mir in Deutschland aufgefallen sind und die ich vermissen werde.

Bei allen Unterschieden zwischen Briten und Deutschen verbindet uns allerdings viel mehr als uns trennt - besonders das ist mir in fünf Jahren in Deutschland bewusst geworden.

Sir Simon McDonald war von Oktober 2010 bis August 2015 Britischer Botschafter in Deutschland. Ab September wird er als „Permanent Under Secretary" den britischen diplomatischen Dienst von London aus leiten. Sein Nachfolger in Berlin ist Sir Sebastian Wood, der im September seinen Dienst in Deutschland antritt.

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