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Undercover-Recherche: Sind Flüchtlingsheime die Brutstätte des Terrors?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ERSTAUFNAHME FLCHTLING
dpa
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Ich schleuste mich verdeckt in Flüchtlingsheime in Deutschland, Österreich und in der Schweiz ein. Wie mir das gelang und weshalb ich unter den vielen Personen nicht auffiel, die vorwiegend aus dem Nahen Osten kamen? Ich bin - besser: ich war - einer von ihnen. Ich gelangte selbst vor 25 Jahren als Flüchtling nach Deutschland.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen in ein fremdes Land. Natürlich sind Sie ausgesprochen dankbar für die Gastfreundschaft, die Ihnen entgegengebracht wird. Versuchen Sie sich weiter vorzustellen, Sie mussten aus Ihrem kriegsgebeutelten Land flüchten.

In einer derartigen Situation wollen Sie nur noch in ein sicheres Gebiet gelangen, ohne befürchten zu müssen, misshandelt zu werden odermit dem Leben zu bezahlen. Mit Sicherheit werden Ihre Ansprüche an Unterbringung, Verpflegung oder Luxusgegenstände wie Mobiltelefone ausgesprochen gering ausfallen.

Wahrscheinlich werden Sie so wenig wie möglich Aufmerksamkeit gegenüber Leidensgenossen oder Sicherheitsbeamten erregen wollen, nachdem Sie endlich in einem Flüchtlingscamp angekommen sind und eine Schlafstätte zugewiesen bekamen.

Der absolut größte Teil der Asylbewerber verhalten sich nach dem Muster

Glauben Sie mir: Der absolut größte Teil der Asylbewerber in Deutschland - und anderen Ländernin Europa, die ich im Zuge meiner Recherchen aufsuchte und wo ich einige Zeit verbrachte - verhalten sich nach dem von mir oben beschriebenen Muster.

Jetzt stellen Sie sich bitte weiter vor, Sie bekämen nun Speisen vorgesetzt, die Sie noch niemals in Ihrem Leben gesehen, geschweige denn gegessen haben. Dieses Essen sieht völlig anders aus als Sie es kennen. Jetzt probieren Sie einen Bissen und es schmeckt auch vollkommen fremd.

Nicht nur das: Es ekelt Ihnen sogar vor diesem ungewöhnlichen Happen. Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in einem Erstaufnahmelager in einem für Sie exotischen Land und man setzt Ihnen Blutpudding vor, eine Speise, bestehend aus gebackenem Schweineblut, verfeinert mit verschiedenen Gewürzen. Oder Sie müssten Vogelnestsuppe essen, eine Spezialität, die in Südasien nicht unüblich ist, die hauptsächlich nach Seetang, Meerespflanzen und Vogelspeichel schmeckt.

Spätestens nach dem dritten Tag hätten Sie genug davon? Warten Sie noch mit Ihrem Urteil und fügen Sie Ihrer Vorstellung hinzu, dass Ihre Religion einen besonders hohen Wert in Ihrem Leben besitzt und diese eine ganz bestimmte Zubereitungsform vorschreibt.

Schließlich fragen Sie nach, wie diese Speisen überhaupt zubereitet werden, worauf sämtliche Angestellte im Erstaufnahmelager, in dem Sie untergebracht wurden, mit den Schultern zucken. Erst am nächsten Tag erfahren Sie, dass diese spezielle Form der Zubereitung im Speiseplan leider nicht berücksichtigt werden kann. Was meinen Sie? Wie würden Sie reagieren?

Mehr zum Thema: „Ich bin vor den Islamisten geflohen und begegne ihnen jetzt im Flüchtlingsheim"

Immer wieder tauchen in den diversen Internet-Communities Berichte darüber auf, dass Flüchtlinge unser Essen einfach wegwerfen, sich abfällig darüber äußern oder die Annahme der ausgeteilten Speisen einfach verweigern. Die Urteile über diese Menschen fallen in Facebook & Co entsprechend hart aus: Arroganz zählt noch zu den geringsten Vorwürfen, die diesen Personen vorgehalten werden.

Sie können nun sicherlich verstehen, wie wenig die Verweigerung unserer Nahrung mit Arroganz zu tun hat, sondern dass unser Essen schlichtweg unverträglich für die meisten Flüchtlinge und mitunter aus religiösen Gründen überhaupt nicht annehmbar ist.

Genau in diese Kerbe schlagen nun islamische Fundamentalisten

Diese nutzen nämlich die im Prinzip leicht zu lösende Misere um den passenden Speiseplan für die tausenden Flüchtlinge in deutschenund europäischen Erstaufnahmelagern, indem sie diesen Menschen suggerieren, hinter der vermeintlich unüberlegten Nahrungsauswahl stecke ein ganz perfides System.

