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"Raffgierig und erpresserisch": Die Lufthansa Piloten sind eine Gefahr für die deutsche Wirtschaft

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PILOT
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Eine schwere Belastung für die gesamte Konjunktur in Deutschland sind die Lufthansa-Piloten. Die Passagiere, die Frachtversender, ja, wir alle zahlen die Zeche. Wie wenig Verantwortung die Piloten für ihre traditionsreiche, seit 1926 fliegende Kranich-Linie augenscheinlich aufbringen: das mutet sehr bedenklich an. Wann reagieren Justiz und Politik?

Fast 3.000 Lang- und Kurzstreckenverbindungen mussten von Mittwoch bis Samstag abgesagt werden, nur für einige wenige Flüge konnten Ersatz-Piloten gefunden werden. Weit über 300.000 Passagiere, viele Frachtempfänger und -versender, die Lufthansa-Aktionäre und, ja, wir alle zahlen die Zeche.

Dieser Streik ist juristisch vermutlich legitim, aber schon sind Bremsspuren in den Konjunkturerwartungen für Deutschland zu sehen. Überreizen die Piloten ihr Blatt? Das wird nun wohl bald politisch entschieden werden müssen. Oder es findet sich doch noch ein Wirtschaftssenat oder ein Arbeitsgericht, das den maßlosen Millionären auf dem Pilotensessel Einhalt gebietet.

Der Kranich-Linie würdig?

Wie wenig Verantwortung die Piloten augenscheinlich für ihre traditionsreiche, seit 1926 fliegende Kranich-Linie aufbringen: das ist sehr, sehr traurig. Dabei sollte es für jeden Piloten eine Ehre sein, für eine Fluglinie wie Lufthansa fliegen zu dürfen. Bei deren Honorierung, die ohnehin für Hebammen, Krankenschwestern und Altenpfleger schwindelerregend hoch klingt, geht es um rückwirkende Erhöhungen, und zwar ab 2012.

Mehr zum Thema: Lufthansa-Streik geht am Freitag weiter: Mehr als 215.000 Passagiere sind betroffen

Gewiss, ein anständiger Pilot hat ein hübsches sechsstelliges Sümmchen für seine Ausbildung bezahlt, aber das kann jetzt allmählich wirklich niemand mehr hören. Zumal ein Pilotenschein auch beim Militär erworben werden kann, wo er auch teuer erworben wird, allerdings nicht mit hohen Geldbeträgen.

Das Augenmaß scheint ein wenig verloren gegangen, es riecht ein bisschen nach Narzissmus mit drei, vier (oder sind es fünf, sechs, sieben?) goldenen Streifen an der Uniform. Zwar ist die Höhe der Forderung, es geht um jährlich 3,7 Prozent, augenscheinlich nicht abgehoben, aber es geht den Narzissten im Cockpit um volle 22 Prozent. Auf einen Schlag!

22 Prozent! Das sollten Krankenschwestern mal fordern!

22 Prozent mehr für Busfahrer, Krankenschwestern oder Hebammen? Na, da käme aber eine recht eindeutige Antwort! Es ist nicht zu bestreiten: Die die Piloten befinden sich schon jetzt auf einer sehr komfortablen Reiseflughöhe. Dass man seit nunmehr fünf Jahren auf eine Tarifeinigung warten muss, dafür tragen sicher alle Seiten ihre Verantwortung, sicher auch die Konzernspitze.

Die jedoch muss das Gesamtgefüge im Auge haben, und wie es dagegen die Piloten verantworten wollen, eine europäische Traditionsfluglinie anzugreifen, die gegen mutmaßlich mit Öl-Milliarden gesponserte arabische Airlines um die Existenz kämpft, das wird die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) sicher alsbald erklären.

Der Pilotenstreik sei der falsche Weg, erklärte die Lufthansa jedenfalls dem Handelsblatt. Die VC werde ihrer Verantwortung als Tarifpartner nicht gerecht, wenn sie die mehrfach angebotene Schlichtung ignoriere.

Grund für die Streikankündigung sind die gescheiterten Verhandlungen zu den Gehältern von rund 5.400 Kapitänen und Co-Piloten der Lufthansa-Kerngesellschaft, der Lufthansa Cargo und der "Billigtochter" Germanwings. Aktuell liegt den Piloten ein Angebot für 4,4 Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern vor, außerdem sollen 1.000 neue Piloten eingestellt werden.

