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Alice Schwarzer und ihre ideologischen Zeitgenossen: Sie müssen jetzt ganz, ganz stark sein!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ALICE SCHWARZER
Tobias Schwarz / Reuters
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Ideologische Scheingefechte, Denkverbote und Gruppenterror: Das wirft Alice Schwarzer den Studierenden an der Universität Würzburg vor. Nach ihren eigenen Worten hat sie "Erstaunliches erlebt". Doch inwiefern waren die Reaktionen der Studentinnen und Studenten während des Vortrags an dem sonnigen Freitag über „Sexualgewalt, Interkulturalität und Recht" unangemessen? Wurde die Vorzeigefeministin von einer kleinen Minderheit terrorisiert und sogar zum Schweigen gebracht?

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Liebe Alice Schwarzer,

zunächst einmal, jetzt müssen Sie ganz stark sein, bin ich Studentin an der Universität Würzburg. Eine von vielen, die nicht mit Ihnen einer Meinung ist. Denn sie unterstellen den Kritikern in den Reihen im Hörsaal, dass sie gar keine Studierende seien und nur zum terrorisieren gekommen waren. Ein Hohn, wenn man Sie ernst nimmt. Eine weitere, leere Farce, wenn man ihrem Vortrag gelauscht hat. Aber nun widme ich mich dem allgemeinen Publikum, die dann die Argumente bewerten mögen. Übrigens gibt es Videomaterial, wie viele bei den kritischen Beiträgen tosenden Beifall geleistet haben. Wichtig für die weniger ideologischen Zeitgenossen.

Alice Schwarzer hält einen Vortrag über das Thema "Sexualität, Interkulturalität und Recht". Beginnend mit der Unterscheidung der Täter in: "hat den deutschen Pass" und nicht. Nach ihren Angaben sind 1/3 der Täter keine deutschen Staatsbürger. Mit einer einfachen Gleichung kommen wir auf das Ergebnis, dass 2/3 es sind: deutsche Staatsbürger. Im Grunde ist diese Unterscheidung für den weiteren Verlauf des Vortrags weniger von Bedeutung. Denn wir konzentrieren uns auf die Täter, die den deutschen Pass nicht besitzen. Es geht um "die Ägypter", "die Afghanen" oder am besten, denn dieser Begriff vereint alles Böse, "die Araber". Diese sind nämlich das Hauptproblem. Der Differenzierung willen, welche sie so oft betont, selbst aber in ihren Äußerungen eher spärlich gebraucht, meint sie zum Ende des Vortrags hin: für dieses Problem bräuchten wir nicht die "Illegalen". "Deutsche" wären ebenfalls Täter.

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Frau Schwarzer wirft den Studierenden Realitätsverlust vor. Sie erzählt von ihren Erfahrungen aus ihrem Besuch bei einer befreundeten Familie in Algerien. Die Geschehnisse sind erschreckend.
Doch was ist mit dem "hier und jetzt" in Deutschland? Ist das etwa nicht die Realität? Warum ist meine Aussage, das Kopftuch sei für mich kein politisches Symbol, weniger wert als die Aussage einer algerischen Frau, die es aufgezwungen bekommt?

Zur Klarstellung: Alice Schwarzer möchte das Kopftuch nicht verbieten. Zumindest nicht komplett. Wofür ich ihr sehr dankbar bin (oder sein soll). Es ist schön zu wissen, dass ich noch in einigen Bereichen des Lebens über mich und meinen Körper selbst bestimmen dürfen soll. Sie möchte es nur aus dem Öffentlichen Dienst verbannt haben. Das ist nämlich für sie, entgegen der Ansicht der Richter des Bundesverfassungsgerichts, nicht mit der Demokratie vereinbar. Diese entschieden nämlich durch ein Urteil vom 24. September 2003, dass ein generelles Kopftuchverbot, in diesem Fall für Lehrkräfte im Öffentlichen Dienst, keine hinreichend bestimmte gesetzliche Grundlage im geltenden Recht finde und daher mit dem Grundgesetz unvereinbar sei. Es ist also die Forderung Schwarzers, welche nicht mit den Prinzipien der Demokratie übereinstimmt, nicht das Tragen eines Kopftuchs im Öffentlichen Dienst.

Das Bundesverfassungsgericht argumentiert: Der Symbolgehalt des Kopftuchs sei nicht eindeutig. Sie lasse unterschiedliche Deutungen zu. Anders als Schwarzer selbst. Sie schreibt mir nämlich in ihrer Kolumne eine "radikalisierte Ideologie" zu.

Nun, liebe Frau Schwarzer, wenn Sie eines Tages bereit und fähig sind, die Rechte von Frauen zu verteidigen, die auch nicht ihrem Frauenbild entsprechen, dann, das verspreche ich Ihnen, nehme ich Sie ernst und zum Vorbild.

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