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Sebastian Canaves Headshot

Wie Reisen zu meiner Identitätsfindung beigetragen hat

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BACKPACKER
Jordan Siemens via Getty Images
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Wer bin ich? Diese Frage stellt sich jeder mindestens einmal im Leben, wenn nicht sogar mehrere Male. Viele beantworten sie mit ihrer Herkunft: Ich bin Deutscher. Ich bin Schwede. Ich bin Südafrikaner. Die Frage wer wir sind wird also viel mehr zur Frage woher wir kommen.

Meiner Meinung nach ist das aber eine ziemlich faule Antwort, denn wirklich aussagen, wer wir sind, kann ein einziges Land oder eine einzige Kultur nicht. Und was ist schließlich mit Leuten wie mir, die in zwei Ländern aufgewachsen sind und zwei Kulturen in sich tragen? Was ist mit Leuten, die sogar drei oder noch mehr Kulturen in sich tragen?

Für mich war es immer schwer, mich dieser Frage zu stellen und eine passende Antwort zu finden. Zwar bin ich in Spanien geboren, aber meine Mutter ist Deutsche und nur mein Vater Spanier. In mir schlugen also schon immer zwei Herzen: das Spanische und das Deutsche - und das in einem ganz unterschiedlichen Rhythmus.

Die Antwort liegt in dir selbst

Erst als ich anfing zu reisen, wurde mir klar, dass ich die Antwort nicht in meinem oder dem Herkunftsland meiner Eltern finden kann, sondern viel mehr in mir selbst. In all den Kulturen, denen ich begegne und in dem, was ich erlebe und erlebt habe. Ich begann mich also unbewusst auf eine Reise zu mir selbst, die mir am Ende meine ganz eigene Antwort auf die Frage "Wer bin ich?" schenkte.

Wie diese Antwort und mein langer Weg zur Identitätsfindung aussieht, verrate ich dir in diesem - mal wieder - sehr persönlichen Beitrag. Und wenn du mutig genug bist, dich dieser Frage ebenfalls zu stellen, wartet am Ende des Beitrags eine kleine Überraschung auf dich!

Vom Heimatlosen zum Weltbürger
Wie Reisen zu meiner Identitätsfindung beigetragen hat

Der Deutsche in Spanien

Blond und blauäugig. So sehe ich heute, und so sah ich auch schon als kleines Kind aus. Ich war immer der blonde Junge unter all den anderen, dunkelhaarigen Kindern. Sowohl im Kindergarten als auch später in der Schule. Denn die ersten Jahre meines Lebens verbrachte ich in Spanien, um genauer zu sein auf Mallorca. Ich ging wie jedes andere Kind in den örtlichen Kindergarten und kam mit 5 Jahren in die Schule.

Ich war doch eigentlich wie alle anderen, dachte ich. Ich war genauso wie sie in Spanien geboren und sprach ganz normal Mallorquinisch, und doch gehörte ich nicht dazu. Ich war immer irgendwie der Außenseiter, andere sprachen hinter meinem Rücken über mich, lachten mich aus oder machten Witze. Als kleines Kind habe ich das nie wirklich verstanden. Welches Kind tut das schon?

Heute weiß ich, dass es gar nicht die Kinder selbst waren, die dachten, dass ich anders war. Vielmehr waren es die Eltern, die ihre Gedanken in die Köpfe ihrer Kinder gepflanzt und somit ihre Ideologie weitergegeben hatten - schrecklich!

Ich wusste oder besser merkte, dass ich in gewisser Weise anders war als die anderen. Dass ich vielleicht nicht ganz so spanisch war wie sie. Denn für sie war ich immer der Deutsche. Der blonde, blauäugige Junge aus Deutschland.

Ich konnte zum Beispiel nie mitreden, wenn mal wieder über die neueste Simpsons Folge von gestern gesprochen wurde, weil wir zuhause kein spanisches, sondern deutsches Fernsehen hatten und auf Pro7 andere Folgen liefen als auf den spanischen Sendern. Und das ging mir auch bei vielen anderen Sachen so.

Ich fand einfach keinen Anschluss und fühlte mich fremd. Fremd unter den anderen Kindern. Fremd in meiner eigenen Heimat.

Ein Teil in mir sehnte sich nach einem richtigen Zuhause, nach einem Ort, an dem ich ganz und gar dazu gehörte. Ich sehnte mich nach Deutschland.

