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Gesetzlicher Schutz für Mutter und Kind?

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Ein Kind zu bekommen, ist ein Abenteuer. Neugierig auf das neue Familienmitglied wird sich der mütterliche Körper in neun Monaten auf die Geburt vorbereiten. Baby und Mutter leisten in dieser Zeit Schwerstarbeit - ob mit oder ohne erkennbare Beschwerden wie Übelkeit, Müdigkeit oder geschwollene Füße.

Stimmen, die propagieren, eine Schwangerschaft sei keine Krankheit, haben in den meisten Fällen tatsächlich Recht. Doch eine Schwangerschaft ist auch kein Nichts.

Aus gutem Grund gibt es deshalb ein Mutterschutzgesetz. Es stellt sicher, dass Leben und Gesundheit von Mutter und ungeborenem Kind nicht durch die mütterliche Berufstätigkeit gefährdet werden. Aus diesem Grund werden bestimmte Berufe mit einem Beschäftigungsverbot für Schwangere oder Stillende belegt, werden Arbeitszeiten begrenzt und Kündigungsverbote gesetzlich verankert. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig will nun das 64 Jahre alte Gesetz den modernen Gegebenheiten anpassen und „auf die Höhe der Zeit" bringen.

Eine Relativierung des Mutterschutzes ist gefährlich

Was heißt das konkret? Vor allem eines: Die Frauen sollen länger vor der Geburt arbeiten dürfen, auch an Wochenenden und nachts - wenn sie das möchten. So wird aus dem absoluten ein relatives Beschäftigungsverbot gemacht. Beruflich etablierte Frauen mögen in den Verhandlungen um Arbeitszeit und Beschäftigungsverbot ihre Bedürfnisse durchsetzen können.

Praktikantinnen, befristet Beschäftigte und Berufsanfängerinnen haben dagegen eine schlechte Verhandlungsbasis, um für ihre eigene Gesundheit und die ihres Kindes die beste Möglichkeit zu finden. Um es klar zu sagen: Ohne sich vor der Arbeit drücken zu wollen. Möglicherweise stehen nämlich das berufliche Fortkommen und die Weiterbeschäftigung auf dem Spiel. Der Druck ist also groß.

Ein genereller Schutz bewahrt Mütter und ihre Kinder vor der möglichen Tendenz, die Angst um den Arbeitsplatz vor das körperliche Wohl zu stellen. Eine Relativierung des Mutterschutzes, wie sie nun durch die Gesetzesänderung angestrebt wird, ist gefährlich. Priorität darf nicht der Arbeitsplatz, sondern muss die Gesundheit von Mutter und Kind haben. Ministerin Schwesig argumentiert mit Flexibilität, denn viele Frauen „möchten gerne länger bis zur Geburt arbeiten".

Dafür bietet das bisherige Mutterschutzgesetz aber schon jetzt ausreichend Raum, heißt es doch in §3 (2):

„Werdende Mütter dürfen in den letzten sechs Wochen vor der Entbindung nicht beschäftigt werden, es sei denn, dass sie sich ausdrücklich bereit erklären; die Erklärung kann jederzeit widerrufen werden."

Natürlich ist es wichtig, dass Schwangere, Arbeitgeber und Betriebsarzt eine sinnvolle Lösung finden, in der die werdende Mutter ihrer Arbeit nachgehen kann, aber nicht körperlich überfordert wird. Das ist in der Praxis schon jetzt Verhandlungssache. Wird zum Beispiel eine schwangere Intensivmedizinerin auf eine normale Station versetzt, kann das auf den ersten Blick plausibel erscheinen.

Ist aber die Station unterbesetzt und sie nun alleinverantwortlich, wäre sie in einem gut besetzten Intensiv-Team besser aufgehoben. Es geht darum, anhand der konkreten Situation das Gesetz vernünftig umzusetzen.

Die Schwangerschaft und Stillzeit dem Arbeitsmarkt zu opfern, ist absurd

Der gesetzliche Mutterschutz darf nicht aufgeweicht werden! Er ist nicht unmodern und unflexibel, wie man uns glauben macht. Der Prozess der Schwangerschaft läuft - wie kaum etwas anderes - im Jahr 2016 nicht anders ab als vor 2000 Jahren. Natürlich und zum Glück müssen Frauen nicht mehr schwere Feldarbeit leisten und quasi am Wegesrand ihr Kind bekommen.

Dafür fordern Arbeitsplätze heute volle zeitliche Flexibilität, ständige Mobilität und Erreichbarkeit rund um die Uhr. Angesichts dessen und befristeter Verträge ist es schon schwer genug, Familie und Beruf zu vereinen, wenn Kinder in der Familie leben. Auch noch die Schwangerschaft und Stillzeit dem Arbeitsmarkt zu opfern, ist absurd.

Die körperliche Situation der Schwangeren und die Bedürfnisse des Ungeborenen dürfen nicht per Gesetz zu Nebensächlichkeiten erklärt werden. In Schwangerschaft und Stillzeit müssen Mutter und Kind ausreichend gesetzlichen Schutz bekommen. Eine „Gleichberechtigung" in dieser Hinsicht kann es gar nicht geben - bis der erste Mann ein Kind zur Welt bringt.


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V." möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen."Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.

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