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10 Dinge, die anders sind, seit ich meine Kinder nicht mehr anschreie

Veröffentlicht: Aktualisiert:
KINDER ANSCHREIEN
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Dieser Blog erschien zuerst bei The Orange Rhino Challenge.

Letztes Wochenende fragte mich jemand: "Was hast du in dem einen Jahr ohne Schreie gelernt? Ist dir irgendetwas bewusst geworden?"

Puh. Diese Frage brachte mich zum Nachdenken. Eines kann ich dir sagen: Ich habe eine ganze Menge gelernt. Viel mehr, als ich in einem einzigen Blog-Beitrag unterbringen kann.

Also fasse ich einfach meine Top 10 der Dinge zusammen, die ich aus meiner Orange-Rhino-Challenge gelernt habe.

Bei dieser Challenge hatte ich versprochen, meine vier Söhne ganze 365 Tage lang nicht mehr anzuschreien.

1. Ohne Schuldgefühle schläft es sich besser

Mir ist ziemlich schnell klar geworden, dass es durchaus auch seine Vorteile hat, nicht mehr zu schreien.

Ich bin seitdem nicht mehr mit Magenschmerzen ins Bett gegangen, weil ich mich nicht mehr wie die schlechteste Mama der Welt fühlte. Ich habe mich nicht mehr bei meinem Mann ausgeheult, weil ich wieder einmal so viel herumgeschrien hatte.

Außerdem musste ich mir nicht mehr anhören, wie meine Söhne brüllen: "Du bist die gemeinste und böseste Mama der Welt, ich liebe dich nicht mehr!"

2. Meine Kinder sind mein wichtigstes Publikum.

Als ich beschlossen hatte, meine Kinder nicht mehr anzubrüllen, wurde mir klar, dass ich sie nie in der Gegenwart von anderen angeschrien hatte. Ich wollte, dass die anderen mich für eine liebevolle und geduldige Mutter hielten.

Eigentlich war ich das ja auch ... eher selten. Ich war immer geduldig, wenn ich mich in der Öffentlichkeit befand und ein Publikum hatte, das über mich urteilte.

Was für eine dumme Einstellung! Ich bin immer von einem Publikum umgeben - und zwar von meinen vier Jungs, die mich ständig beobachten. Und eigentlich sind SIE das Publikum, das am meisten zählt. Ihnen will ich doch beweisen, was für eine liebevolle, geduldige und "nicht schreiende" Mama ich sein kann.

Ich will, dass meine Jungs mich beurteilen und zu dem Ergebnis kommen: "Meine Mama ist die beste Mama, die es gibt!" Daran denke ich, wenn ich zu Hause bin und befürchte, dass ich mich gleich nicht mehr zusammenreißen kann. Offensichtlich kann ich das nämlich ... schließlich schaffe ich es unterwegs ja auch immer!

3. Kinder sind eben Kinder. Und mehr noch: Sie sind auch nur Menschen.

Meine Kinder haben genauso wie ich selbst auch gute und schlechte Tage. An manchen Tagen sind sie freundlich und lieb und hören wirklich gut auf mich. An anderen Tagen sind sie quengelig und schwierig.

Ach übrigens, ich bin natürlich immer lieb und niemals schwierig. Immer. Ha! Und wie Kinder eben so sind, sind auch meine Jungs manchmal laut und wollen ihre Schuhe nicht anziehen. Oder sie malen die Wand an, vor allem dann, wenn diese Wand gerade eine nagelneue Tapete bekommen hat, die der Mama so unglaublich gut gefällt.

Ich muss mich einfach daran erinnern, dass meine Jungs einfach nur Kinder sind: Sie müssen noch vieles lernen, sie werden größer und sie müssen erst noch herausfinden, wie man am besten damit umgeht, wenn man mal mit dem falschen Fuß aufgestanden ist.

Wenn sie "etwas falsch machen", dann muss ich daran denken, dass Schreie nichts bringen und dass meine Jungs es genauso wenig mögen wie ich, angeschrien zu werden.

4. Ich kann meine Reaktion kontrollieren.

Ich kann zwar mein Bestes geben und sämtliche Erziehungstricks für gut erzogene Kinder anwenden, doch da meine Kinder einfach nur Kinder sind, tun sie manchmal eben nicht das, was ich möchte.

