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Lieber „Papa" auf Platz 16C

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Lieber „Papa",

ich weiß nicht, wie Sie heißen, aber meine Tochter Kate nannte Sie letzte Woche während des gesamten Fluges „Papa". Es war sehr freundlich von Ihnen, sie nicht zu korrigieren. Nein, Sie haben nicht einmal gezuckt oder gezögert. Ich vermute, dass Sie gemerkt haben, dass Kate Sie nicht mit ihrem Papa verwechselt hat, sondern dass diese Bezeichnung eine Art Sicherheitseinstufung und Sympathiebekundung war. Wenn Kate Sie „Papa" nennt, können Sie davon ausgehen, dass Sie in ihren Augen ziemlich in Ordnung sind.

Ich musste im Flugzeug schnell eine Entscheidung treffen: Ich hatte die Wahl, Kate, meine dreijährige autistische Tochter, auf den Mittelplatz zu setzen - wobei ich mir völlig bewusst war, dass sie für die Dauer des Fluges neben einem Fremden sitzen würde - oder sie würde am Fenster sitzen und wie besessen die Fensterblenden öffnen und schließen. Ich hielt es daher für alle Beteiligten für die entspanntere Variante, wenn sie auf dem mittleren Platz säße.

Ich sah eine komplette Basketballmannschaft einsteigen und fragte mich, ob einer dieser Riesen neben Kate sitzen würde. Doch sie gingen alle weiter in den hinteren Teil. Kate hätte diese Spieler gemocht, sie hätte ein paar schwierige Bemerkungen gemacht, mit denen ich hätte klarkommen müssen, aber sie hätte sie gemocht.

Ich sah auch einige Frauen vom Typ „Oma" einsteigen und hoffte, dass sich eine von ihnen neben Kate setzen würde - aber sie gingen alle an uns vorbei. Für einen kurzen Moment wagte ich schon zu hoffen, dass der Sitz leer bleiben würde, aber dann kamen Sie den Gang entlang. Sie, mit Ihrem Aktenkoffer und Ihren wichtigen Dokumenten. Vor meinem inneren Auge sah ich Kate schon Wasser über Ihre Millionen-Verträge oder Grundstücksurkunden oder was auch immer Sie da hatten, schütten.

Sobald Sie saßen, fing Kate an, Ihren Arm zu reiben, denn Sie trugen eine Fleecejacke und Kate mochte, wie diese sich anfühlte. Sie schenkten ihr ein Lächeln und sie sagte: „Hallo Papa, das ist meine Mama." Und schon hatte Kate Sie um den kleinen Finger gewickelt.

Sie hätten sich abwenden oder Kate einfach ignorieren können. Sie hätten mir dieses ganz spezielle „Lächeln" (eigentlich eher ein Zähnefletschen) zeigen können, das bedeutet: „Halten Sie bitte Ihr Kind im Zaum." Aber nein, Sie haben nichts von alledem getan. Sie haben sich mit Kate über ihre Ninja Turtles unterhalten. Sie konnte Ihre Fragen gar nicht wirklich beantworten, war aber so bezaubert von Ihnen, dass sie die ganze Zeit Augenkontakt gehalten und ihre Aufmerksamkeit auf die Dinge gelenkt hat, über die Sie geredet haben. Ich habe nur zugesehen, gelächelt und ein paar Mal höflich angeboten, Kate abzulenken - aber davon wollten Sie nichts wissen.

Kate: (als sie Ihr iPad bemerkte) Is' das Papas 'puter?

Sie: Das ist mein iPad. Möchtest Du es mal sehen?

Kate: Für mich?????? (Sie dachte ganz bestimmt, dass Sie es ihr schenken wollen)

Ich: Nur mit den Augen gucken, Kate. Das ist nicht deins.

Kate: Das is' schön!

Sie: (als Sie Kates iPad bemerkten) Ich mag deinen Computer auch. Die lila Hülle ist sehr hübsch.

Kate: Will Papa der Böse sein? (Sie hielt Ihnen Shredder hin und das mein Freund, ist eine Liebeserklärung)

Sie: Cool.

So ging das immer weiter und Sie schienen keine Sekunde lang genervt zu sein. Sie hatten ein paar Momente Ihre Ruhe, während Kate mit ihren Disney-Puppen spielte. Sehr rücksichtsvoll von meiner Kleinen, Sie nicht auch noch zum Barbiespielen zu bringen... Aber ich wette, dass nicht einmal das Ihnen etwas ausgemacht hätte.

Ich wette, dass Sie auch Töchter haben. Kurz vor der Landung hatte Kate dann genug. Sie schrie, dass sie nicht länger angeschnallt sein wolle, schrie, dass ich das Flugzeug öffnen solle und schrie immer und immer wieder „Flugzeug is' zu". Sie versuchten sie mit ihren Spielzeugen abzulenken. Zu diesem Zeitpunkt war es jedoch schon zu spät, aber allein die Tatsache, dass Sie versuchten Ihrer kleinen neuen Freundin zu helfen, hat mich tief bewegt.

Falls Sie sich das gefragt haben: Kate ging es wieder gut, sobald wir das Flugzeug verlassen hatten. Vielen Dank, dass Sie uns vorgelassen haben. Sie war absolut überfordert und wollte nur aus dem Flugzeug raus. Sobald wir draußen waren, war alles, was sie noch brauchte eine lange feste Umarmung und alles war wieder gut.

Also, vielen Dank. Danke, dass ich diese schrecklichen Entschuldigungen nicht immer wieder wiederholen musste, die ich in der Öffentlichkeit so oft brauche. Vielen Dank, dass Sie Kate so gut unterhalten und abgelenkt haben, dass sie ihren bisher erfolgreichsten Flug hinter sich gebracht hat. Und vielen Dank, dass Sie Ihre Papiere weggepackt und mit unserem kleinen Mädchen Ninja Turtles gespielt haben.

Facts About Autism
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