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Lieber Hans-Christian Ströbele: Ihr grüner Pazifismus ist in Zeiten des Massenmords brandgefährlich

Veröffentlicht: Aktualisiert:
STROEBELE
Reuters
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Lieber Hans-Christian Ströbele!

Sie sind sind in Berlin ein weit über die Grenzen ihrer Partei respektierter Politiker. Mit Recht. Ihr Kampf gegen den ausufernden amerikanischen Überwachungsstaat nach den Enthüllungen von Edward Snowden war wichtig. Sie gelten mit gutem Grund als „linkes Gewissen" der Grünen.

Aber im Fall des amerikanischen Militärschlags gegen eine syrische Luftwaffenbasis irren Sie sich. Und wie.

Auf Twitter überschlagen Sie sich derzeit mit Tiraden gegen die amerikanische Regierung. Sie beschimpfen die USA als „Weltpolizist", der sich über die Beschlusslage der Vereinten Nationen hinweg setze.

Damit spielen sie das zynische Spiel der russischen Regierung mit. Wladimir Putin hatte sich 2015 in den Syrienkrieg eingeschaltet. Seine Luftwaffe ist unter anderem an dem Massaker von Aleppo mitverantwortlich. Das alles wohl gemerkt ohne UN-Resolution. Man hätte sich damals von Ihnen gewünscht, dass sie ähnlich schnell auf den Zinnen gewesen wären.

Stattdessen schlugen sie noch kurz vor der sich abzeichnenden russischen Intervention in Syrien Ende September 2015 vor, Gespräche mit dem Assad-Regime zu führen.

Was für ein Irrtum. Drei Tage später setzten die russischen Bombardements ein, die von Beginn an einzig dazu dienten, die mit Moskau verbündeten Kriegsverbrecher um den Diktator Bashar al-Assad im Amt zu halten.

Und dass die russische Gesandtschaft im Sicherheitsrat vor wenigen Tagen mit ihrem Veto nach dem Giftgas-Mord an Dutzenden Zivilisten eine längst überfällige Resolution verhinderte - das scheint Sie nicht großartig zu interessieren.

Aber sie gehen noch weiter: In einem sehr wirren Tweet voller intellektueller Kurzschlüsse beschuldigen Sie nun die USA, „mit Bomben" einen „Brand" löschen zu wollen, den die USA einst angeblich mit ihrem Krieg im Irak gelegt hätten.

Da ist blanker Hass auf Amerika zwischen den Zeilen zu hören.

Ihnen scheint völlig egal zu sein, wie der Krieg in Syrien begonnen hat: Mit einem Volksaufstand im März 2011, den Assad mit immer brutaleren Mitteln zu unterdrücken versuchte.

Ihr Versuch, das alles auf geopolitische Interessen seitens der Amerikaner zu reduzieren, ist armselig. Folgt man Ihrer Lesart, dann gab es keine Menschen, die vor sechs Jahren für ein freieres, demokratischeres Syrien auf die Straße gegangen sind.

Das ist ein typisches Muster der verlogenen linken Friedensrhetorik, das sich auch schon in der Ukraine zeigte: Auch dort blendeten so genannte „Friedensbewegte" die Existenz eines Volkswillens in der Ukraine komplett aus. Alles war am Ende nur noch ein globales Schachspiel zwischen den USA und Russland, in dem die Ukrainer höchstens als Bauern taugten.

Aber nur so kann man als Linker die antiamerikanischen Reflexe triggern, die es bis tief in der Mitte des politischen Spektrums in Deutschland gibt.

Assad ist ein Massenmörder

Bashar al-Assad tritt sämtliche Werte von Menschlichkeit und Miteinander, an die wir in den liberalen Demokratien des Westens glauben, mit Füßen. Sagen wir es gerade heraus: Er ist ein Massenmörder. Schon Barack Obama hätte gegen ihn aktiv werden müssen. Doch dafür war er zu bequem.

Ich bin kein Fan von Donald Trump. Ich halte ihn für einen der gefährlichsten Politiker, den es derzeit auf der Welt gibt. Aber in diesem Fall hat der falsche Mann die richtige Entscheidung getroffen.

Mehr zum Thema: Auch Donald Trump hat mal Recht: Der Raketenagriff auf Syrien war längst überfällig

Der Angriff auf die syrische Luftwaffenbasis nahe Homs war adäquat und verhältnismäßig. Es war das richtige Ziel und ein gutes Signal: Nach sechs Jahren zeigt jemand dem Assad-Regime, dass die Welt seinen totalen Krieg gegen die eigene Bevölkerung nicht länger duldet.

Man muss Trump kritisieren. Aber nicht so!

Eine andere Frage ist, ob Trump seinen Befehl gut durchdacht hat. Ich glaube nicht, dass Trump über den Tag des Angriffs hinaus geplant hat. Hier müsste die Kritik ansetzen.

Sie aber gefallen sich lieber in der Rolle des Amerika-Kritikers.

Wenn das alles ist, was linke Friedenspolitik derzeit zu vermelden hat, dann wäre Funkstille vielleicht die bessere Lösung.

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(jg)