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Silke Weinig  Headshot

Wieso der Schweinehund nur ein Mythos ist

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SAD PUPPY MAKING PEOPLE HAPPIER MISERABLE
Shutterstock
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Zugegeben: auf dem Bild sehen Sie keinen Schweinehund. Wie auch? Den gibt es ja gar nicht!

Da haben Sie Zweifel? - Glauben Sie mir!
Aber erst mal Hand aufs Herz: Haben Sie sich für heute auch wieder jede Menge vorgenommen? Ja? Damit sind Sie nicht alleine! Die meisten von uns planen es Tag für Tag: „Heute werde ich konzentrierter arbeitenʺ, oder: „Heute erledige ich alle anstehenden Aufgaben.ʺ Da werden ausgeklügelte To-do-Listen erstellt und genauestens priorisiert - hat man ja so im Ratgeberbuch gelesen -, und dann beginnt man den Tag mit ganz viel Motivation.

Und, was passiert?
Plötzlich tauchen hier und da Ablenkungen auf. Ein genervter Kunde ruft an - zum Entspannen geht es mal kurz auf Facebook. Die dringende, aber unangenehme E-Mail wird später geschrieben - erst mal Ordnerrücken neu beschriften. Der Geschäftsbericht wird auf morgen verschoben - den brauchen wir ja erst Ende der Woche -, stattdessen erst mal im Internet Smileys für die Kundenpräsentation suchen ...

Zu Hause das gleiche Spiel: Wir finden immer wieder neue Beschäftigungen, nur um nicht mit dem zu beginnen, was getan werden müsste. Statt die ungeliebte Steuererklärung zu machen, wird vieles andere wichtig - sehr wichtig! Bügeln, Bad putzen, Tante Gudrun anrufen.

Kennen Sie das auch? Willkommen im Club!
Aufschieberitis, im Fachjargon Prokrastination genannt, ist allgegenwärtig und sehr menschlich. Wieso? Wir Menschen schieben Aufgaben gerne vor uns her. Dabei erzeugt das Aufschieben nur unnötigen Druck ‒ und schadet im schlimmsten Fall der Gesundheit.

Wie oft drücken wir uns vor unangenehmen Pflichten und Aufgaben? Dabei wissen wir genau, was getan werden müsste, aber wir verschieben es. Von Tag zu Tag und von Woche zu Woche.

Gründe für Aufschieberitis
Entweder haben wir zu viel zu tun, so dass wir bis zum letzten Moment warten ‒ vielleicht weil wir nicht nein sagen können oder zu Perfektionismus neigen. Oder wir brauchen den Adrenalinkick eines immer näher rückenden Abgabetermins. Manche haben Angst zu scheitern und andere Angst vor dem Erfolg (und dem, was danach kommt). Und dann kann es auch sein, dass uns die Aufgabe einfach nicht liegt.

Was tun gegen die Aufschieberitis?
„Packen Sie den Stier bei den Hörnern!" Haben Sie das schon einmal gehört? Es gibt Unmengen an Strategien, Empfehlungen und Tipps, die Aufschieberitis in den Griff zu bekommen: mehr Disziplin, mehr Planung, mehr Belohnung oder den Schweinehund um die Ecke bringen.

Da wird z.B. empfohlen, der Aufschieberitis mit detaillierten täglichen Analysen auf den Grund zu gehen (klingt klasse, fange ich morgen an ...). Oder man kann lesen, „einzig Klarheit, Wille und absolute Disziplin" würden helfen (da muss ich mich erst einmal aufs Sofa setzen, um das zu verdauen, bevor ich die Turnschuhe schnüre). Ein weiterer Tipp: man soll eine To-do-Liste erstellen (yeah! eine To-do-Liste für meine To-do-Liste!). Aber nicht, wenn man ein sogenannter Listenmacher ist und es liebt, Dinge (= Kleinkram) auf einer Liste abhaken zu können :-(( .

Geht das nicht einfacher? Ganz ohne Disziplin und Selbstkontrolle?
Ungeliebte Aufgaben umzusetzen oder dranzubleiben kann leicht sein und sogar Spass machen! Statt sich mit einem Mehr an Selbstdisziplin zu geisseln und am Ende nur dem schlechten Gewissen mehr Futter für nagende Selbstzweifel zu geben, gibt es auch die Möglichkeit, mit Priming aktiv die eigene Aufschieberitis anzugehen.

Priming steht für unbewusstes Lernen und führt ohne grossen Aufwand langfristig und nachhaltig zum Erfolg. Sie bringen sich - salopp gesagt - mal nebenbei (da unbewusst) eine neue Haltung gegenüber ungeliebten Pflichten bei. Haben Sie erst einmal herausgefunden, was für ein „Aufschieberitis-Typ" Sie sind, können Sie leicht das eigene Gehirn so umprogrammieren, dass Sie eine neue Haltung und auch einen anderen Umgang mit ungeliebten Pflichten und Aufgaben erlernen. Und das wie gesagt mit Hilfe Ihres Unbewussten und ohne grossen Aufwand.

Wie soll das genau funktionieren?
Bei dieser Methode, das Unbewusste mit ins Boot zu nehmen und ihm das Steuer zu übergeben, werden Instrumente aus dem Zürcher Ressourcen-Modell (ZRM®) mit Elementen der PSI-Theorie des Persönlichkeitspsychologen Julius Kuhl kombiniert.

Sie wollen mehr erfahren?
Ich empfehle Ihnen das Buch „Wolf packt La(h)ma. Wie Sie Dinge zügig anpacken und konsequent erledigen" von Johannes Storch und Julia Weber (erschienen im Verlag Hans Huber, Bern). In diesem Buch wird genau beschrieben, wie man mit Hilfe von ZRM® und der PSI-Theorie seiner Aufschieberitis Herr wird.

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