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Ich finde nicht, dass sich Kinder immer fügen müssen

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PARENTS CHILD SAYING NO SUPERMARKET
RapidEye via Getty Images
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"Konsequenz ist das A und O", hört man immer von allen Seiten.

Das ist ein Satz, der mich persönlich oft negativ berührt, weil er meist als indirekte Kritik geäußert wird, als würden manche Eltern (insbesondere natürlich die heutigen) ihren Kindern keine Grenzen setzen.

Ist das denn überhaupt möglich, ein Kind grenzenlos aufwachsen zu lassen? Vielleicht passiert das mit vernachlässigten, unerwünschten Kindern, die kranke oder drogenabhängige Eltern haben.

Ich persönlich kenne aber keine Eltern, die ihren Kindern keine Grenzen setzen. Die Frage ist nur, wo sie die Grenzen setzen und wann sie konsequent sind.

Jeder Elternteil setzt seine Grenzen da, wo er sie für nötig hält oder wo es gar keine andere Wahl gibt, als eine Grenze zu ziehen.

Ein gefallenes Nein kann man auch revidieren

Unter Konsequenz verstehe ich nicht, bei jedem Nein, das man einmal ausgesprochen hat, bleiben zu müssen. Ich sage oft zu meinen Kindern erstmal nein, weil ich vielleicht gerade zu faul bin, um die Wasserfarben herunterzuholen und die Sauerei, die dabei entsteht, zu beseitigen.

Wenn die Kinder dann aber weiter darauf beharren und laut werden, überdenke ich meine Entscheidung.

Ist es wirklich so ein Problem, die Kinder mit Wasserfarben malen zu lassen? Lohnt es sich, dafür das Gebrüll zu ertragen?

Oder gebe ich nicht doch lieber nach und räume dafür hinterher das entstandene Chaos wieder weg?

Muss man sich schlecht fühlen, wenn man einmal nachgibt?

Carlos González beschreibt in seinem Buch "In Liebe wachsen" ein wunderbares Beispiel, in dem eine Mutter ihrem Kind nachgibt.

Den ganzen Tag setzt sie ihm Grenzen. Denn Grenzen bekommt ein Kind automatisch gesetzt. Wenn es keine Grenzen bekäme, würde es den ganzen Tag im Pyjama toben, sich hauptsächlich von Schokolade ernähren, sich niemals die Haare waschen und niemals die Zähne putzen. Es lassen sich unzählige Dinge aufzählen, denen sich Kinder tagtäglich automatisch fügen. Durch Grenzen, die wir ihnen setzen, ohne dass wir es uns bewusst sind.

Nachdem das Kind in dem Beispiel von Carlos González also den ganzen Tag der Mutter Folge leisten musste, verlangt es ein Eis, welches seine Mutter ihm zunächst nicht kaufen mag.Es bettelt so lange, bis seine Mutter nachgibt und ihm das Eis kauft.

Nun fühlt sie sich schlecht, weil sie dem Kind keine Grenze gesetzt hat. Ist es denn nötig, dass sie sich schlecht fühlt? Das Kind hat erfahren, dass seine Bedürfnisse wahrgenommen werden und etwas zählen.

Es hatte ein Erfolgserlebnis! Darf es das nicht haben?

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Wenn das Kind übergewichtig ist und an diesem Tag schon eine Tafel Schokolade und eine Packung Gummibärchen verspeist hat, kann man sicherlich darüber reden, ob diese Mutter ihrem Kind vielleicht in Sachen Ernährung ein paar Grenzen mehr setzen sollte.

Aber wenn gerade eigentlich nichts dagegen spricht, warum kann man seine Entscheidung nicht überdenken und dem Kind den Wunsch doch erfüllen?

Ein Kind lernt dann, dass es etwas erreichen kann, wenn es sich für etwas stark macht. Dass es Überzeugungskraft besitzt und es sich lohnt, für etwas zu kämpfen. Sind das schlechte Eigenschaften? Wollen wir lieber Kinder großziehen, die sich immer allem fügen und unterordnen?

Was man grundsätzlich nicht möchte, lehnt man automatisch konsequent ab

Wenn man grundsätzlich nicht will, dass sein Kind Eis isst, dann wird man automatisch auch hier nicht nachgeben.

