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Bist du Fachkraft oder UnternehmerIn?

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JGI/Tom Grill via Getty Images
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Die Fotografin - die meisten von euch kennen eine oder einen - ist in Ihrer Selbstständigkeit permanent in drei unterschiedlichen Rollen.

1. In der Rolle als Fachkraft schießt sie Bilder, bearbeitet sie und versendet die Fotos an ihre Kunden. Sielebt in der Gegenwart und Visionen sind ihr suspekt. Sie ist glücklich, wenn sie Aufgaben und Probleme löst und hasst Regeln.

2. Als Managerin beauftragt sie Mitarbeiter oder Assistenten mit Aufgaben, organisiert und koordiniert die einzelnen Arbeitsschritte und überwacht die Ergebnisse. Die Managerin in ihr schafft Ordnung und entwickelt Systeme. Definiert Abläufe, Strukturen, Standards und Regeln. Sie kontrolliert die Einhaltung der Regeln und ist glücklich, wenn ihr System funktioniert.

3. Schlüpft sie in die Rolle der Unternehmerin,  überlegt sie, wie das Fotogeschäft in 20 Jahren aussehen soll. Wo sie neue Kunden findet und welche Werte sie vermitteln möchte. Als Unternehmerin entwickelt sie neue Visionen und lebt in der Zukunft. Glücklich ist sie, wenn sie ihre Träume verwirklichen kann.

Fachkraft und Managerin arbeiten im Unternehmen.
Die Unternehmerin arbeitet AM Unternehmen.

Wie sieht oft die Realität aus?

Im Normalfall ist die Eigentümerin für alles zuständig. Viele Selbstständige arbeiten selbst und ständig. Dabei sind es zu 70 bis 80 % Fachaufgaben, die sie erledigen.

Die Blumenhändlerin, die die schönsten Gestecke bindet. Die Fotografin, die umwerfende Fotos schießt. Die Werbedesignerin, die bemerkenswerte Werbeauftritte zaubert. Die reinen Unternehmertätigkeiten bleiben zumeist auf der Strecke.

Allerdings sind es gerade die, die für den langfristigen Erfolg am wichtigsten sind.

Was zählt zu den Unternehmeraufgaben?

Zu den wesentlichsten Unternehmeraufgaben gilt es Antworten zu finden - zum Beispiel auf folgende Fragen:

• Wo soll das Unternehmen in 20 oder 30 Jahren stehen?
• Wie sieht die unternehmerische Strategie aus und wie kann ich sie stetig verbessern?
• Welche Kunden spreche ich an und wie kann ich sie erreichen?
• Welche Werte vertritt mein Unternehmen?
• Welche Ziele verfolgt das Unternehmen und wie kann ich diese planen?
• Wie werde ich die Nummer 1 in den Köpfen meiner Kunden?
• Welche neuen Märkte kann ich erschließen?
• Wie kann ich mehr potentielle Kunden erreichen?
• Wie kann ich mich persönlich weiterentwickeln?
• Wie kann ich das alles finanzieren und wie baue ich einen finanziellen Polster auf?
• Welche Zielgruppe erreiche ich?
• Welches dringendste Problem löse ich für meine Kunden?
 
Natürlich ist es nicht einfach als Selbstständige zwischen den einzelnen Aufgaben zu wechseln und sich unterschiedliche Hüte aufzusetzen. Zumal sich diese Tätigkeiten teilweise widersprechen.

Will die Fachkraft ihr Produkt bestmöglich gestalten - die Fotos einzigartig darstellen und die Kunden auf höchstem Niveau zufrieden stellen.  Überlegt die Unternehmerin, wie sie noch mehr Fotografien verkaufen und noch mehr Kunden erreichen kann.  Und welche zusätzlichen Produkte sie erstellen könnte.

Dieses hin und her switchen gelingt nicht immer. Die Aufträge müssen heute erledigt werden und die Zukunftsgestaltung fällt da gar nicht so einfach.

Daher wird die Rolle des Unternehmers gerne vergessen.

Wie könnten ein paar der Antworten aussehen, die unsere Fotografin in ihrer Rolle als Unternehmerin auf obige Fragen gibt:

• In 20 Jahren möchte sie drei weitere Geschäfte besitzen und 10 Mitarbeiterinnen einstellen
• Ihr Unternehmen spezialisiert sich auf Hochzeiten und sie möchte für ihre Kunden einzigartige Fotoerlebnisse schaffen. Sie arbeitet mit Blumengeschäften und Eventmanagerinnen zusammen, die sich auch auf Hochzeiten spezialisiert haben.
• Sie besucht internationale Messen und überlegt sich einen Weg, wie sie international ihre Kunden beliefern kann.
• Sie bildet sich sowohl fachlich als auch persönlich laufend weiter.Sie nimmt Unterstützung in Anspruch, wenn sie das Gefühl hat, nicht mehr weiter zu kommen.
• Sie trennt das private und das geschäftliche Konto, legt Teile ihres Einkommens zur Seite. Sie plant genau, welche Investitionen sie tätigt und ob diese sie ihrem Ziel näher bringen.
 
Diese Beispiele zeigen dir, dass sich das Denken und Handeln einer Unternehmerin stark vom Denken und Handeln der Fachkraft unterscheidet.

Das Denken und Handeln einer Unternehmerin unterscheidet sich vom Denken und Handeln einer Fachkraft.

Entscheidest du dich als Unternehmerin zu denken und zu handeln, heißt das jetzt nicht, dass du dir sofort einen großen Stab an MitarbeiterInnen anschaffen und du dich nur noch mit diesen Aufgaben beschäftigen musst. Aber es bedeutet, dir in deinem Tagesablauf ganz klare Zeiten zu reservieren, in denen du nicht im Unternehmen, sondern AM Unternehmen arbeitest.

Ein guter Weg ist, wenn du dir pro Woche zumindest einen halben Tag reservierst, in dem du die unternehmerischen Aufgaben wahrnimmst. Und noch bessere Ergebnisse kannst du erzielen, wenn du dir zusätzlich noch einen eigenen Platz suchst, an dem du in diesen Zeiten arbeitest. Damit hast du auch optisch eine ganz klare Trennung zwischen diesen beiden Tätigkeiten.

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