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Ist dein Mann kompatibel? Frauenkarriere beginnt am KĂŒchentisch

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Zwei Freundinnen sitzen im CafĂ©. In den GlĂ€sern perlt Prosecco und wartet darauf, zur Feier des Tages durch die Kehlen gespĂŒlt zu werden. Hören wir den beiden mal zu: „Du Birgit, ich werde heiraten." „Den Tom? Ist der ĂŒberhaupt kompatibel?" „Was meinst du mit kompatibel?"

„Aufstiegskompatibel. Du wolltest doch immer Karriere machen. Was, wenn ein Kind kommt? Das wollt ihr doch sicher auch." Birgits Freundin Ulla beruhigt sie: „Das klappt schon. Tom ist ja ein moderner Typ und er hat versprochen, dass er mich unterstĂŒtzt."

Das bisschen Haushalt ...

Birgit runzelt die Stirn. Das hat sie schon oft gehört, und sie ist heilfroh mit Frank verheiratet zu sein. FĂŒr ihn heißt UnterstĂŒtzung nĂ€mlich nicht nur, hin und wieder im Haushalt mit anzupacken und sich ums Kind zu kĂŒmmern, wenn sie mal ins Kino will. Er war bereit, den Erziehungsurlaub mit ihr zu teilen, damit auch sie Ihre Karriere vorantreiben konnte.

Bei anderen MÀnnern lösen sich solche PlÀne schon mal gern in Luft auf - was keiner ahnt, solange sie vollmundig Werbung in eigener Sache machen.

Dann versprechen sie das Blaue vom Himmel herunter und meinen es tatsĂ€chlich ernst. Ist die Schwangerschaft aber erst mal da, finden sie tausend GrĂŒnde, warum es doch besser wĂ€re, wenn sie mit ihrem Job Vorfahrt bekĂ€men. Und sei es auch nur, weil sie sich von ihrem (natĂŒrlich mĂ€nnlichen) Vorgesetzen ins Bockshorn jagen lassen: „Ja, ja, Meier, natĂŒrlich ist es Ihr gutes Recht eine Kinderauszeit zu nehmen. Aber die Zeit bleibt nicht stehen, und wer weiß, was in zwei Jahren ist..."

Weil Birgit eben nicht nur ihr Musterexemplar kennt, sondern auch diverse Pappenheimer, warnt sie ihre Freundin: „KlĂ€r auf jeden Fall ab, ob er sich wirklich engagiert. Deine Karriere beginnt am KĂŒchentisch. Ich hab mal ein Interview mit der Facebook-Chefin Sheryl Sandberg gelesen. Ihrer Ansicht nach ist die wichtigste Karriereentscheidung einer Frau nĂ€mlich die: ob sie einen Lebenspartner haben will und wen. Glaub mir, da ist was dran."

Als die beiden Freundinnen sich trennen, ist eine von ihnen nachdenklich geworden. Und jetzt raten Sie mal, wer das ist ...

Nur eine Geschichte?

NatĂŒrlich ist diese kleine Geschichte ausgedacht - die Geschichte wohlgemerkt, nicht ihr tieferer Sinn. In vielen MĂ€nnerköpfen hat sich seit biblischen Zeiten nĂ€mlich nur wenig geĂ€ndert: Kennen Sie das folgende Zitat? „Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen."

Starker Tobak, nicht wahr? Als Paulus das kurz nach Christus in seinen Korintherbrief packte, entsprach das seiner Zeit. Sowieso kam Eva ja erst durch Adams Rippenspende zur Welt und hatte danach nichts Besseres zu tun, als mit der Schlange die ErbsĂŒnde zu erfinden. Offenbar machen Frauen nur Unsinn, wenn sie etwas selbst entscheiden dĂŒrfen.

2000 Jahre ist das nun her, und man sollte meinen, die Menschheit wĂ€re ein StĂŒck weiter. Theoretisch ist sie das auch. Praktisch sieht das aber ganz anders aus. Die Managementexpertin Rosabeth Moss Kanter bringt es auf den Punkt. Danach gefragt, was MĂ€nner machen könnten, damit Frauen in FĂŒhrung gehen, hat sie lapidar geantwortet: „die WĂ€sche".

Eindeutige Zahlen belegen tatsĂ€chlich, dass in Sachen Karrieregleichberechtigung noch einiges im Argen liegt. Eine reprĂ€sentative Studie des Instituts fĂŒr Demoskopie Allensbach belegt, dass sich 66 Prozent der Frauen neben dem Job mehr mĂ€nnliche UnterstĂŒtzung zu Hause wĂŒnschen. Dazu kommt, dass sage und schreibe 81 Prozent der MĂ€nner zwischen 18 und 44 immer noch sagen, Frauen könnten die Hausarbeit „einfach besser machen".

