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So stressfrei kann der Zahnarztbesuch sein- Dank Lachgas!

10/11/2015 14:28 CET | Aktualisiert 10/11/2016 11:12 CET
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Stressfreie Behandlung - Dank Lachgas!

Was in Amerika und England in 90 Prozent der Zahnarztpraxen angewendet wird, findet jetzt auch Begeisterung in Deutschland. Diese Methode bieten derzeit in Deutschland rund 14 Prozent der Praxen an. Die inhalative Sedierung mit Lachgas ist in der Zahnmedizin lange etabliert und ist in den Empfehlungen deutscher Fachgesellschaften detailliert beschrieben.

Was ist Lachgas?

Lachgas (N2O) wird bereits seit Jahrzenten als Sedierungsmittel benutzt. Heutzutage wird Lachgas als Sedierungsmittel insbesondere bei erwachsenen Angstpatienten oder ängstlichen Kindern eingesetzt. Lachgas hat eine gute sedierende aber geringe analgetische Wirkung, was die Lokalanästhesie damit nicht ersetzen kann.

Es ist euphorisierend und ein schwaches Anästhetikum. Somit kann es schmerzlindernd und vor allem beruhigend wirken. Als positiven Effekt kann man beschreiben, dass es komplett den Würgereiz ausschaltet und der Patient das Gefühl von Zeit verliert.

Die Lachgassedierung ist eine sichere Alternative zu der Vollnarkose in der zahnärztlichen Praxis. Für die Patienten bestehen bei diesem Verfahren praktisch keine Nebenwirkungen. Eine Nahrungskarenz vor der Behandlung ist nicht notwendig und das Gas wird nach der Behandlung komplett ausgeatmet, so dass die Patienten ohne Begleitung die Praxis eigenständig verlassen können.

Ich selber habe die Erfahrung bei der Fortbildung, die von dem „Institut für dentale Sedierung" veranstaltet wurde, gemacht und kann von meinen eigenen Erfahrungen berichten, dass bei einer Überdosierung nur ein mulmiges Gefühl entsteht.

Dies teilt man dem Behandler mit und er kann sofort die Dosis reduzieren, sodass man in einen angenehmen Zustand wieder zurückgeführt wird. Bei den neueren Geräten gibt es sogar eine Lachgassperre bei 70 Prozent, so dass eine versehentliche Überdosierung verhindert wird. Der Vorteil bei diesem Verfahren ist, dass der Patient jederzeit bei Bewusstsein ist und mit dem Behandler kooperieren kann.

Wer ist für eine Lachgassedierung geeignet?

Lachgassedierung ist eine sichere Technik, und kann bei ASA-I oder II Patienten ab vier Jahren verwendet werden. Hierbei ist die Patientenauswahl sehr wichtig. Der Arzt sollte sicher davon ausgehen, dass der Patient entweder körperlich Gesund ASA-I oder höchstens eine leichte eingestellte Allgemeinerkrankung haben darf.

Vorsicht ist jedoch bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, Schwangerschaft und psychische Störungen geboten. Aufgrund der Sammlung in luftgefüllten Hohlräumen sollte Lachgas bei Patienten mit Mittelohrentzündung oder bei Patienten, die eine spezielle Aupenoperation (Vitrektomie) hatten, nicht verwendet werden.

Als Nebenwirkung vom Lachgas kann Übelkeit auftreten, was durch die Vermeidung übermäßiger Mahlzeiten direkt vor der Sedierung vermieden werden kann.

Anwendung von Lachgas

Für die Anwendung der Lachgassedierung vom Zahnarzt ist eine zertifizierte theoretische und praktische Ausbildung erforderlich. Ich habe diese Fortbildung im „Institut für dentale Sedierung" mit speziellen Fachreferenten durchgeführt und auch selber diese Methode an mir anwenden lassen.

Nüchternheit ist nicht erforderlich. Kooperationsfähigkeit und emotionale Reife des Kindes / Erwachsenen sind wichtig, so dass sich das Kind freiwillig auf den Zahnarztstuhl legt und die Nasenmaske aufsetzt.

Eine neue Studie in Deutschland weist auf, dass mehr als 80% der Kinder, die erstmals eine Zahnbehandlung unter Lachgassedierung erlebt haben, auch beim nächsten Zahnarztbesuch nicht darauf verzichten möchten.

Laut dieser Studie führte die Lachgassedierung bei 9 von 10 Patienten zum gewünschten Effekt. Bei Erwachsenen kann eine positive Behandlung unter Lachgassedierung zur Verringerung der Phobie führen.

Dr. med. Frank G. Mathers, Facharzt für Anästhesiologie und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für dentale Sedierung e.V., präsentierte auf dem Zahnärztetag 2014 in Frankfurt das Ergebnis einer aktuellen Pilotstudie, die belegt, dass qualifizierte Zahnärzte Lachgas auch im Hochdosisbereich von 50% bis 70% anwenden können, ohne dass es zu Komplikationen kommt.

Fazit: Risikoärmer als eine Vollnarkose

Trotz bestehender Risiken ist die Lachgassedierung eine extrem sichere Methode und Alternative zur Vollnarkose. Sie kann problemlos bei ängstlichen Kindern oder Erwachsenen mit Zahnarztphobie angewendet werden. Somit kann vielen Kindern eine Vollnarkose mit deutlich mehr Risiken erspart bleiben. In vielen Ländern, wie USA oder England wenden bereits weit über 90% aller Zahnärzte Lachgas routinemäßig an.

Es ist bis heute noch zu keinem einzigen ernsten Zwischenfall gekommen. Lachgas gilt als einer der am besten untersuchten Stoffe in der Medizin. Allergische Reaktionen gibt es keine. Die modernen Geräte haben eine Lachgassperre bei 70 %, sodass eine versehentliche Überdosierung verhindert wird.

Lachgas hat keine Wirkung auf Herz, Kreislauf, Atmung oder innere Organe und ist somit risikoärmer als eine normale Lokalanästhesie (Spritze). Vorurteile und schlechte Erfahrungen beruhen auf Überdosierungen, die früher durch falsche Handhabung der Sedierung häufig vorkamen, heute aber durch das langsame Steigern der Lachgasdosis (Titrieren) kaum noch ein Problem darstellt Lachgas wird im Körper weder abgelagert noch abgebaut, es wird zu über 99% abgeatmet.

Der Patient kann somit sorglos eigenständig die Praxis verlassen. Ich denke, dass auch in Deutschland dieses Verfahren bald routinemäßig verwendet wird.

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