Die Christen, so behaupten diese Fundamentalisten, planen, alle Muslime in den Flüchtlingscamps mürbe zu machen, um sie dann zum christlichen Glauben zu konvertieren. Dabei gehen diese Extremisten ausgesprochen subtil vor. Eingeschleuste Fundamentalisten verwickeln in den Camps die ohnehin schon frustrierten Bewohner in zunächst arglose Gespräche, um dann in geschickter Weise die Unterhaltung auf das Essenangebot zu lenken.

Solche Gespräche hörte ich öfter mit an. In einem Fall in Berlin kamen bei einer Unterhaltung zwischen einem etwa zwanzigjährigenMann aus Afghanistan und einem älteren Extremisten - wie zufällig - zwei weitere Männer hinzu, die den Afghanen schließlich richtiggehend einer Gehirnwäsche zu unterziehen drohten.

Diesen Vorfall meldete ich dem Sicherheitsdienst, worauf diese schnell reagierten. Sobald sich die Security-Mitarbeiter der kleinen Gruppe näherten, beendeten die Männer das Gespräch und gingen -- wie zufällig - auseinander.

Ich selbst musste dabei höllisch aufpassen, nicht aufzufliegen. Daher sagte ich den Sicherheitsleuten, ich hätte mitgehört, wie sich Männer gegenseitig beschimpften. Darauf reagierte die Security sofort, schließlich sind Schlägereien unter Flüchtlingen an der Tagesordnung in beinahe jedem Flüchtlingscamp und dementsprechend sensibel reagieren die Mitarbeiter in den Lagern darauf.

In Eisenhüttenstadt hätte das Problem der Essenversorgung leicht gelöst werden können

Das Essensproblem hätte einfach gelöst werden klnnen. Schließlich existieren - wie ich später, also nach meiner Recherche im Flüchtlingscamp, erfuhr - im Umkreis von weniger als zwanzig Kilometern mindestens zwei halal-zertifizierte Catering-Unternehmen, also Anbieter, die ihre Speisen nach den religiösen Richtlinien, die der Koran vorschreibt, zubereiten.

Meine Recherchen ergaben weiter, dass beide Anbieter ihr Essensangebot zu einem günstigeren Preis offeriert hätten als der damals aktuelle Caterer. Es gab also keinen Grund, weshalb man keine adäquate Speise anbieten konnte. Eine Situation, die in Großstädten wie beispielsweise in Berlin sogar noch leichter zu lösen wäre, da dort viele türkischstämmigeUnternehmen Catering auf Basis halal zubereiteter Speisen im Programm haben.

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Demnach empfinde ich es als höchst fahrlässig, stur nach einem Standardverfahren die Nahrungsmittelversorgung in den Flüchtlingsheimen durchzuführen und sich dadurch der Gefahr einer Radikalisierung auszusetzen.

Allein im Erstaufnahmelager Stegskopf-Daaden habe ich in mindestens fünf Fällen selbst miterlebt, wie Islamisten den Versuch einer Radikalisierung bei Asylbewerbern unternommen haben. Dort war zwar die Essenversorgung nicht so scheußlich wie in Eisenhüttenstadt, doch auch dort existierten keine halal zubereiteten Speisen.

In allen Fällen, bei denen ich selbst mithören konnte, begannen diese Flüchtlinge bereits nach wenigen Tagen Zeichen einer Islamisierung zu zeigen. Diese Taktik funktioniert also wunderbar und Fundamentalisten haben ein leichtes Spiel mit diesen Menschen, die ohnehin meist hochgradig verstört sind. Wer kann es ihnen schließlich verdenken, nach dem was sie alles auf ihrer Flucht nach Europa erlebten?

Anwerbungen fundamentalistischer Islamisten erfolgen in Flüchtlingslagern in erster Linie über zwei Wege

Über das schlechte Essen und über die ebenso häufig fehlenden Möglichkeiten, sich ungestört seinen religiösen Praktiken zu widmen.

Wie Sie sicherlich wissen, beten gläubige Muslime mehrmals täglich nach ganz bestimmten Riten. Dazu gehört das Rezitieren von Koranversen, während sich die Gläubigen nach Osten wenden und sich dabei immer wieder verneigen. Muslime wollen während ihres Gebetes nicht nur ungestört sein, sie wollen auch sichergehen können, keiner Gefahr ausgesetzt zu sein.

Dazu benötigt es in seiner geringsten Ausführung lediglich eines mit Baugittern abgetrennten kleinen Raumes. Sollten diese Baugitter auch noch mit Tüchern oder Ähnlichem abgehängt werden, bleibt für die Gläubigen auch noch deren Intimsphäre während des Gebetes gewahrt. Also ein minimaler Aufwand, der für diese Menschen ein größeres Plus an persönlicher Freiheit bedeuten würde, da ihnen das tägliche Gebet nun mal ausgesprochen wichtig ist.

