Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Sebastian Heimann Headshot

"Nur wer wählt, zählt!": Wo bleibt die Familie?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FAMILIES ON VACATION TOGETHER
Paul Bradbury via Getty Images
Drucken

Ich bin kein Pessimist, aber wenn die Menschen immer älter werden und sich die Jüngeren immer seltener für ein Kind entscheiden, haben wir ein gesellschaftliches Problem. Ein großes Problem. Denn irgendwann stehen wenige Junge sehr vielen Alten gegenüber. Das hat gravierende Auswirkungen - und zwar auf alle Lebensbereiche.

Die wenigen Jungen zahlen die Renten-, Pflege- und Krankenversicherungsbeiträge für die vielen Alten. Das ist grundsätzlich völlig in Ordnung, denn wir haben uns zum Solidarprinzip bekannt. Jung steht für Alt ein, Gesund für Krank. Knifflig wird es, wenn die nachwachsende Generation kaum noch das Geld für die eigene Familie aufbringen kann, weil sie auch für die ältere Generation, die dann deutlich in der Überzahl ist, aufkommen muss - ohne für das eigene Alter vorsorgen zu können.

Wenn ich beispielsweise an die bevorstehende Bundestagswahl denke, sieht das Bild so aus: Sehr viele ältere Menschen geben ihre Stimme ab - für eine Politik, die ihre Interessen und Wünsche vertritt. Das ist vollkommen verständlich. Bei der Bundestagswahl 2013 waren rund 62 Millionen Deutsche wahlberechtigt. Ein Drittel davon waren zum Zeitpunkt der Wahl 60 Jahre und älter. Nun sind vier weitere Jahre ins Land gegangen und 2017 steht eine Mehrheit von Senioren wenigen jungen Familien gegenüber.

Aber wer kümmert sich tatsächlich um die Bedürfnisse der Familien und 13 Millionen Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren, die nicht wahlberechtigt sind? Die Jugend hat keine Stimme, denn sie darf nicht wählen. Ihre Eltern haben nur jeweils eine Stimme - für ihre Kinder können sie kein Kreuz auf dem Wahlzettel machen.

Dabei interessieren sich Kinder und Jugendliche für Politik. Fragen des Umwelt- und Naturschutzes, militärische Konflikte, Hunger und Flucht oder das Thema Zukunftsangst beschäftigen die Mädchen und Jungen. In der Schule lernen sie, wie eine Demokratie funktioniert. Doch zu wählen ist ihnen verboten. Das vorgeschriebene Wahlalter von 18 Jahren und die fehlende treuhänderische Wahl der Eltern für ihre Kinder verhindert eine politische Mitbestimmung und setzt eine künstliche und bisher unüberbrückbare Grenze.

Das soll sich nun ändern! Die Kampagne „Nur wer wählt, zählt!" will so viele Menschen wie möglich mobilisieren, um eine Änderung des Grundgesetzes zu erreichen. Denn hier liegt der Haken.

Artikel 20 GG gibt vor, dass „alle Staatsgewalt vom Volke" ausgeht. Gemeint sind alle Staatsbürger, Groß und Klein. Doch Artikel 38 GG schränkt diese Mitwirkung plötzlich wieder ein, in dem das Wahlalter auf 18 Jahre festgelegt wird. Ganz ohne Begründung.

Stattdessen sollten künftig Eltern treuhänderisch das Wahlrecht ihrer Kinder ausüben, bis sie alt genug und bereit sind, um sich ins Wahlregister eintragen zu lassen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass alle Bundesbürger wirklich mitentscheiden. Eltern handeln schon längst treuhänderisch für ihre Kinder und in allen Lebenslagen - und das ist auch so von unserer Verfassung gewollt (Artikel 6 GG). Interessanter Weise dürfen Kinder (vertreten durch ihre Eltern) heute Aktien kaufen, Großunternehmen besitzen und Steuern zahlen - doch politisch mitbestimmen und für eigene Interessen eintreten dürfen sie nicht!

Für eine nachhaltige Politik und eine stabile Zukunft brauchen wir die Stimmen aller Staatsbürger! 13 Millionen Bundesbürger wollen wählen. Familien wollen auch in Zukunft ihre Interessen von der Politik vertreten wissen. Wir sollten und müssen mehr Demokratie wagen!

Macht mit und engagiert euch für ein Wahlrecht ab Geburt: www.wahlrecht.jetzt

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.