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10 Tipps, wie man mit schwierigen Menschen umgehen kann

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TALK
Gary Burchell via Getty Images
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Sicherlich kennen auch Sie Menschen, die ständig etwas missverstehen, rumnörgeln, beleidigt sind oder beleidigen. Diese Begegnungen rauben uns unsere Energie und lassen uns verärgert oder irritiert darüber nachgrübeln, was denn hier gerade abgelaufen ist. Bestimmt hatten Sie nach so einem Treffen auch schon einmal den Gedanken, wie schön das Leben wäre ohne diese Energievampire.

Schwierige und kraftraubende Menschen zu meiden ist sicher eine gute Lösung, aber oftmals nicht möglich. Was macht man mit Arbeitskollegen, Kunden oder Familienmitgliedern? Wie kann man mit diesen Menschen so umgehen, dass man dabei selbst nicht auf der Strecke bleibt? Im letzten Blog habe ich beschrieben, welche Typen von Plagegeistern existieren. In diesem Blog geht es nun um konkrete Maßnahmen: Was tun, wenn Drama-Queens oder Choleriker anfangen, loszupoltern?

Wahrnehmen und analysieren, damit ein Plan reifen kann

Trifft man mit einem Plagegeist zusammen, empfehle ich, diese Begegnung zu analysieren - egal, wie Sie reagiert haben, also verärgert/wütend oder sprachlos/gelähmt. Kommen Sie dabei nicht ins übermässige Grübeln, und verharren Sie nicht in der Situation. Das Geschehene ist passiert. Nehmen Sie das Erlebnis als Möglichkeit zum Lernen wahr.

Denn wenn man mit jemandem aneinandergerät, kann man viel über sich und andere Sichtweisen lernen. Ihre Gefühle sortieren Sie, indem Sie die Situation mit all ihren Rahmenbedingungen wahrnehmen und - gerne mit schriftlichen Notizen - analysieren. Das hilft zu verstehen, was passiert ist. Viele Menschen neigen aus Unsicherheit oder Angst dazu, in Konflikten kopflos oder emotional zu reagieren.

Je mehr Klarheit Sie über belastende Situationen und schwierige Person gewinnen, desto besser können Sie Pläne entwickeln, wie Sie künftig reagieren möchten. Überlegen Sie im Geiste oder auf Papier, was Sie hätten sagen oder tun können, um den Zusammenprall abzufedern. Möglicherweise werden Sie mehrere Pläne entwickeln müssen, bis Sie wissen, was funktioniert und was nicht. Sie lernen dabei jedes Mal viel hinzu und erweitern sowohl Ihren Entscheidungsspielraum wie auch Ihr Handlungsrepertoire.

Wie bereits erwähnt, ist es wichtig, nicht im Konflikt zu verharren. Sie müssen nicht jeden verbalen Angriff analysieren, denn eines ist klar: es gibt ganz einfach schwierige Menschen! Wenn Sie den Quälgeist als Herausforderung sehen, an der Sie persönlich wachsen können, und den Konflikt wie ein Schachspiel angehen, sind Sie schon auf der Zielgeraden!

Wie wird der andere reagieren, wenn ich folgenden Zug mache? Selbst das Verhalten von irrationalen und schwierigen Menschen ist bis zu einem gewissen Grad vorhersehbar, wenn Sie ein bisschen über sie wissen. Schon die alten Stoiker gaben bei schwierigen Personen den Rat, dass man sich nur auf das konzentrieren sollte, was man selbst ändern kann, und das ist unser persönlicher Umgang mit den Plagegeistern!

10 Maßnahmen, wie man mit schwierigen Menschen umgehen kann

1. Mitgefühl

Mitgefühl kann helfen, vor allem wenn man sich bewusst macht, dass man auch manchmal schwierig ist. Jeder hat mal einen schlechten Tag oder schlechte Laune und verhält sich möglicherweise ungerecht. Ziehen Sie zudem in Betracht, dass vielleicht weder beim anderen noch bei Ihnen irgendetwas nicht stimmt. Vielleicht sind Sie einfach nicht kompatibel.

2. Machen Sie es wie Buddha

Wirft Ihnen Ihr Gegenüber verbal einen Schuh an den Kopf, dann ziehen Sie den bloß nicht an! Sicher, es ist schwer, bei einer persönlichen Attacke nicht zum Gegenangriff anzusetzen. Aber das verschärft die Situation, und am Ende fühlen Sie sich doppelt schlecht, weil Sie Dinge gesagt haben, die Ihnen nun leidtun.

Es lohnt sich, das Ruhigbleiben zu üben. Damit kontrollieren Sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Situation. Ich stelle mir in solchen Momenten oft vor, dass ich ein Brückenpfeiler in einem Fluss bin. Rechts und links lasse ich den Unrat an mir vorbeiziehen.

Vielleicht hilft auch diese Geschichte: Eines Tages kam ein Mann zu Buddha und beschimpfte ihn aufs Übelste. Buddha sass ruhig da und ließ die Beleidigungen gleichmütig auf sich niederprasseln. Irritiert fragte der Mann nach einer Weile, wieso Buddha nicht auf die Beschimpfungen und Beleidigungen reagiere.

Buddha antwortete ihm: „Wenn dir jemand ein Geschenk anbietet und du lehnst es ab, wem gehört dann das Geschenk?" Verweigern Sie das „Geschenk" - soll der andere doch seine Befindlichkeiten behalten!

