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Eine positive Einstellung zur Schwangerschaft

16/02/2017 17:13 CET | Aktualisiert 16/02/2017 17:13 CET
martinedoucet via Getty Images

Meine erste Schwangerschaft war der Grund, weshalb mein damaliger Chef, der eine eigene Agentur gründete, mich nicht in sein Unternehmen mitnahm. Er sagte, es sei ein zu großes Risiko. Was, wenn ich Komplikationen in der Schwangerschaft haben und bald ausfallen würde?

Ich sagte ihm, ich sei jung und gesund, meine Mutter und meine Großmutter hätten beide problemlose Schwangerschaften gehabt. Warum sollte ich denn Komplikationen haben? Ich litt kaum unter Übelkeit und fühlte mich großartig.

Ich versuchte meinen Chef zu überreden, mich dennoch mitzunehmen. Ich bot ihm sogar an, bis zum Geburtstermin zu arbeiten und auf den sechswöchigen Mutterschaftsurlaub vor der Geburt zu verzichten. Aber es war hoffnungslos.

Er hatte seine Entscheidung gefällt. Er würde mich schwanger nicht mitnehmen. Er sagte noch, wenn ich nun tatsächlich eine komplikationslose Schwangerschaft haben würde, würde er es bereuen.

Sport und Bewegung bis zum Schluss

Ich setzte mir zum Ziel, dass er es bereuen sollte. Ich verhielt mich, als wäre ich nicht schwanger. Bis zum letzten Arbeitstag vor dem Mutterschaftsurlaub fuhr ich mit dem Fahrrad zur Arbeit, welche eine gute halbe Stunde entfernt lag.

Alle zwei Tage ging ich vor der Arbeit ins Schwimmbad und schwamm anderthalb Kilometer. Ich war so darauf fixiert, dass diese Schwangerschaft reibungslos verlaufen musste, dass ich jegliche Beschwerden als Kleinigkeiten abtat und auch so empfand.

Meine Hebamme, bei der ich die Hälfte der Vorsorgeuntersuchungen während der ersten Schwangerschaft machte, fand es toll, dass ich so natürlich mit meiner Schwangerschaft umging und prophezeite mir eine schnelle und einfache Geburt.

Positives Denken

Ich glaube, dass die innere Einstellung ein Stück weit Einfluss darauf haben kann, wie es einem in der Schwangerschaft geht. Das kennt man ja auch von Krankheitsbildern. Wer sich gedanklich sehr darauf fixiert wie schlecht es ihm geht, leidet stärker und wird langsamer gesund als jemand, der positiv denkt und an seine baldige Genesung glaubt. Auch der Placebo-Effekt ist ja unbestreitbar und ist mit der inneren Haltung und dem Glauben an die Besserung zu begründen.

Ich hatte eine (kinderlose) Bekannte, der ich erzählte, dass ich in der Schwangerschaft vorhätte, ganz normal bis zum Schluss zu arbeiten. Sie fragte mich, was ich für eine Vorstellung von einer Schwangerschaft hätte. Eine Schwangerschaft sei kein Spaziergang.

Man wäre völlig eingeschränkt, müde, könne nicht richtig schlafen, habe Schmerzen und Übelkeit ... Das war offenbar, was sie von ihrem Umfeld vermittelt bekam und woran sie glaubte. Es würde mich nicht wundern, wenn sie ihre Schwangerschaften genauso erlebt hätte. Wir haben leider keinen Kontakt mehr.

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Ich hingegen hatte die Vorbilder meiner Mutter und Großmutter, die hochschwanger noch gearbeitet hatten und mir vermittelten, dass eine Schwangerschaft ein ganz natürlicher Teil des Lebens sei. Beide hatten keinerlei Komplikationen, sodass ich davon ausging, auch bei mir würde alles gut laufen.

Natürlich war ich auch manchmal müde und hatte gegen Ende der Schwangerschaften nicht die besten Nächte. Beim Fahrradfahren hatte ich manchmal ein Stechen im Unterleib. Sodbrennen, Kurzatmigkeit, heftige und schmerzhafte Kindsbewegungen kamen auch bei mir vor. Das Bücken zum Schuheanziehen oder Wegräumen von herumliegenden Spielsachen war schwierig.

Aber all dem gab ich wenig Aufmerksamkeit. Sicher gibt es sehr viele Schwangere, die mit wesentlich schlimmeren Beschwerden zu kämpfen haben und ich will ganz sicher nicht behaupten, dass dies nur eine Frage der Einstellung sei.

Aber bis zu einem gewissen Grad kann man, denke ich, schon einer Beschwerde entweder mehr oder eher weniger Aufmerksamkeit geben und eine Schwangerschaft von vorne herein als vollkommen natürlich oder als kompliziert, risikoreich und einschränkend betrachten.

Der Moment, in dem man sich nur noch nach der Geburt sehnt

In der ersten Schwangerschaft wartete ich auf diesen Moment, in dem man angeblich als Schwangere unbedingt nur noch will, dass das Kind endlich auf die Welt kommt, weil man die Schwangerschaft satt hat. Aber der Moment traf nie ein. Mein Baby kam einige Tage zu früh, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Ich hätte eigentlich gerne vorher noch den Keller und das Büro ausgemistet.

Da mein erstes Kind zu früh gekommen war, hielten es alle für wahrscheinlich, dass auch das zweite früher geboren würde. Ich rechnete deshalb schon zwei Wochen vor dem errechneten Termin mit der Geburt. In der Tat kam nun eine sehr unangenehme Zeit auf mich zu, was ich rückblickend mit meiner inneren Haltung begründe.

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Ich war so sehr darauf eingestellt, dass mein Baby schon bald kommen würde, dass ich für diesen Zeitraum keine Pläne mehr geschmiedet hatte und gelangweilt und ungeduldig auf die Geburt wartete. Das Baby kam allerdings erst eine Woche nach dem errechneten Termin zur Welt. Diese letzten Wochen kamen mir endlos vor.

In der dritten Schwangerschaft war mir wieder bewusst, dass die Geburt auch erst später sein könnte. Tatsächlich kam dieses Baby sogar erst 10 Tage nach dem errechneten Geburtstermin zur Welt. Aber diesmal machte es mir weniger zu schaffen, da ich mich wieder gedanklich darauf eingestellt hatte.

Was glaubt ihr? Hat die positive Einstellung Einfluss auf das Wohlbefinden in der Schwangerschaft?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf greenmom.

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