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"Das Zeitalter der Optimisten beginnt" - warum es ein Fehler ist, Rechtspopulisten nachzueifern

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MACRON
Benoit Tessier / Reuters
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Vor allem eines wissen wir seit gestern Abend: Es ist sinnlos, Rechtspopulisten nachzuplappern und Angst zu verbreiten. Die politische Mitte sollte sich noch entschiedener von ihnen abgrenzen.

Natürlich sind die Rechtspopulisten in Frankreich mit der gestrigen Niederlage gegen Emmanuel Macron nicht endgültig besiegt. Der Front National und seine Spitzenkandidatin Marine Le Pen erlangten - trotz der Niederlage - ein Rekordergebnis.

Le Pen ist damit so stark wie nie zuvor - und die bürgerliche Mitte ist nicht nur schwach, sondern auch gespalten. Das könnte in einigen Monaten, bei der Wahl zur Nationalversammlung, noch bittere Konsequenzen haben.

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Von dem Sieg Emmanuel Macrons geht trotzdem eine wichtige Botschaft aus: Wer Rechtspopulisten nacheifert - wie es etwa der gescheiterte Ex-Präsident Nicolas Sarkozy versucht hat - scheitert.

Wichtiger noch: Mit dem Ideal einer offenen, freien und liberalen Gesellschaft und einem Bekenntnis zur Europäischen Union, lassen sich in Europa Wahlen gewinnen. Das ist eine gute Nachricht, auch für die Bundestagswahl in Deutschland.

Bürgerliche Werte für einen Wandel

Rechtspopulistische Positionen zu besetzen ist keine erfolgsversprechende Strategie für bürgerliche Parteien, weder in Frankreich noch in Deutschland.

Jetzt, da der Welt am Beispiel der USA klar wird, welch verheerende Folgen eine "Denkzettelwahl" haben kann, entdecken die Bürger, was sie an der liberalen Demokratie haben. In Deutschland zeigen Bewegungen wie Pulse of Europe sogar, dass die Menschen auf einmal bereit sind, für diese Werte auf die Straße zu gehen.

Mehr zum Thema: 9 Dinge, die jeder tun kann, um Europa vor denen zu schützen, die es zerstören wollen

Niemand würde behaupten, dass es aktuell keine wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Probleme gäbe.

Doch wir sehen, dass in diesem Klima Politiker hoch im Kurs stehen, die bürgerliche Wege für einen Wandel aufzeigen und sich so entscheidend von den Rechtspopulisten absetzen.

Nicht die Angst gewinnt, sondern Sätze wie: "Ich will viel mehr Europa, und ich will es mit Deutschland. Ich vertraue Deutschland", wie sie Macron sagt.

Le Pen dagegen setzte voll auf ein EU-Austrittsreferendum und damit letztlich auf eine Spaltung Europas.

Die rechte Kandidatin spielte mit den Ängsten der Menschen. Angst vor Terror, Angst vor dem Islam - und Angst vor Globalisierung generell.

Positive Visionen für Europa

Macron dagegen stellte die Zukunft in den Mittelpunkt.

Der ehemalige Investmentbanker und Wirtschaftsminister versprach, Reformen anstoßen, der Wirtschaft mit mehr unternehmerischer Freiheit auf die Beine zu helfen - und Arbeitnehmern gleichzeitig mehr Sicherheit zu verschaffen.

Wie das am Ende zusammen funktioniert, werden wir sehen.

Entscheidend ist, dass Macrons positive Vision für die Zukunft im Wahlkampf funktioniert hat. Einen ähnlichen Erfolg hatten bereits die Grünen in den Niederlanden, die nach einem zukunftsgewandten, pro-europäischen Wahlkampf ein Rekordergebnis feiern konnten.

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Das Spiel mit den Ängsten der Bürger hat sich abgenutzt. Nach Jahren der Panikmache, die viele Staaten in der Beschäftigung mit sich selbst gefangen hielt, wollen die Menschen wissen, wie es weitergeht mit ihren Leben und ihren Existenzen. Es entsteht eine regelrechte Sehnsucht nach Lösungen und Zukunftskonzepten.

Die Antwort auf diese Sehnsucht kann nur eine positive Vision davon sein, wie unsere Zukunft aussehen soll. Eine Idee davon, wie wir auf die großen Fragen der Zukunft reagieren wollen.

Vielleicht ist diese Erkenntnis der Anfang vom Ende der Angstmacher. In jedem Fall aber beginnt gerade das Zeitalter der pragmatischen Optimisten.

Hoffen wir, dass es lange anhält.

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