Wir kaufen unseren Kindern zum Beispiel keine Cola und keine Limonade. Auch Bonbons und Kaugummis kaufe ich ihnen nicht.

Wenn sie etwas Gesundes im Supermarkt sehen, was sie gerne hätten, wie Melone, Trauben, Oliven oder Fruchtmus, dann kaufe ich es ihnen fast immer. Ein Kind hat ja selbst noch kein Geld und nicht die Möglichkeit, sich seine Wünsche selbst zu erfüllen.

Deshalb finde ich es in Ordnung, beim Einkaufen manchmal auch auf Kaufwünsche der Kinder einzugehen.

Natürlich betteln unsere Kinder im Supermarkt auch oft um Dinge, die ich ihnen nicht gerne kaufe. Hier hilft es bei uns, vorab mit dem Kind zu besprechen, dass man nicht vorhabe, ihm etwas Bestimmtes zu kaufen.

Dennoch kam es auch bei mir schon vor, dass eines meiner Kinder an der Supermarktkasse aus Leibeskräften schrie, weil ich ihm einen Kaufwunsch nicht erfüllte.

Wahrscheinlich ist es am besten, ohne die Kinder einkaufen zu gehen. Bei uns ist das leider nicht möglich. Zumindest die zwei kleinen Kinder habe ich fast immer dabei.

Aber ich vermeide es auf jeden Fall, mit Kindern in die Spielwarenabteilung oder in Kleidergeschäfte zu gehen und wenn es unbedingt nötig ist, weil wir für jemanden ein Geburtstagsgeschenk brauchen, erkläre ich vorab, dass wir nur dafür hingehen.

Mehr zum Thema: Warum wir Teenies den ganzen Tag online sind und warum das okay ist

Eltern legen unbewusst fest, wo Konsequenz nötig ist

Wie gesagt, denke ich, dass jeder Elternteil selbst für sich entscheiden muss, wo Konsequenz nötig ist. Ich gab meiner Tochter meine alte Digitalkamera oft in die Hand, weil sie so danach kreischte.

Ich ging hier den Weg des geringsten Widerstands. Diesen Weg ging ich aber nur, weil mir die Kamera unbewusst nicht so wichtig war. Sie war nicht sehr teuer gewesen und ich war sowieso nicht so zufrieden damit.

Natürlich hoffte ich, dass sie nicht kaputt ginge, aber ich ging das Risiko ein. Sie zerstörte diese tatsächlich, woraufhin ich mir ein teureres Modell kaufte. Dieses gebe ich meinen Kindern nicht mehr.

Ganz automatisch bin ich hier konsequent, weil ich eben nicht will, dass diese neue Kamera auch kaputt geht. Und natürlich hört das Kreischen und Verlangen nach einer Sache auf, wenn mein Kind merkt, dass ich es konsequent verweigere. Insofern streite ich nicht ab, dass Konsequenz wichtig ist.

Aber wann sie für Eltern wichtig ist, entscheiden diese selbst.

Was ist einem wichtig?

Will man, dass sein Kind das Zimmer alleine aufräumt, dann ist es sicher sinnvoll, eine Regel einzuführen und diese konsequent einzuhalten. Für mich ist es ausreichend, wenn die Kinder mit mir gemeinsam aufräumen.

Hingegen ist es mir wichtig, dass unsere Kinder ihre Jacken selbst an die Garderobe hängen und ihre Schuhe auf die Schuhbank stellen und dass sie sich gesund und ausgewogen ernähren!

Also bin ich hier konsequent.

Manchen Eltern ist es wichtig, dass Kinder schon früh alleine laufen und nicht geschoben werden. Diese Eltern erzählen stolz, dass ihre Kinder das schon früh lernen mussten, als sei das eine großartige Leistung und das einzig Richtige!

Ich hingegen hatte sowieso immer den Kinderwagen dabei, wegen der kleinen Geschwister, also ließ ich meine großen Kinder noch lange auf dem Kiddyboard mitfahren. Ich konnte so viel zügiger gehen, weite Strecken zu Fuß zurücklegen und meinen Sport auf diese Weise mit dem Alltag verknüpfen.

An manchen Tagen lief ich mit meinen drei Kindern weit über zehn Kilometer. Andere Mütter oder Väter hätten für diese Strecken das Auto genommen. Ist das etwa besser? Erstens hätte das ihrer Fitness nicht halb so gut getan und der Umwelt genauso wenig, zweitens wären die Kinder dann auch nicht gelaufen!

