Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Sibylle Barden-Fürchtenicht Headshot

2017: Aufstehen, Angst besiegen, Krisen lösen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CHINESE TIGER
zhouyousifang via Getty Images
Drucken

In stürmischen Zeiten wenden wir uns häufig an die Geschichte und ihre großen Denker; in der Hoffnung, dass sie uns mit einer klugen Perspektive und moralischer Führung versehen. Ob es um Erklärungen geht, die wir suchen oder Bestätigung, dass unsere Sorgen lediglich Teil der menschlichen Spezies sind - die Ideen großer Denker haben derzeit wichtige Aufgaben zu erfüllen: sie sollen trösten, aufklären und Mut machen.

Wenn das Beste nicht möglich ist,
versuchen wir das Bestmögliche

Wir wissen, die Welt befindet sich in großer Unordnung, einer Unordnung, die mit jedem weiteren Tag mehr in Richtung Chaos denn zur Ordnung tendiert. Die Welt, sie leidet, sie blutet, sie braucht unsere Hilfe. Wir Menschen brauchen auch Hilfe. Wir brauchen einen neuen moralischen Kompass, nach dem wir leben können. Wir brauchen neue Werte, die wir bereit sind, zu verinnerlichen. Wir suchen nach neuen Perspektiven, nach neuen Erklärungen, nach neuen Pfaden und Zielen.

Wer taugt als Vorbild? Wo schlägt man nach?

Man schlägt nach bei Personen, zu denen man ohnehin eine Affinität verspürt. Es gibt ein paar Regeln, die man von ihnen lernen und für sich anwenden kann. Wir müssen nicht ohnmächtig zusehen, wie Unverantwortliche nach den Kronen ihrer Länder greifen. Wir können uns gut vorbereiten - für die Zeit danach.

Wie schafft man das Gute in schlechten Zeiten?
Vier Beispiele.

Im nächsten Jahr feiern wir den 150. Geburtstag einer der beeindruckendsten Menschen des 20. Jahrhunderts, Marie Curie. Wie sah das Leben der Physikern (1867-1934) aus, was können wir lernen von ihr?

Als Marie Curie 1867 in Warschau geboren wird, ist Schulbildung für Mädchen keineswegs selbstverständlich. Ihre Familie ist arm, aber Marie will unbedingt an der Sorbonne studieren. Gemeinsam mit ihrer Schwester fasst sie einen bemerkenswerten Plan - erst unterstützt Marie finanziell das Studium ihrer Schwester; sie überweist jahrelang ihr geringes Hauslehrerinnen-Gehalt nach Paris. „Wenn du promoviert bist, werde ich nachkommen, und dann wirst du mir helfen." Nach Jahren der Frustration, Depression und zurückgewiesenen Liebe, ist sie endlich dran: 1891 zieht Marie nach Paris und studiert an der Sorbonne Physik und Mathematik. Marie und ihr späterer Ehemann Pierre Curie entdecken die Elemente Radium und Polonium. Als erste Frau bekommt Marie Curie zwei Nobelpreise.

► Was wir von Marie Curie lernen können:
Allein geht nichts. In schweren Krisen entscheiden sich Menschen, Hilfe zu suchen. Verbünden Sie sich. So sind Sie in der Lage, Ihre Vorstellungen zu verwirklichen.

Ein Blick in die heutige Zeit:
Siemens feiert gerade seinen 200. Geburtstag.

Joe Kaeser (59), der Vorstandsvorsitzende, hat das Münchner Haus klug aus schwerem Fahrwasser geführt. 2006 steckte Siemens tief in der Krise, im größten Bestechungsskandal der europäischen Nachkriegsgeschichte. Die gesamte Existenz von Siemens war bedroht - 370 000 Arbeitsplätze. Joe Kaeser - damals Finanzvorstand - sagt: „Krisen niemals allein versuchen zu lösen. Suchen Sie sich ein Kernteam zusammen. Ein übersichtliches, eines, in dem alle Bescheid wissen und alle auf dem gleichen Informationsstand sind. Natürlich müssen Sie am Ende die Entscheidung allein treffen - aber die Qualität der Informationen, die Sie letztlich zu Ihrer Entscheidung führen, ist besser."

