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Ich bin Muslima und trage Kopftuch, weil es mich in meiner Weiblichkeit bestärkt

24/11/2017 16:16 CET | Aktualisiert 24/11/2017 18:02 CET

Sheila Nortley ist eine britische Drehbuchautorin und Produzentin. Sie produzierte bereits mehrere internationale preisgekrönte Filme, wie "Zion" und "David is Dying".

Als Nortley anfing, ein Kopftuch zu tragen, erfuhr sie am eigenen Leib, wie viele Menschen Vorurteile gegenüber muslimischen Frauen haben. Im Video erzählt sie, was Sexualität für sie bedeutet und warum wir versuchen müssen, Kultur und Religion zu trennen, wenn wir den Islam verstehen wollen:

"Als ich anfing, ein Kopftuch zu tragen und mich weniger freizügig anzuziehen, erkannte ich zum ersten Mal, mit welchem Stigma das verbunden ist. Ich wurde oft gefragt: 'Warum folgst du einer Religion, die Frauen unterdrückt?' oder 'Werden muslimische Frauen nicht sexuell unterdrückt?'

Dass einige Menschen das denken, ist ein Problem. Ich glaube, es liegt daran, dass dieses Thema viele Menschen sehr befangen macht.

Im Islam werden Frauen nicht sexuell unterdrückt. Wenn Frauen in muslimisch geprägten Ländern unterdrückt werden, dann liegt dieses Problem in der Kultur dieser Länder - nicht im Glauben.

Wir Frauen tragen ein Kopftuch, weil wir zusammen mit unseren Ehemännern eine Wahl getroffen haben. Die Wahl, bestimmte Dinge nur zu zweit zu teilen - und sonst mit niemandem. Im Islam ist Sexualität für Frauen etwas, das sie unbedingt praktizieren und entdecken sollen - nur eben mit dem Ehemann.

Ihren Kopf mit dem Hidschab zu bedecken, kann eine Frau unglaublich stark machen - es ist ein Zeichen, dass es Dinge gibt, die sie nur mit ihrem Ehemann, ihrer anderen Hälfte, teilen. Ich denke, Sex ist nicht nur etwas Körperliches, sondern auch etwas sehr Spirituelles. Deshalb sollte Sex nicht überall sein. Nicht für jeden sichtbar.

Wenn Frauen zusammen kommen, reden sie über diese Dinge.

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

Eine muslimische Frau mit Kopftuch mag zuerst lieb und still aussehen, aber wenn sie dann zuhause ist und ihr Tuch abnimmt, dann sieht sie genauso aus wie du.

Ich erinnere mich noch, wie ich eines Tages in einer Moschee eine Frau traf, die gerade ihr Tuch abgenommen hatte. Ihr ganzer Nacken war mit Knutschflecken bedeckt. Ich war etwas schockiert, aber sie meinte nur: "Ich bin verheiratet. Was denkst du denn, was ich mit meinem Mann mache?"

Einmal war ich auf einer kleinen Feier und es waren auch ältere Frauen dabei. Wir waren nur Frauen, tauschten uns offen aus und lachten viel.

Ich bin hier (in Großbritannien, d. Red.) geboren und aufgewachsen und kann nicht für Frauen in anderen Ländern sprechen. Aber ich persönlich kenne keine muslimische Frau, die sich für sexuell unterdrückt hält. Mit dem Kopftuch treffen Frauen die Wahl, diesen Teil für sich zu behalten. Viele finden das sehr befreiend.

Und einige sehen es sogar als feministische Antwort auf die Objektifizierung der Frau. Wir Frauen können sonst nichts tun oder sagen, ohne dass andere unsere Figur sehen. Mit dem Kopftuch sagen wir: 'Nein, wir wollen das mit der Welt nicht teilen.'

Mehr zum Thema: Muslime sind die echten Feministen

Je mehr wir über diese Dinge diskutieren und je toleranter wir werden, desto klarer wird, dass wir Kultur und Religion voneinander trennen müssen.

Es gibt Kulturen, die sich nur um Religion drehen und Frauen unterdrücken. Die gibt es. Aber wir müssen Kultur und Religion voneinander trennen. Nur so können wir die Realität erkennen. Und die ist: In unserem Glauben ist es nicht verankert, Frauen zu unterdrücken."

Der Beitrag erschien zuerst auf HuffPost UK und wurde von Franziska Kiefl übersetzt und bearbeitet.

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