Aber diese Eltern können behaupten: "Mein Kind läuft immer alleine!" Jetzt, wo ich wieder schwanger bin, fehlt mir die Kraft, drei Kinder zu schieben und ich lasse die älteste konsequent nicht mehr auf das Kiddyboard aufsteigen.

So weite Strecken wie früher kann ich nun aber nicht mehr mit allen drei Kindern zu Fuß zurücklegen und muss auch ab und zu das Auto nutzen.

Mehr zum Thema: Die einzigen drei Wörter, die ich mein Kind nicht sagen lasse

Uneinigkeit beim Grenzen setzen

Wir hatten einmal einen Vorfall in Sachen Grenzen setzen, in dem mein Mann und ich uns uneinig waren. Wir hatten Besuch von einer vierköpfigen Familie und saßen nach einem anstrengenden Ausflug alle erschöpft am Esstisch, um einen Kuchen zu essen.

Unsere damals vierjährige Tochter war zu dieser Zeit auf einen rosaroten Becher fixiert. Sie bat um etwas zu trinken und mein Mann stand auf und brachte ihr einen blauen Becher mit Wasser. Natürlich schimpfte sie, dass sie doch den rosaroten Becher haben wollte.

Mein Mann wurde wütend und sagte, sie solle gefälligst diesen Becher akzeptieren, er stünde jetzt nicht extra nochmal auf. Unsere Tochter wurde laut und weinte. Ich stillte gerade unser Baby und bat meinen Mann darum, ihr den rosaroten Becher zu bringen, was er dann widerwillig auch tat.

Am Abend, als unsere Gäste wieder weg waren, unterhielten mein Mann und ich uns über den Vorfall. Mein Mann war der Meinung, dass wir nicht die Bediensteten unserer Tochter wären und wir in diesem Moment hätten konsequent sein und ihr klar machen müssen, dass nicht immer nur nach ihrer Nase getanzt würde.

Ich hingegen fand, dass wir in diesem Moment alle erschöpft waren und gemütlich miteinander Kuchen essen wollten. War das der richtige Moment, um einen Schreianfall über uns ergehen zu lassen und unsere konsequente Erziehungsweise unter Beweis zu stellen?

Wegen eines rosaroten Bechers? Musste unsere Tochter jetzt unbedingt verstehen, dass sie dieses eine Mal den rosaroten Becher nicht kriegen konnte?

Wer tanzt nach wessen Nase?

Wir wurden uns in diesem konkreten Fall nicht einig. Aber dass unsere Tochter das Gefühl hätte, wir würden nur nach ihrer Nase tanzen, das bestritt ich ganz klar.

Denn wie gesagt, müssen unsere Kinder in Wirklichkeit dauernd nach unserer Nase tanzen und nicht umgekehrt. Wir sind es, die den Tagesablauf festlegen, die das Essen aussuchen und die Aktivitäten bestimmen, die sagen, wann es ins Bett geht und wann aufgestanden wird.

Unsere Kinder müssen sich den ganzen Tag unseren Plänen fügen. Und wenn man ab und zu einem Wunsch eines Kindes nachgibt, tanzt man deshalb gleich "nur nach seiner Nase"?

Werden unsere Kinder egozentrisch?

Mein Mann äußerte seine Sorge, unsere Kinder könnten sich selbst zu wichtig nehmen und glauben, dass sich ihr Leben lang immer alles nur um sie drehen würde. Ich bin aber überzeugt, dass unsere Kinder sich nie zu solch egozentrischen Wesen entwickeln werden. Denn sie übernehmen, was wir ihnen vorleben.

Ich finde es wichtig, dass wir unsere Kinder als vollwertige Individuen behandeln und nicht auf sie herabsehen.

Dass wir ihre Meinung ernst nehmen und nicht immer auf das eigene Recht beharren. Sie sollen lernen, dass kein Mensch perfekt ist und dass es auch richtig ist, nachzugeben und Fehler einzugestehen.

Manchmal machen auch Kinder sich sinnvolle Gedanken und argumentieren wirklich stark.

Und ich glaube, so respektvoll wie wir mit ihnen umgehen, werden sie mit anderen Menschen umgehen.

Der Beitrag erschien zuerst auf Greenmom.eu.

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