Wenn sie nicht auf mich hören, kann ich entweder schreien: "Räum deine Legos auf!". Ich kann jedoch auch für einen Moment den Raum verlassen und wieder herunterkommen, indem ich ein paar Hampelmänner mache. Danach gehe ich wieder rein und versuche es noch einmal.

P.S.: Wenn man einfach mal rausgeht und tief durchatmet, werden die Legos meist schneller aufgeräumt, als wenn man herumschreit.

5. Herumschreien bringt nichts.

Ich war unzählige Male versucht, meine Orange-Rhino-Challenge aufzugeben, weil ich dachte, dass es vielleicht doch einfacher wäre, herumzuschreien, als tief durchzuatmen und kreative Alternativen zum Schreien zu finden. Doch ich gab nicht auf.

Mir ist schon sehr früh klar geworden, dass schreien nichts bringt und dass dadurch alles außer Kontrolle gerät. Wenn ich schreie, verstehen meine Jungs nicht, was ich ihnen eigentlich beibringen will.

Wie sollen sie auch verstehen, dass ich ihnen "sagen" möchte: "Beeilt euch, holt eure Rucksäcke, eure Schuhe und eure Jacken. Fasst euch gegenseitig nicht an, legt einen Zahn zu und macht das bitte alles von selbst!", wenn ich dies in Form von verzerrten, lauten Befehlen äußere, die sie einfach nur zum Weinen bringen?

6. Wenn du aufhörst zu schreien, wirst du wundervolle Momente erleben.

Eines Abends hörte ich, wie lange nach der Schlafenszeit eines der Kinder die Treppe herunterkam. Obwohl ich genervt war, weil ich in der Zeit, die ich für mich allein hatte, gestört wurde, blieb ich ruhig und brachte das besagte Kind wieder ins Bett.

Als ich ihn zudeckte, sagte er: "Mami, wirst du mich auch dann noch lieben, wenn ich vor dir in den Himmel komme? Denn wenn du zuerst in den Himmel kommst, dann werde ich dich auch noch lieben. Eigentlich werde ich dich immer lieben."

Allein beim Aufschreiben dieser Geschichte kommen mir noch immer die Tränen. Wenn ich ihn angeschrien hätte "GEH ZURÜCK INS BETT!", hätten wir mit Sicherheit kein so süßes und extrem wichtiges Gespräch geführt.

7. Aufs Schreien zu verzichten, ist eine Herausforderung - doch sie ist machbar

Ich möchte nicht behaupten, dass es kinderleicht ist, nicht zu schreien. Doch wenn man sich kreative Alternativen einfallen lässt, fällt es einem leichter und es erscheint einem auch machbarer.

Ich brülle in die Toilette, ich schlage mir wie ein Gorilla auf die Brust und ich singe Elmos Lied aus der Sesamstraße. Außerdem verwende ich beim Essen orangefarbene Servietten, um mich selbst an mein Versprechen zu erinnern. Und dadurch fällt es mir wirklich sehr viel leichter.

Natürlich komme ich mir manchmal doof vor, wenn ich all diese Dinge tue, doch sie bewahren mich davor, die Nerven zu verlieren. Was mir noch hilft, ist mein neuestes Lieblingswort: "immerhin".

Durch dieses kleine Wort schaffe ich es, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und es erinnert mich daran, mich wieder zu entspannen. Ich verwende dieses Wort inzwischen in allen Situationen mit meinen Kindern, in denen ich früher geschrien hätte.

"Er hat gerade eine ganze Kanne Milch ausgeschüttet ... aber immerhin war es kein Glas und immerhin wollte er mir einfach nur helfen!"

8. Oft bin ich selbst das Problem und nicht meine Kinder.

Der berühmte Schlussmach-Spruch "es liegt nicht an dir, es liegt an mir", trifft leider auch dann sehr genau zu, wenn man versucht, seine Kinder nicht mehr anzuschreien. Mir wurde schnell klar, dass ich oft herumschrie, weil ich eine Auseinandersetzung mit meinem Mann hatte, weil ich mit meiner To-Do-Liste nicht fertig wurde, weil ich müde war oder weil ich meine Periode hatte.

