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Die anderen Frauenrechtlerinnen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ALICE SCHWARZER
Kai Pfaffenbach / Reuters
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Einige Worte meiner damaligen deutsch-deutschen Deutschlehrerin zu der Auseinandersetzung mit Alice Schwarer:

"Warum soll man sich über Alice Schwarzer ärgern? Auch emanzipierte Frauen meiner Generation haben sich von ihren Vorstellungen von Emanzipation nicht vertreten gefühlt. Das ist auch liberaler Fundamentalismus, - oder liberaler Dogmatismus. Auch da weiß „eine", was richtig und was falsch ist. Und was wird man mit dieser Hetze gegen das Kopftuch erreichen? Dass sich die, die es tragen wollen erst recht in eine Ecke gedrängt fühlen und dann erst recht darauf bestehen, es zu tragen.

Mehr zum Thema: An die Frau in der Kaufhaus-Toilette: Ja, ich habe Kinder - wir stehen nun mal manchmal im Weg

Haben wir wirklich keine anderen Probleme? Ich denke vor allem auch daran, was man bei jungen Mädchen, vor allem Flüchtlingen, die es einfach so aus ihrer Tradition kennen, anrichtet, wenn die Lehrer in der Schule es verbieten und als etwas ganz Schlimmes betrachten und zu Hause die Oma und die Mama ihr vermitteln, dass sich das so gehört? Die müssen doch schizophren werden. Da züchten wir uns Extremisten und verstoßen gegen christliche Grundwerte. Könnte man da nicht ein bisschen mehr Vertrauen und Gelassenheit haben und sich die Dinge entwickeln lassen? Bildung, vor allem auch Herzensbildung ist gefragt, die auch nach den Bedürfnissen der Menschen fragt. Damit werden wir mehr erreichen.

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Auch bei uns trug man übrigens früher Kopftuch. Ich habe eines zum Schulanfang bekommen. Knallgelb!! Damit man uns gut auf der Straße sieht. Und meine Oma ist nicht ohne Kopftuch außer Haus gegangen. Nur wenn sie die Tracht an hatte, gab es eine bestimmt Frisur mit ganz vielen Zöpfchen.

Zu den Kommentaren: Erkennt man an einer Frau ohne Kopftuch die Gesinnung? Woran? Am Haarschnitt? Soweit ich weiß, hat Beate Zschäpe noch nie Kopftuch getragen und schaut insgesamt sehr harmlos aus."

Danke. Danke, dass Sie mir, entgegen den Vorwürfen Schwarzers, die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit anderen Denkweisen gelehrt haben. Der öffentliche Blick sollte sich mehr an Persönlichkeiten wie Sie richten, statt an Brandstifterinnen wie Alice Schwarzer. Denn sie vereinen die Fähigkeit des kritischen Auseinandersetzens mit Empathievermögen und Toleranz. Sie begegnen den Menschen auf Augenhöhe. Sie verlieren nicht die Achtung vor der Würde des Einzelnen. Und wenn es schwierig wird, suchen Sie Gemeinsamkeiten, statt die Differenzen, welche die Gräben vertiefen.
Sie sind ein wahres Vorbild.

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