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Drohvideo: IS plant Angriff auf Istanbul

21/08/2015 08:55 CEST | Aktualisiert 21/08/2016 11:12 CEST
Getty

Der sogenannte "Islamische Staat" ist ja nicht nur für seine mutwillige Gewalt, sondern auch für seine kranken Videos bekannt. Nun hat die Terrormiliz ein neues Video veröffentlicht. Es ist sieben Minuten lang, unterscheidet sich jedoch von den anderen Aufnahmen: Der Sprecher konnte fließend Türkisch. Er ist schätzungsweise Mitte 40 mit langem Bart und trägt eine AK-47 im Arm. Seine wichtige Nachricht an das türkische Volk und die Welt: Bald werde Istanbul „erobert" durch die Armee des „Kalifen".

Nun ja, diese Armee von der er spricht, konnte ja offensichtlich auch nicht Kobane einnehmen, das im Norden Syriens liegt. Also können wir hoffen, dass wir in Istanbul zumindest in naher Zukunft sicher sind. Immerhin eines der beliebtesten Reiseziele von uns Deutschen. Doch trotzdem ist das Video wichtig, da es zeigt, wie der IS zur Türkei, zur momentanen türkischen Regierung und zur PKK steht.

Die Türken - untreue Verräter

Der Mann im Video hat anfangs versucht eine kurze Einführung über „unsere Leute" zu geben - damit meint er die Türken. Sie seien stets gute Soldaten gewesen, hätten dem Islam treu gedient, erklärt er. Doch dann sei der säkulare Mustafa Kemal Atatürk gekommen, der die türkische Republik gründete und „drückte uns Untreue auf".

Dann sei der Verräter und heutige Präsident Recep Tayyip Erdogan gekommen, der nicht nach der Scharia, also dem religiösen Gesetz des Islam, regierte. „Er freundete sich mit den USA, den Juden, den Kreuzrittern, mit der atheistischen PKK und mit Atatürks säkularen Freunden an."

All die Vorwürfe hin oder her. Die Taktik des IS haben wir ja mittlerweile durchschaut. Jeder der dem IS im Weg steht ist Teil eines gigantischen Zusammenschlusses von teuflischen Kräften. Unter ihnen auch der türkische Präsident Erdogan und seine islamisch-konservative AK-Partei. Es ist also nicht überraschend, dass die Videonachricht direkt nach der Abmachung zwischen Ankara und Washington kam, die die Öffnung des türkischen Incirlik-Luftwaffenstützpunkts für die US-Luftwaffe beschloss.

Die Türkei hat den IS bereits im Jahr 2013 auf ihre Schwarze Liste gesetzt, wurde jedoch vom Westen immer wieder dafür kritisiert, an seinen Grenzen ein Auge zugedrückt zu haben, wenn es um IS-Kämpfer ging. Jetzt ist die Position der Türkei gegen den IS klarer. Vor allem nach dem Bombenanschlag in der türkischen Stadt Suruc, bei dem 33 Menschen ums Leben kamen.

Eine schwarze Zukunft für die Türkei

Der IS-Kämpfer im Videoclip fordert nun alle „guten" Moslems in der Türkei dazu auf, zu kämpfen. Er spricht seine abschließenden Worte: Bald werde demnach der türkische Osten durch die atheistische PKK beherrscht werden und der Westen werde den Kreuzrittern gehören. Sie werden Kinder töten, Frauen vergewaltigen und die Menschen versklaven.

„Oh Bürger der Türkei; bevor es zu spät ist müsst ihr aufstehen und gegen diese Atheisten, Kreuzritter und Verräter kämpfen. Ihr solltet auch Reue zeigen. Ihr solltet die Demokratie verdammen, den Säkularismus, die vom Menschen gemachte Gesetze und andere teuflischen Dinge". Und falls die Türken dies nicht tun sollten, dann seien sie in „Gefahr".

Man stellt sich natürlich die Frage, warum die Türkei so lange darauf gewartet hat auf die Bedrohung des IS zu reagieren. Doch andererseits ist der IS eine noch nie da gewesene Bedrohung für die gesamte Welt, nicht nur für die islamische Welt. Sicherheitsexperten sind sich einig, dass es lange dauern werde, bis sich diese Gefahr legt.

Sicherlich kann man folgende Schlussfolgerung ziehen: Nach der Öffnung des türkischen Luftraums für die US-Waffe und nach den Drohungen des IS gegen die Türkei, hat der Kampf zwischen der Türkei und dem IS eben erst begonnen.


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