Drum prĂŒfe, wer sich ewig bindet ...

Aus diesem Grund lautet ein wegweisender Tipp fĂŒr engagierte Aufsteigerinnen: „Trau, schau, wem! (du dein Jawort gibst)" Die wichtigste Karriereentscheidung fĂ€llt auf dem Standesamt - und ist bedeutender als die beste Ausbildung oder Uni, das tollste Unternehmen fĂŒr den ersten Job, als Auslandserfahrung und erlesenste Weiterbildungen.

Birgit redet ihrer Freundin also ins Gewissen: „Wenn Tom dich hĂ€ngen lĂ€sst, versauerst du am BĂŒgelbrett". Dumm nur, dass Ulla Tom ĂŒber alles liebt. Das hat zur Folge, dass sie fortan ihren Prosecco lieber mit Freudinnen trinkt, die nicht solche BedenkentrĂ€gerinnen sind. Biggi lĂ€sst eh keine Gelegenheit aus, jedem unter die Nase zu reiben, was fĂŒr einen Riesenkerl sie sich geangelt hat.

Drei Jahre, ungezĂ€hlte Waschmaschinenladungen und Wechselwindeln spĂ€ter ist Ulla schlauer. Ihr Tom managt ein Börsenportfolio und sie „ein kleines Familienunternehmen", wie eine ziemlich blöde Werbung es mal genannt hat. Prosecco mit Freundinnen? Nur mit dem Zwerg im Schlepptau. Kino am Abend? Jederzeit, falls Tom schon zu Hause ist und nicht ins Fitness-Studio rennt, um Ausgleichssport zu treiben.

Immerhin steht immer ein Kasten Wasser neben dem vollen KĂŒhlschrank des schmucken Einfamilienhauses. Nur liegt das so weit von der Innenstadt entfernt, dass frau sich vorkommt wie im Dorfgasthof auf einer Kaffeefahrt. Weg kommt man erst, nachdem man das ganze Programm gekauft hat.

Wer ist Ihre Biggi?

Die Hans Böckler Stiftung hat 5.000 Paare befragt, wer wem beim beruflichen Vorankommen hilft. Das niederschmetternde Ergebnis: MĂ€nner werden durch ihre Partnerinnen unterstĂŒtzt, Frauen mĂŒssen sich auf ihr Netzwerk verlassen - falls sie mit dem Wischmopp in der Hand Zeit haben, es zu pflegen natĂŒrlich.

Zwar steigt der Anteil der MÀnner, die das gute Geld ihrer Frau schÀtzen, jÀhrlich um ein paar Prozentpunkte an - nur spiegelt sich das nicht in der Aufteilung der heimischen Aufgaben wider. Der Spagat zwischen Job und Hausarbeit bleibt Frauenturnen.

Okay, ich gebe zu: Das alles klingt drastisch. Und ich will Sie natĂŒrlich auch ein StĂŒck weit verunsichern. Denn es ist quasi mein Job, Ihre persönliche „Biggi" zu sein. Nicht jede hat live so eine ehrliche Freundin, die ihr beim Prosecco reinen Wein einschenkt. Und sicher: Nicht alle MĂ€nner sind gleich.

Es gibt ein paar echte SchmuckstĂŒcke. Allerdings ist die Konkurrenz um sie groß und schlĂ€ft nicht. Grund genug also, hellwach die Augen aufzuhalten und sich die TrĂŒffel aus dem Salat zu picken.

Sie haben es in der Hand

Und wenn Sie selbst schon Kinder haben? Dann fragen Sie sich, was Toms Mutter versĂ€umt hat und was Sie besser machen können. Denn die Herren von heute waren einmal kleine Jungen und die wurden auch von Frauen groß gezogen.

Wenn Sie selbst etwas Ă€ndern wollen, machen Sie nicht nur Karriere mit einer schönen TrĂŒffel an Ihrer Seite. Sorgen Sie gemeinsam mit Ihrem Schatz dafĂŒr, dass die MĂ€nner von morgen keine verwöhnten Jungs in langen Hosen mehr sind. Das bringt Frauen auf dem Karriereweg mehr als alle Quoten der Welt.

Sigrid Meuselbach ist die Autorin von Weck die Chefin in dir!

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