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Wie wollen wir leben?

26/05/2017 18:06 CEST | Aktualisiert 27/05/2017 14:35 CEST
Bulgac via Getty Images

Der ideale Tag wird nie kommen. Er ist heute, wenn wir ihn dazu machen, hat Horaz, der römische Dichter, gesagt. Nutzen wir den heutigen Tag, um uns mit der Zukunft unseres Planeten zu beschäftigen. Unser Leben ist komplex und dieser Komplexität müssen wir, Sie und ich, zumindest versuchen, gerecht zu werden. Das ist nicht einfach, aber es ist richtig.

Schnelle Antworten schulden

uns die richtigen Antworten.

"Nichts zu diesem Zeitpunkt ist normal", begrüßte #JohnKerry, bis vor kurzem US-Außenminister, den Abschlussjahrgang der #HarvardKennedySchool. In seiner wortgewaltigen Rede forderte er die "künftigen Präsidenten, Premierminister und Vorstände auf, mit wirklichen Antworten für die Welt aufzuwarten." Zum Beispiel: Mit Antworten auf die massive Arbeitsplatzvernichtung durch Technologie. "Technologie wird die Jobs nicht zurückbringen", sagte er, "die hat sie ja gerade erst zerstört - mit doppelter Geschwindigkeit und fünffacher Zerstörungskraft."

"Findet richtige Antworten!"

Globale Probleme brauchen globale Lösungsansätze: Trinkwassermangel, Flüchtlinsgströme, Erderwärmung, Armut, Kriege, altes Europa und junges Arabien - nichts davon wird ein #Nationalstaat allein lösen können. Allein, sprich einer einzelnen Regierung, bleibt letztlich nur die schnelle, falsche Antwort: Diktatur, Mauern und Bomben.

Wir müssen größer denken, tiefer gehen, ein Stück weiter.

Wir müssen begreifen, das zwischen #GebenundNehmen eine Balance geschaffen werden muss; für unser Gemeinwohl und das der anderen. „In den Augen Gottes ist ein bedürftiges Kind jenseits der Grenze so viel wert wie mein Kind", sagte Barack Obama beim Evangelischen Kirchentag in Berlin.

Die Last der anderen ist heute vielleicht nicht unsere,

aber mit Sicherheit morgen.

"Warum sollte uns die Weltgemeinschaft interessieren?", fragte John Kerry. "Weil wir keine andere Wahl haben."

Der Ruf nach einer aktiven und starken #Weltgemeinschaft zur Lösung der Weltprobleme, wird lauter. Sie kommt aus dem #Vatikan, aus dem #Weltwirtschaftsforum, sie kommt aus der Wissenschaft und der Gesellschaft selbst. Wo sie nicht herkommt, ist von den Regierungen der Nationalstaaten.

Souveräne Staaten wollen souverän bleiben.

Das ist verständlich, aber es ist keine zufriedenstellende oder zukunftsweisende Politik im 21. Jahrhundert. Obama hat zugegebenen: "Es gebe in den Nationalstaaten begrenzte Mittel und rechtliche Grenzen, denen Regierungschefs (wie Merkel) sich fügen müssten. Es sei immer besser, in den Herkunftsländern mehr Chancen zu schaffen:

„Das Fischen lehren, statt Fische zu verteilen."

Um globale Probleme zu lösen, müssen globale Institutionen stärker in die Verantwortung genommen werden, es braucht eine Machtverschiebung. Ich werfe mal den Begriff #Weltregierung in den Ring. Warum? Ob Klimaveränderung, die allein schon für Folgeprobleme wie Trinkwasserknappheit, Hunger und neue Flüchtlingsströme sorgt oder #Cyber-Terrorismus, der ganze Volkswirtschaften zum Abstürzen bringen kann - kein einziger souveräner Staat löst diese Probleme allein. Allein löst man nichts.

Der souveräne Staat hinkt der Entwicklung gefährlich hinterher.

Wer will schon gern Macht abgeben? Noch dazu, wenn es um ein Problem geht, das im eigenen Land nicht akut ist? Und wie soll die überhaupt aussehen, die Weltregierung oder Weltorganisation? Sind nicht die #VereintenNationen ein Beispiel dafür, wie man nichts löst? In der Tat, wenn ein Land wie Saudi Arabien erst den VN-Menschenrechtsrat leitet und -per Geheimabstimmung- in die Kommission für Frauenrechte gewählt wird... gleichzeitig aber den Jemen vor unser aller Augen in die Steinzeit bombt, haben die Vereinten Nationen ein enormes Glaubwürdigkeitsproblem.

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Brauchen wir für das Zeitalter der #KünstlichenIntelligenz

neue Institutionen, mit neuen Strukturen und Aufgaben?

Die existierenden internationalen Organiationen konnten ihre Aufgaben im 20. Jahrhundert kaum erfüllen, und sollen im 21. Jahrhundert so weitermachen? Warum? Weil es immer so war? Schauen wir uns unsere Welt an - welche der Organsiationen bietet real messbare Erfolge?

Bisher diente die Globalisierung vor allem der Wirtschaft.

Höchste Zeit, dass sie auch der Gemeinschaft dient.

Bei seiner Predigt während des Besuchs auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa, 2013, sagte #PapstFranziskus: "In dieser Welt der Globalisierung sind wir in die Globalisierung der Gleichgültigkeit geraten. Wir haben uns an das Leiden des anderen gewöhnt, es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an!"

Das Leid der anderen - bis die anderen es zu unserem Leid machen: Gaza gibt weiter an Nizza, Bagdad an Paris, Aleppo an Manchester.

Mehr zum Thema: "Demokratie ist gut, aber ich bin auch offen für eine neue Gesellschaftsordnung" - Comedian Olaf Schubert über die politischen Entwicklungen in Europa

Was ist zu tun? "Die Tränen sind es, die einen Riss herbeiführen können, der uns aufgeschlossen macht für die Umkehr", wird der Papst nicht müde zu betonen. Wieviele Tränen wollen wir noch weinen, bis wir umkehren?

Mehr zum Thema und zur Autorin.

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