3. Selbstmanagement: wissen, was man will

Wenn wir wissen, was wir wollen, ist es leichter, Position zu beziehen. Mit gutem Selbstmanagement und ohne aufbrausende Emotionen bleiben wir bei uns. Das wiederum stärkt unsere Selbstwirksamkeit und unser Selbstbewusstsein. Wenn wir uns unserer eigenen Stärken und Grenzen bewusst sind und diese klar vertreten, sind wir schwierigen Menschen weniger ausgeliefert. Zudem laugt uns der Umgang mit ihnen weniger aus.

4. Achten Sie auf ich-Sätze

Nicht nur für Sie, sondern vor allem für das Gegenüber fühlt es sich anders an, ob Sie sagen: „Das stimmt nicht, was du sagst", oder: „Ich habe das anders erlebt und wahrgenommen." Wenn wir in unseren Aussagen bei uns bleiben, befreien wir unser Gegenüber vom Impuls, in den Rechtfertigungs- und Vorwurfsmodus zu gehen.

5. Bloß nicht fluchen

Fluchen wird die andere Person nur noch unerträglicher machen. Sie wird denken, dass Sie die Kontrolle verloren haben. Insbesondere bei Egoisten und Cholerikern ist das fatal. Vermeiden Sie es daher, sich in einen Streit verwickeln oder in die Enge treiben zu lassen. In der Hitze des Gefechts ruhig zu bleiben sollte oberste Priorität haben. Das gilt auch für extreme Reaktionen wie Weinen.

6. Auf die eigene Körpersprache achten

Achten Sie auf die Ausdruckskraft Ihres Körpers. Vermeiden Sie provozierende Körpersprache wie z.B. mit dem Finger zeigen, aggressive Gesten oder das Gegenüber mit dem Blick zu fixieren. Dazu gehört auch verächtliche Mimik. Besser ist es, ein Pokerface aufzusetzen. Bewegen Sie sich ruhig, und sprechen Sie langsam und in einem sanften Ton.

7. Nicht generalisieren

Nicht generalisieren, keine Verallgemeinerungen à la „Immer bist du zu spät", „Nie kann man dir etwas recht machen" - das heizt den Konflikt an und kann schlimmstenfalls irgendwann später wieder gegen Sie verwendet werden. Umgekehrt bloß nicht auf die verbalen Attacken eingehen. Denken Sie an den Brückenpfeiler: ignorieren! Schwierige Personen wollen Aufmerksamkeit. Wenn sie erkennen, dass Sie ihnen die nicht geben, suchen sie sich meistens einen anderen, der auf sie reagiert.

8. Seien Sie das genaue Gegenteil

Seien Sie das genaue Gegenteil der Person. Genauso wie schlechtes Verhalten uns negativ beeinflussen kann, kann ein tolerantes, geduldiges und freundliches Wesen einen guten Einfluss auf andere haben. Aus der Verhaltenspsychologie gibt es eine Technik zur Konditionierung von Reiz-Reaktionsmustern, die sanft das Verhalten verändern kann:

Reagieren Sie nicht mehr auf das negative Verhalten eines schwierigen Menschen, aber belohnen Sie sein positives Verhalten. Ermutigen und unterstützen Sie die Person, sich anders als gemäss ihrem typischen Muster zu verhalten.

9. Beschäftigen Sie sich mit etwas anderem

Ver(sch)wenden Sie nicht allzu viel Zeit, in der Sie sich gedanklich mit dem schwierigen Zeitgenossen befassen. Ist es dieser Mensch wirklich wert, dass Sie sich in Ihrer Freizeit Gedanken über ihn machen? Wollen Sie ihm wirklich Ihre Aufmerksamkeit und wertvolle Zeit schenken? Statt zu grübeln, lenken Sie sich besser ab. Gehen Sie spazieren, hören Sie Musik, schauen Sie einen schönen Film - selbst das Bad zu putzen ist besser!

10. Nutzen Sie wenn-dann-Pläne bei Attacken

Eine schnelle Selbsthilfemaßnahme - vor allem bei plötzlichen Attacken - ist es, erst einmal innerlich eine Pause zu machen und durchzuatmen. Bevor Sie gelähmt oder kopflos reagieren, fassen Sie folgenden Wenn-dann-Plan: „Wenn mich jemand persönlich angreift, dann sage ich Stopp und atme tief durch."

Stellen Sie sich das Stopp wie ein Stoppschild vor. In Studien zu Stressmanagement wurde belegt, dass allein die Vorstellung eines Stoppschildes hilft, innere Ruhe in die Situation zu bringen. Zudem gibt es eine Reihe von Studien über die hohe Wirksamkeit von Wenn-dann-Plänen. Lassen Sie nicht zu, dass der Quälgeist Sie oder die Situation dominiert.

Ein Gedankenspiel zum Abschluss

Ich lade Sie ein, darüber nachzudenken, warum Sie möglicherweise dem einen oder anderen schwierigen Menschen „erlauben", in Ihrem Leben zu sein? Das mag im ersten Moment merkwürdig klingen, aber darüber nachzudenken, was einen mit der Person verbindet, bringt manchmal blinde Bereiche in uns zum Vorschein.

Gönnen wir unserer Lebensqualität vielleicht nicht die Priorität, die ihr zusteht? Wenn Sie zum Beispiel Pflichterfüllung oder Geld eine höhere Priorität beimessen als Lebensqualität, dann tolerieren Sie vielleicht einen schwierigen Chef länger, als es für Sie gesund ist.

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