► Was wir von Joe Kaeser lernen können:
Der Dialog muss in Krisenzeiten immer aufrechterhalten werden. Allein lösen Sie nichts. In politischen oder wirtschaftlichen Krisen suchte man sich ein Team, um die Qualität der Entscheidung am Ende zu verbessern. Im Fall einer persönlichen Krise können sie Bücher lesen, Gespräche mit Ärzten und Therapeuten führen. Die eigene Entscheidung ist fundierter, wenn die Informationen aus verschiedenen Quellen stammen.

Niemals aufgeben, ist das Gebot der Stunde

Blicken wir auf eine Frau, die das praktiziert: Joanne K. Rowling (51), Autorin der Harry-Potter-Romane. Bevor alle Welt ihre Romane lieben lernt, ist J.K. Rowling verheiratet, Lehrerin und lebt in Portugal. Die Ehe geht schief. Rowling packt ihr halbfertiges Manuskript ein und kehrt als allein erziehende Mutter zurück nach Großbritannien. „Ich war so arm, wie man nur sein kann im modernen England, ohne auf der Straße zu leben." Zwölf Verlage lehnen ihr Manuskript ab. 1997 wird „Harry Potter und der Stein der Weisen" mit einer Startauflage von nur 500 Exemplaren veröffentlicht. Rowling wird mit ihren Werken in den Jahren darauf reicher als die Queen.

► Was wir von J.K. Rowling lernen können: Wir können alles tun und lassen, nur aufzugeben ist keine Option!

Verantwortung fürs eigene Leben übernehmen

Barbe-Nicole „Veuve" Clicquot (1777-1866), Chefin des berühmten Champagner-Hauses in Frankreich, hat das getan. Als sie 27 Jahre alt war, starb ihr Mann an Typhus. Die junge Witwe (frz. „Veuve") hatte eine kleine Tochter und erbte ein Weinhandelshaus, das sich gerade erst mühsam entwickelte. Und das inmitten einer schweren wirtschaftlichen Lage. Was tun? Sie führte das Unternehmen allein weiter, investierte das gesamte Familienvermögen und wurde zur ersten Großunternehmerin Europas.

► Was wir von Veuve Clicquot lernen können:
Gewöhnen wir uns an den Gedanken: Ich sitze im Fahrersitz! Ich führe meine Gedanken und Handlungen dahin, wo ich sie haben möchte. Ich bin der/die Vorstandsvorsitzende meines Lebens.

Blicken wir auf unsere eigene Kraft, die eigene Aufgabe und die große Herausforderung, wie man beides mit der Weiterentwicklung der Gesellschaft vereint. Man kann versuchen, wie der junge Barack Hussein Obama, Präsident Obama zu werden oder man kann, wie der intellektuell rastlose Noam Chomsky, versuchen, zu 'Chomsky - dem Welterklärer' zu werden. Der Schlüssel für jedes Individuum liegt im Werden, in der stetigen persönlichen Entwicklung, in der Neugierde, im Lernen, im Erlauben der Freiheit Andersdenkender.

Verstecken wir uns nicht hinter geistigem, wissenschaftlichem
und moralischem Rückschritt und machen es uns dort bequem

Versuchen wir Neues. Verlassen wir ausgetretene Pfade. Wir brauchen neue Köpfe, neue Denker, neue Rebellen, neue Energie. Ich werde es 2017 mit dem Leitsatz meines verstorbenen Freundes Maximilian Schell halten, den er sich bei dem russischen Dichter Michail Lermontov geborgt hatte: "Und er, der Rebell, suchte den Sturm, als ob in Stürmen Frieden wohnte."

Mehr Geschichten gibt's im Taschenbuch der Autorin http://amzn.to/2fLsXPc

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.