Es lag gar nicht daran, dass meine Kinder sich "schlecht" benahmen. Außerdem erkannte ich schnell meine persönlichen Auslöser, die unbehandelt zu einem Schreianfall führen könnten, und indem ich sie laut aussprach: "Orange Rhino, dein PMS ist gerade wirklich schlimm und du brauchst jetzt dringend Schokolade, doch du bist eigentlich nicht wütend auf die Kinder, also schrei sie auch nicht an".

9. Wenn ich mich gut um mich selbst kümmere, muss ich auch nicht herumschreien.

Ich war immer schon sehr gut darin, mich um andere zu kümmern. Ich war jedoch nicht immer besonders gut darin, mich um mich selbst zu kümmern. Ich hatte festgestellt, dass es persönliche Auslöser gab, die mich zum Herumschreien brachten, wie zum Beispiel, dass ich mich dick fühlte, dass ich meine Freunde vermisste oder dass ich erschöpft war.

Und deshalb begann ich, mich um mich selbst zu kümmern. Ich ging früher ins Bett, ich achtete darauf, dass ich genügend Sport machte, ich versuchte, jeden Tag wenigstens eine Freundin anzurufen und vor allem sagte ich mir immer wieder selbst, dass es in Ordnung ist, nicht perfekt zu sein.

Mich gut um mich selbst zu kümmern, hilft mir nicht nur dabei, nicht mehr zu schreien, es macht mich auch zu einem glücklicheren, entspannteren und liebevolleren Menschen. Oh ja, die Entscheidung, nicht mehr herumzuschreien, bringt nicht nur aus erzieherischer Sicht viele Vorteile mit sich.

Seit ich meine Kinder nicht mehr anschreie, bin ich ohne Zweifel nicht nur eine bessere Mama geworden, sondern auch ein besserer Mensch. Dies sind nur einige der vielen unerwarteten Vorteile, die es mit sich bringt, wenn man nicht mehr herumschreit: Ich bin öfter mal einfach nett zu anderen, ich gehe würdevoller mit stressigen Situationen um und ich kommuniziere liebevoller mit meinem Mann.

10. Seine Kinder nicht mehr anzuschreien, fühlt sich toll an.

Seit ich meine Kinder nicht mehr anschreie, fühle ich mich nicht nur glücklicher und ruhiger, ich fühle mich auch leichter. Ich gehe ohne Schuldgefühle ins Bett (bis auf den Extrakeks, den ich an diesem Tag gegessen habe, ups) und ich wache mit dem guten Gefühl auf, dass ich jetzt eine bessere Mutter bin.

Ich verstehe meine Kinder besser, ich kenne ihre Bedürfnisse und ich bin liebevoller und geduldiger. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch meine Kinder glücklicher und ruhiger sind.

Trotzdem bleiben meine Kinder immer noch Kinder.

Ich weiß, dass jetzt jeder gerne lesen möchte: "Ich habe aufgehört, meine Kinder anzuschreien, und ich fühle mich nicht nur sehr viel besser, sondern meine Kinder sind nun auch viel ruhiger UND braver."

Tja, das sind sie aber nicht. Sie sind immer noch Kinder. Doch es stimmt, ihre Wutanfälle dauern wirklich weniger lange an und manche entstehen gar nicht erst. Seit ich selbst entspannter bin, schaffe ich es, rationaler zu denken und potenzielle Probleme zu lösen, bevor überhaupt erst ein Riesenwutausbruch entsteht.

Doch von absolut braven Kindern einmal abgesehen verhalten meine Kinder sich mir gegenüber definitiv liebevoller als vorher. Sie sagen jetzt sogar ziemlich oft zu mir: "Ich liebe dich, Orange-Rhino-Mami!" Und dieses Gefühl ist mehr als toll, es ist phänomenal.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei The Orange Rhino Challenge und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

Stella McCraith ist Autorin des Buches "Yell Less, Love More. Hier könnt ihr es kaufen:


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V." möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen."Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.

Du willst, dass dein Kind ein Genie wird? Dann gib ihm einen dieser Namen!

(glm)