Doch das ist den Piloten alles nicht genug. VC-Sprecher Jörg Handwerg hält auch dies verbesserte Angebot nicht einmal für wert, dass man darüber verhandelt. VC-Präsident Ilja Schulz klagt, dass es seit inzwischen fünf Jahren trotz eines Gewinnanstiegs des Kranich-Konzerns in Höhe von fünf Milliarden Euro keine Gehaltserhöhung mehr gegeben habe.

Ja, wie denn auch, wenn noch verhandelt wird! Und die Gewerkschaft verlangt ja nun nicht nur ein paar Euros, sondern rückwirkende jährliche Gehaltserhöhungen für den Zeitraum der letzten fünf Jahre; so kommt es dann übrigens zu der abenteuerlichen Forderung von insgesamt 22 Prozent.

Frühere Angebote der Konzernleitung wurden von der VC wegen der Teuerung als Nullrunde gesehen, ja, sogar von Reallohnverlusten war die Rede. Ja, die Teuerung, die macht bei Gehältern von weit über 100.000 Euro jährlich wirklich enorm viel aus! Wenn das eine Altenpflegerin oder eine Erzieherin mit 1.200 oder 1.400 Euro brutto im Monat sagen würden, klänge es irgendwie glaubwürdiger.

Kein Saft, kein Brötchen

Auch bei der Lufthansa-Tochter Eurowings ist übrigens gestreikt worden, das ist schon fast in Vergessenheit geraten. Trotz mehrmonatiger Verhandlungen habe mit dem Vorstand von Eurowings bislang kein Tarifabschluss erzielt werden können, beklagte die als Trittbrettfahrer auftretende DGB-Gewerkschaft Verdi. In Hamburg traf es 19 Abflüge und 19 Ankünfte von Eurowings-Maschinen. Über 4.000 Passagiere wurden nicht befördert. In Düsseldorf waren laut Eurowings 44 Starts und 44 Landungen betroffen.

Gegenüber dem großen Pilotenstreik bei Lufthansa klingt das zwar wie Kaffee aus dem Pappbecher, aber für Eurowings ist die Auseinandersetzung durchaus ein ernstes Problem. Verdi fordert für die rund 460 Beschäftigten in der Kabine bei Eurowings eine Anhebung der Gehälter und Funktionszulagen von sieben Prozent, zusätzlich 500 Euro Zulage für die Kabinenleitung und einige weitere Verbesserungen. Am 11. November war zuletzt ergebnislos verhandelt worden.

Spohr stellt drohende Pleite in den Raum

Gemessen am Umsatz ist die Lufthansa derzeit noch die größte Fluggesellschaft der Welt. Die Kranich-Linie wächst langsamer als die internationale Konkurrenz. CEO Carsten Spohr setzt deshalb auf einen konsequenten Sparkurs. Germanwings und Eurowings sind als preiswerte Konzerntöchter notwendig, um der Billigkonkurrenz Paroli bieten zu können.

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Die teils höchst unfair subventionierte Konkurrenz aus dem arabischen Raum kann sich der Kranich gerade so eben vom Leibe halten. Und nun kommen die eigenen Piloten, Gott bewahre! Wenn deren Forderungen voll erfüllt würden, flöge die Lufthansa unweigerlich in die baldige Pleite, stellte Carsten Spohr nüchtern fest.

Das Fazit ist irgendwie auch unumgänglich. Die Lufthansa, Deutschlands traditionsreiche Airline, die in 90 Jahren die schlimmste Diktatur, dann alliierte Flugverbote und schließlich alle beinharten internationelen Konkurrenzkämpfe der globalisierten Jetztzeit überlebt hat, braucht ganz offenkundig andere Piloten. Wer 22 Prozent auf einen Schlag mehr verdienen will, sollte vielleicht nach Arabien auswandern. Dann wären wir auch die arroganten Schnösel in der Nachbarschaft los, allen wäre geholfen. Alsdann:

Tschüss, guten Flug und salam aleikum, Ihr Cockpit-Piloten!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf "The European"

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