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Direktvermarktung: Ein gefragtes Geschäft, das eigentlich keines ist

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STROM
- Fotosearch via Getty Images
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Nach wie vor sind viele Unternehmen bei der Direktvermarktung für Strom aus EEG-Anlagen engagiert, wie die jüngste E&M-Branchenerhebung eindeutig zeigt.

Die Fragebögen für die diesjährige E&M-Halbjahresbefragung zur Situation bei der Direktvermarktung waren gerade verschickt, da gab es bereits eine Stunde später die erste Rückmeldung im elektronischen Redaktions-Postfach: Schnell, schneller, Next Kraftwerke.

Vorgeprescht war das Unternehmen mit Sitz in Köln-Ehrenfeld auch zu Beginn des Jahres, als Geschäftsführer Hendrik Sämisch „ein paar größere Übernahmen" unter den Direktvermarktern bis Mitte des Jahres angekündigt hatte. Passiert ist aber nichts. Bis auf die Tatsache, dass der niederländische Energieversorger Eneco zwischenzeitlich mit 34 Prozent bei Next Kraftwerke eingestiegen ist - das gleiche Unternehmen übrigens, dem seit Anfang dieses Jahres die Hälfte von Deutschlands führendem Ökostromanbieter Lichtblick gehört.

„Da hat so manch Anbieter einen längeren Atmen als allgemein vermutet worden ist", versucht sich Sämisch an einer Erklärung für seine Fehlprognose, „außerdem ist es nicht zu dem im vergangenen Jahr noch für möglich gehaltenen Verdrängungswettbewerb durch Neueinsteiger aus dem Ausland gekommen." Immerhin 47 Unternehmen haben sich dieses Mal an der mittlerweile 7. E&M-Umfrage zur Situation der Direktvermarktung beteiligt, bundesweit ist diese Erhebung damit die umfangreichste ihrer Art. Nach wie vor zählen Statkraft Markets, MVV Energie, Trianel/Gesy und Energie Baden-Württemberg zu den Unternehmen mit den größten Portfolien. Erstmals den Sprung unter die Top fünf hat der Eon-Konzern geschafft, dicht gefolgt übrigens von Quadra Energy, dem Tochterunternehmen des Windturbinenherstellers Enercon aus dem ostfriesischen Aurich.

Gleich zwei Newcomer gibt es in der E&M-Übersicht: Und zwar haben erstmals Uniper, die Abspaltung des Eon-Konzerns, sowie die Maxpower GmbH, das Gemeinschaftsunternehmen von inpower GmbH und der Max Bögl-Gruppe, hierzulande unter anderem das führende Unternehmen für den Bau von Windkrafttürmen, ihre Bestandszahlen in die Herrschinger E&M-Zentrale geschickt.
Absehbar ist, dass es bis zur nächsten E&M-Jahresübersicht einen weiteren Teilnehmer geben wird: Und zwar hat die Arge Netz, der mittlerweile rund 320 Betreiberfirmen aus dem Wind-, Solar- und Biogassektor angehören, angekündigt, die Direktvermarktung von EEG-Anlagen ihrer Gesellschafter zum Teil selbst in die Hand zu nehmen.

Dass es nach wie vor eine Vielzahl von Direktvermarkter gebe, hängt nach Einschätzung nach Next Kraftwerke-Geschäftsführer Sämisch mit der mittlerweile fortgeschrittenen „Technologie-, Prozess- und Produktspezialisierung" zusammen. Sprich, es kommt darauf an, die richtige Nische zu finden. So manchen Euro dürften die Direktvermarkter auch mit dem White Labeling ihrer Dienstleistungen verdienen. Kaum einer von ihnen lässt diese Zusatzeinnahmen ungenutzt, wie die E&M-Umfrage zeigt. Dennoch, sagt Sämisch, „ist die Direktvermarktung für die meisten Unternehmen derzeit nicht das große Geschäft."

Das Geschäft muss anscheinend noch genügend abwerfen, denn sonst hätten nicht all die 40 Unternehmen, die bei der E&M-Erhebung auf die Frage geantwortet haben, ob sie derzeit mit der Direktvermarktung Geld verdienen, ihre Aktivitäten als „profitabel" bezeichnet.

Diese hohe Zustimmungsquote verwundert Stefan-Jörg Göbel von Statkraft Markets, hierzulande der Marktführer unter den Direktvermarkter. Für ihn hat sich an der finanziell wenig prickelnden Situation im Direktvermarktungsgeschäft in den vergangenen Wochen und Monaten „so gut wie gar nichts geändert." Um über die Runden zu kommen, setzt die Deutschland-Dependance des norwegischen Staatskonzern selbst weiterhin auf eine individuelle Bepreisung von Windpark sowie hausinterne Anpassungen: „Wir haben uns schlanker aufgestellt und Prozesse optimiert, was auch die europäische Ebene umfasst", sagt Göbel. Um aber wirklich zu höheren Preisen zu kommen, führt für ihn kein Weg an einer Konsolidierung vorbei: „Viele von uns warten auf den großen Knall."