Während meiner Undercover-Einsätze in verschiedenen Flüchtlingsheimen in Europa fand ich derartige "Einrichtungen" nur in zwei Fällen vor: in Berlin und im bereits vorhin erwähnten Stegskopf- Daaden. In allen anderen Flüchtlingscamps und ähnlichen Einrichtungen gab es schlichtweg keine Gebetsräume.

Sie lächeln vielleicht an dieser Stelle, wenn ich Gebetsräume in allen Flüchtlingseinrichtungen fordere. Versuchen Sie sich noch einmal vorzustellen, wie so eine Flucht aus Ihrer kriegsgebeutelten Heimat aussehen könnte. Stellen Sie sich diese traumatischen Erlebnisse vor, die Sie nun ständig in Gedanken begleiten.

Sie wachen nachts auf, weil Ihnen diese Bilder von Misshandlungen, Mord und Folter nicht mehr aus dem Kopf gehen. Sie haben Angst einzuschlafen, weil Sie fürchten, jemand könnte Ihnen den Kopf abschneiden, nur um an Ihr Mobiltelefon zu kommen, so wie Sie es bereits in einem Lager vor der türkischen Grenze erlebten, als einheimische Banden die Flüchtlinge ausraubten und misshandelten.

Wenn Sie diese Gedanken jetzt einen Moment lang zulassen und sich weiter vorzustellen versuchen, Sie wären ein streng gläubiger Mensch und das Einzige, das Ihnen momentan noch Halt gibt, ist Ihre religiöse Überzeugung. Sie klammern sich also mit Ihrer gesamten Angst und Unsicherheit an Gott und hoffen inständig, er gibt Ihnen den Halt, den Sie so dringend benötigen.

Wenn Sie all diese Überlegungen einen Moment lang zulassen, was denken Sie, wie wichtig wäre für Sie jetzt das tägliche Gebet, das Sie seit Ihrer Schulzeit regelmäßig praktizieren? Vielleicht verstehen Sie jetzt etwas besser, weshalb die Flüchtlinge in unseren Erstaufnahmelagern einen solchen Frust entwickeln, wenn ihnen die Möglichkeit zum täglichen Gebet nicht geboten wird.

Terroristen nutzen diese Situation aus

Dazu kommt, dass eingeschleuste Terroristen des IS, der Al-Kaida und anderer Terrororganisationen, aber auch im Land agierende Fundamentalisten wie die Salafisten und andere Gruppen, dieses Versäumnis entsprechend ausnützen.

Sie erzählen den Flüchtlingen in den Heimen, oder - wie ich bereits in einem früheren Kapitel erzählte - außerhalb der Lager, wo sich die Flüchtlinge aufhalten, dass die Menschen in diesem Land alle Flüchtlinge zum Christentum bekehren möchten. Aus diesem Grund verweigern sie ihnen die Möglichkeit zum Gebet, indem sie ganz einfach keine Gebetsräume zur Verfügung stellen.

Diese Masche funktioniert wunderbar, kann ich Ihnen sagen! Vor allem funktioniert sie deswegen so ausgezeichnet, weil diese Anwerber ihre Argumente ständig bestätigt bekommen. Sie brauchen also nur einmal dieses Gift ihrer Propaganda in den Kopf ihres "Opfers" zu injizieren, schon erkennt dieses nur noch die scheinbare Wahrheit, die hinter diesen Erkenntnissen des scheinbaren Wohltäters steckt.

Jedes Mal bei der Essensausgabe im Flüchtlingslager wird der Angeworbene also erkennen, dass die Menschen in diesem Land versuchen, ihn mürbe zu machen, indem sie ihm etwas vorsetzen, das ihm nicht schmeckt. Mehr noch: Seine Religion verbietet es ihm, es zu verzehren! Er sitzt also mit knurrendem Magen vor einem vollen Teller, den er unmöglich essen darf.

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Jedes Mal, wenn er sein Gebet in Richtung Mekka sprechen möchte, muss sich dieser Gläubige notgedrungen vor oder neben sein Metallbett knien, um ihn herum Frauen, Männer, spielende Kinder oder Alte, die ihn sogar in diesem Moment ständig anquatschen. Er hat keinen Augenblick Ruhe.

Unablässig wird er an die Worte der Fundamentalisten denken, die ihm genau dies prophezeit haben. Die ihm sagten, die Christen in diesem Land versuchten, ihn von Allah zu entfernen, indem sie ihm die Gebete zu versagen versuchen. Natürlich nicht als Auflage oder Befehl. Das wäre viel zu offensichtlich.

Sie wollen es ihm unmöglich machen, in Ruhe zu beten, und dazu bedarf es lediglich der Verweigerung von Gebetsräumen. Diese Worte hallen im Kopf des Angeworbenen ständig nach, während er immer mehr Frust auf die Menschen in diesem Land aufbaut.

Der Beitrag ist ein Auszug aus Brutstätte des Terrors von Shams Ul Haq.

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