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Am Tag der Deutschen Einheit wurde mir klar: Wir sind schon längst kein geeintes Land mehr

03/10/2017 15:00 CEST | Aktualisiert 03/10/2017 15:00 CEST
Thomas Lohnes via Getty Images

Einigkeit und Recht und Freiheit: Genau diese Zeilen gingen mir durch den Kopf am Abend des Wahlsonntags 2017.

Auf die Frage, warum mir die letzte Strophe unserer Nationalhymne in den Sinn kam, kann ich nur kopfschüttelnd antworten: weil wir längst keine Einheit mehr bilden in Deutschland.

Es fällt mir schwer zuzugeben, dass der international vorherrschende Populismus die Bundesgrenzen schon längst passiert hat. Doch noch trauriger ist, dass Jeder dem Anderen die Schuld in die Schuhe schiebt, dem Populismus den Einlass erleichtert zu haben.

Welche Zukunft wollen wir für Deutschland?

Man vergisst jedoch, dass unsere Grenzen längst undicht waren. Wir sind nicht fähig, uns auf einen großen gemeinsamen Nenner für die Zukunft Deutschlands einig zu werden. Eher zerbrechen wir uns den Kopf über den Brexit und die Aussagen Donald Trumps.

Der größte gemeinsame Nenner für Deutschland? Wie wäre es mit einer sicheren Zukunft für unsere Kinder?

Während die Medien sich im Wahlzeitraum über Erdogans Provokationen echauffierten, nutzte die AfD die Gelegenheit um vermehrt populistische Wahlpropaganda zu betreiben.

Natürlich führte das dazu, dass die Rechtspopulisten den Diskurs in der Medienberichterstattung zu ihren eigenen Gunsten nutzen konnte. Frei nach dem Motto: "Bad news are good news."

Und was haben die etablierten Politiker gemacht? Sie haben sich mitreißen lassen, wie etwa im TV-Duell Anfang September, und waren unfähig, zukunftsfähige Wahlversprechen zu machen.

Nach Überzeugungskraft in den Argumenten hat der Wähler vergebens gesucht, weshalb die Bewohner dieses Landers opportunistisch und trotzig gewählt haben. Beide Eigenschaften schaden dem Gemeinwohl einer Gesellschaft erheblich.

Chaos im politischen Deutschland

Nach der Wahl herrscht Chaos in der politischen Landschaft: alle sind empört und schockiert über den Wahlsieg der AfD und die Niederlage der Zentrumsparteien.

Hinzu kommt die Unruhe innerhalb der etablierten Parteien: Frauke Petry und Marcus Pretzell sind aus der AfD ausgetreten, Seehofer spielte kurz mit dem Gedanken sich von der Schwesterpartei CDU zu trennen und die CSU-Basis will den Rücktritt Seehofers.

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.png Inside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

Nur eins möchte ich vorne wegnehmen: Dieses Chaos wird durch die Medien ein lautes Echo in der Gesellschaft finden - das sollte uns allen klar sein.

Zu sagen, "Ich gehöre zu den 87%", bringt uns nichts. Genauso wenig wie auf die Mitbürger zu schimpfen, die wir leider immer noch als "Ostdeutsche" bezeichnen und damit auszugrenzen.

Es ist kein Wunder, warum so viele von diesen Mitbürgern sich der AfD zuwenden.

Wir vergrößern damit die Kluft innerhalb der Gesellschaft, was wiederum Nährboden für den Populismus birgt. Es hilft uns auch nicht die Flüchtlinge als Grund allen Übels zu sehen, oder die fehlerhafte Politik der Großen Koalition verantwortlich dafür zu machen.

Einheit heißt, gemeinsam für das Wohl dieses Landes zu handeln

Kurzum es bringt gerade nichts einen Sündenbock ausfindig zu machen, um diesen dann an den Pranger zu stellen, denn Deutschland ist damit nicht geholfen. Wir müssen von der altbewährten Handlungsweise der Marginalisierung absehen.

Sowohl die Gesellschaft, als auch die Medien und die Politik müssen gemeinsam nach Wegen suchen mit der neuen Situation im Bundestag und somit auch in der politischen Landschaft klarzukommen. Nur so lässt sich die gerade als trostlos bezeichnete Situation - nämlich der Einzug der AfD in den Bundestag - meistern.

Denn Einheit bedeutet für mich gemeinsam, ungeachtet der Herkunft, politischen Ideologie oder Religion, für dieses Land zu handeln. Für alles weitere lassen wir die Nationalhymne sprechen:

"Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland! Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand!

Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand: Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland!"

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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