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Krisen sind ein Weckruf

11/11/2015 15:25 CET | Aktualisiert 11/11/2016 11:12 CET
hh5800 via Getty Images

Dass es eine Kunst ist, Krisen erfolgreich zu bewältigen, weiß man, wenn man mittendrin steckt. Was funktioniert, wenn nichts mehr funktioniert?

Natürlich kann man eine Krise wie George W. Bush angehen: „Auf der Ranch löst George alle Probleme mit der Kettensäge - ich glaube, das ist der Grund, warum er und Cheney und Rumsfeld so gut miteinander auskommen", sagte Präsidentengattin Laura Bush über das Verhältnis ihres Mannes zum ehemaligen Vizepräsidenten und Verteidigungsminister. (1)

Man kann es auch anders machen: Verantwortung zu übernehmen, ist ein guter Anfang.

Die Krise ist unser Weckruf, egal, ob sie uns mit 17 oder 71 erreicht.

Dabei ist es unerheblich, ob es sich um die internationale Finanzkrise oder eine Lebenskrise handelt. Was sie tut, ist, uns den Spiegel vor Augen zu halten. Sie gibt uns die Möglichkeit zum Innehalten, zur Neubetrachtung und zur Kurskorrektur. Das ist schmerzhaft, natürlich. Aber warum? Weil wir uns eingestehen müssen, Fehler gemacht zu haben? Weil wir uns vor Veränderungen fürchten und deshalb enorme Energie aufbringen, um in der gewohnten Misere zu verweilen?

Wer sich dem Angesicht der Krise stellt, gewinnt. Mehr als das: er wächst. Und er lernt. Weil im Moment der Gefahr, unsere eigenen Kräfte herausgefordert werden. Es muss einen Grund gegeben haben, weshalb Nelson Mandela, 1994, bei seiner Amtseinführung, der Welt zurief: „Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind. Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit."

KURSSTÜRZE, KRIEGE, WERTEVERFALL - WAS TUN?

Krisen sind außergewöhnliche, existenzgefährdende Situationen, für eine Person, ein Unternehmen oder eine Gesellschaft. „Wenn Sie eine Krise lösen wollen, die andere Menschen umfasst und bei deren Bewältigung sie andere Menschen benötigen, müssen sie die Krise persönlich nehmen", sagt Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser. 2006 stand sein Unternehmen vor dem Abgrund: „Die gesamte Existenz war bedroht - 370.000 Arbeitsplätze. Das war eine Situation, vergleichbar nur mit den beiden Weltkriegen."

Wie hat er reagiert?

„Sie müssen Flagge zeigen! Sie stehen ganz vorn mit dem Speer in der Hand! Wenn es darum geht, das hier ist meine letzte Schlacht, und wenn ich die nicht gewinne, bin ich weg - dann müssen Sie ganz vorn stehen! Und es ist egal, ob sie dabei zu Tode kommen oder nicht. Sie müssen sich für ihre Überzeugung einsetzen. Nur so geht's." Der Erfolg gibt ihm Recht. Die Siemens-Krise hat sich erledigt.

Eine Krisenlösung auf Unternehmensebene oder auf der Weltbühne kann durchaus nach ähnlichem Muster verlaufen wie eine individuelle. Menschen in Grenzsituationen werden geleitet von ihren innersten Werten, ihrem Mut, ihrem Glauben, ihren Ängsten und ihrer Widerstandskraft. Im philosophischen Denken von Karl Jaspers ist die Grenzsituation ein Schlüsselbegriff, „auf die wir sinnvoll nicht durch Plan und Berechnung reagieren, um sie zu überwinden, sondern durch eine ganz andere Aktivität, das Werden der in uns möglichen Existenz. Wenn der Mensch im Scheitern Schuld auf sich geladen hat, muss er sich dieser stellen und die Verantwortung übernehmen."

MUT ZUM VERSAGEN

Wieviel Schwäche gestehen Sie sich selbst zu? Wie geht Deutschland mit Versagen um? Gehen wir überhaupt damit um, oder tun wir so, als machten wir alle keine Fehler? Im Economist erklärte ein Unternehmer den Unterschied zwischen Europa und den USA: „Der größte Unterschied ist, dass europäische Investoren dich nicht anrühren, wenn sie wissen, du hast als Unternehmer schon einmal versagt. In Amerika rühren sie dich nicht an, wenn du noch nie versagt hast." Und: „..wenn es eine Sache gibt, die die kreativsten und unternehmerfreundlichsten Volkswirtschaften auszeichnet, ist es die Bereitwilligkeit Fehler zu machen."

WIE MAN EIN MINUS IN EIN PLUS UMWANDELT

Mit Phil Mickelson, einem der besten Golfspieler der Welt, hatte in der entscheidenden Runde der British Golf Open 2013 niemand mehr gerechnet. Er befand sich auf Position acht, und selbst wohlmeinendsten Kommentatoren schien eine Aufholjagd unmöglich. Mickelson gewann das Turnier mit großem Vorsprung! Im anschließenden BBC-Interview sagte er: „Das war sehr schwer. Ich musste meine Fehler, die ich bisher auf dem Platz gemacht hatte, akzeptieren und in Motivation umwandeln. Diese Motivation musste ich als Vorteil nutzen. Das erforderte meine ganze Willens- und Widerstandskraft, positives Denken und den Mut, es bei jedem einzelnen Schlag erneut zu versuchen. Dieser Sieg ist das Resultat von 20 Jahren Arbeit."

Um herauszufinden, wie man erfolgreich Krisen bewältigt, reiste die Autorin zu den Menschen, die wissen wie es geht. Herausgekommen ist das aus Bild, Stern und Capital bekannte Buch Triumph des Mutes: Wie wir unsere Angst besiegen und erfolgreich Krisen meistern

Referenzen/Quellen

(1) Laura Bush beim White House Correspondent's Association Dinner am 30.04.2005 - Quelle: Naomi Klein "Die Schock-Strategie - der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus" (S. Fischer Verlag)

Video:Hoeneß in der Krise beim Bayern-Team: Uli Hoeneß ist wieder da, wo er hingehört

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