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8 Dinge, die ihr über Kolumbianer wissen solltet

22/10/2015 09:51 CEST | Aktualisiert 22/10/2016 11:12 CEST
John Coletti via Getty Images

Ich lebe nun schon zum dritten Mal im Ausland. Leider musste ich am eigenen Leib erfahren, dass ich jedes Mal, wenn ich neue Leute kennen lerne, dumme Witze über mich und mein Land zu hören bekomme, sobald sie herausfinden, dass ich aus Kolumbien stamme. Das ist mir auch in Deutschland schon passiert, wenngleich nicht so oft wie in den USA.

Hier sind darum acht Dinge, die man im Hinterkopf behalten sollte, wenn man jemanden aus Kolumbien trifft. So lassen sich kulturelle Fettnäpfchen vermeiden.

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1. Schluss mit den blöden Sprüchen über Drogen.

"Du bist also aus Kolumbien? Drogen, Drogen, Drogen und 'ne Tonne Kokain, haha!" Sage so etwas nie zu jemandem aus Kolumbien. Die Drogenkartelle haben unserem Land, unserem Volk und unserem internationalen Ruf großen Schaden zugefügt.

Wenn ihr herausfinden wollt, wie man einen netten, lockeren Kolumbianer so richtig wütend macht, dann ist das schon mal ein guter Anfang. Wusstet ihr übrigens, dass die meisten Drogen, die in Kolumbien produziert werden, im Ausland gekauft und konsumiert werden? Wie dem auch sei- nehmt ein bisschen Rücksicht und schneidet dieses heikle Thema nicht an.

2. Keine Angst vor netten Fragen.

Ihr wisst also nichts über Kolumbien, abgesehen von unserem schlechten Ruf in puncto Drogen und Sicherheitslage? Dann stellt einfach ein paar nette Fragen! Kolumbianer im Ausland sind mehr als guten Willens, euch zu zeigen, wie schön unser Land ist und warum wir es lieben.

In der Tat könnte es sogar passieren, dass wir eine freundliche Einladung für einen gemeinsamen Besuch aussprechen. Wenn man keine Ahnung hat, ist es immer besser, höfliche Fragen zu stellen, als sich trotzdem über das Thema auszulassen und so die eigene Unwissenheit zu demonstrieren.

3. Kolumbianer sind ein höfliches Völkchen -und gehen gern auf Tuchfühlung.

Keine Angst, wenn ihr beim ersten Treffen mit jemandem aus Kolumbien gleich einen Kuss auf die Wange und eine feste Umarmung bekommt. Wir sind im Allgemeinen sehr herzliche, gefühlsbetonte Leute, und eine solche Geste ist für uns eine normale, höfliche Art der Begrüßung.

Kein Grund zur Panik also! (Ich habe es in Europa- vor allem in den nördlicheren Gefilden- schon oft erlebt, dass andere Leute von so viel Körperkontakt schockiert waren.) Wir lächeln auch viel und sagen immer „danke schön", „permiso" und „que pena". Wir gelten zudem als hilfsbereit und großzügig. Dafür gibt es sogar ein südamerikanisches Sprichwort: "Jeder braucht im Leben einen Kolumbianer."

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4. Wir sprechen kolumbianisches Spanisch.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mich ein Kind in den USA gefragt hat, ob ich "Mexikanisch" rede. Ich habe ihm dann erst einmal erklärt, dass „Mexikanisch" keine Sprache ist.

Außerdem spreche ich kolumbianisches Spanisch, das sich inzwischen ziemlich vom ursprünglichen Spanisch der Kolonialherren- der kastilischen Variante- und von anderen Formen des lateinamerikanischen Spanisch unterscheidet. Neben dem kolumbianischen Spanisch gibt es mexikanisches "Órale" Spanisch, den "Che boludo" Dialekt der Argentinier, und so weiter. Eine Sprache mit viele verschiedenen Akzenten und Nuancen.

5. Pablo Escobar war ein Schwerverbrecher.

Siehe auch Punkt eins: Wenn du eine Unterhaltung mit einem Kolumbianer beginnst, dann gilt hier das Gleiche wie bei den Drogen. Pablo Escobar ist so ziemlich das letzte Thema, über das dein Gesprächspartner diskutieren möchte. Für uns ist er kein Idol: Er war ein Mörder, Schmuggler und Drogenbaron- skrupellos, gewalttätig und verdorben.

Es ist respektlos und beleidigend, ihn bei jeder Gelegenheit zu erwähnen. Vielleicht hast du ja mal eine Reportage über ihn gelesen oder eine Folge von dieser neuen Netflix-Serie gesehen- deshalb weißt du aber noch lange nicht, wie sehr Kolumbien unter ihm und seinesgleichen gelitten hat. Nein, wir möchten nicht über Pablo Escobar reden. Punkt.

6. Alle Kolumbianer können tanzen.

Kolumbien ist für seine musikalischen Traditionen, die Salsa-Kultur und natürlich Reggaetón international bekannt. Wenn du also jemanden aus Kolumbien kennen lernst, ist es gut möglich, dass ihr gemeinsam auf einer Party landet: Schließlich wissen wir Kolumbianer auch, wie man ordentlich feiert.

Sei also nicht schüchtern und fordere auf der Party deinen neuen Freund (oder deine neue Freundin) gleich zum Tanzen auf- auch wenn von du von Salsa & Co nicht die geringste Ahnung hast. Hier haben wir viel Geduld und lieben es, anderen Leuten aus hüftsteiferen Nationen unsere lateinamerikanischen Rhythmen nahe zu bringen.

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7. Wir sind auch ganz schön trinkfest.

Als ich mein Auslandssemester in Deutschland verbracht habe, dachte ich, dass der Alkoholkonsum in Kolumbien eher durchschnittlich ist: Auch die Deutschen und die Russen, die ich hier getroffen habe, waren zum Teil ziemlich hart im Nehmen. In Kolumbien lieben wir aromatisierten Schnaps- schmeckt echt lecker, kann aber schnell gefährlich werden, wenn auch nicht so gefährlich wie Wodka pur.

Nach meiner Rückkehr nach Kolumbien fiel mir jedoch zum ersten Mal auf, dass man dort quasi an jeder Straßenecke Zwei-Liter-Flaschen aguardiente (Schnaps aus Anis und Zuckerrohr mit bis zu 29 Volumenprozent) kaufen kann, und das ist schon irgendwie verrückt. Meine ausländischen Freunde würden mir da sicher zustimmen- auch die Deutschen und die Russen.

8. Leider sind wir tatsächlich unpünktlich.

In Lateinamerika läuft alles ein bisschen langsamer. Natürlich sind auch wir von der Arbeit, dem Verkehrschaos und so weiter gestresst- und darum lassen wir es lieber langsam und entspannt angehen.

Daum kommen Kolumbianer meistens eine Viertelstunde zu spät, was meiner Erfahrung nach in Lateinamerika als vollkommen normal gilt. Im Berufsleben versuchen wir jedoch, den Terminplan anderer Leute zu respektieren. Trotzdem machen uns überpünktliche Länder wie Deutschland ein bisschen zu schaffen. Deutsche Pünktlichkeit war für mich ein echter Kulturschock.

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