Der Spanier in Deutschland

Und dieser Wunsch sollte wahr werden: Mit 14 zog meine Mutter mit mir und meinem Bruder nach Deutschland. Es ging ganz in den Süden, ins tiefste Bayern, an die Grenze Österreichs - es ging nach Freilassing.

Wir zogen in den Sommerferien um und die ersten Tage und Wochen waren wirklich super. Denn dank meiner Mutter fand ich schnell Anschluss zum Nachbarsjungen und er stelle mich all seinen Freunden vor und nahm mich immer mit, wenn sie etwas unternahmen - ziemlich cool natürlich!

Bis der Sommer dann vorbei war. Der Nachbarsjunge und ich hatten fast den ganzen Sommer mit seinen Freunden verbracht und wir waren im selben Alter und sollten auf die gleiche Schule und - was noch viel cooler war - in die gleiche Klasse kommen.

Als die Schule dann losging, verzichtete ich darauf, dass meine Mutter mich zum ersten Schultag in Deutschland bringt - das war uncool - und fuhr stattdessen mit dem Nachbarsjungen in die Schule. Ich setzte mich in der neuen Klasse automatisch neben ihn und dann kam der erste Schlag in die Fresse. Der Sitz war für seinen besten Freund in der Klasse reserviert und das war mit Sicherheit nicht ich - Autsch!

Der zweite Schock kam, als die Namen in der neuen Klasse aufgerufen wurden und mein Name nicht erwähnt wurde. Der Lehrer, Herr Moser, machte mich vorm gesamten Klassenzimmer an: Wo ich denn herkommen würde, dass ich nicht lesen könne, schließlich würde die Liste doch im Eingang aushängen und und und. Und überhaupt, was ich denn eigentlich in seiner Klasse zu suchen hätte...

Weinend und überfordert wurde ich ins Sekretariat geschickt. Ich wusste nicht, was ich machen musste. Schließlich war alles neu für mich. Es stellte sich heraus, dass sie vergessen hatten, dass ich komme. Sie hatten niemanden darauf aufmerksam gemacht, dass der kleine Sebastian gerade aus dem Ausland hergezogen war. Sie hatten es schlichtweg verpennt und mich dann zurück zu Herrn Moser geschickt, um das zu erklären. Und das war nicht schön - überhaupt nicht!

Ich versuchte meinen Hintergrund zu erklären, dass ich Spanier sei, wenig Deutsch könne und dass ich nun hier in Freilassing leben würde. Ich wurde belächelt, angemacht und aufgefordert mich in die Ecke zu setzen. Mein Nachname hatte ab sofort ein Sternchen angehängt und ich stand von nun an auf dem Kieker von Herrn Moser. Und das sollte sich nicht ändern. Dieser Mann hat mir die Monate darauf das Leben zur Hölle gemacht.

Nach dem ersten Tag wollte ich wieder zurück

Nach dem ersten Schultag ging ich nach Hause, rief meine Mutter an und sagte ihr, dass ich wieder weg wolle. Ich wollte nach Hause, zurück nach Mallorca. In Deutschland würde ich es nicht aushalten.

Und auch jetzt noch, während ich diese Zeilen schreibe, muss ich weinen. So weh tut diese Erfahrung und so ein großes Loch hat sie in mir hinterlassen. Ich hatte und habe in meinem Leben nie wieder so viel Hass erlebt, und eine derartige Verachtung war für mich völlig neu.

Die darauffolgenden Monate waren wirklich die Hölle für mich. Ich sah zwar aus wie ein Deutscher und sprach auch gutes Deutsch, nur konnte ich es nicht schreiben. Ich hatte in Spanien nie wirklich Deutschunterricht. Warum auch, wir planten nie nach Deutschland zu ziehen. Und nun musste ich mich - mit 14 - das erste Mal mit Begriffen wie Adjektiv, Dativ oder Relativsatz auseinandersetzen.

Ich war damit ziemlich überfordert, während meine Lehrer nicht die nötige Geduld mit sich brachten. Im Gegenteil: sie stempelten mich schnell als den Spanier ab, der kein Deutsch kann, behandelten mich nicht fair und verspotteten mich sogar vorm gesamten Klassenraum. Und zu aller Übel war ausgerechnet Herr Moser auch noch mein Deutschlehrer.

Es rieselte schnell schlechte Noten und ich verlor mehr und mehr die Motivation, mich in der Schule anzustrengen. Mein Frust wandelte sich irgendwann sogar in Aggression um und ich war nicht selten in Prügeleien verwickelt. Etwas, worauf ich heute nicht unbedingt stolz bin, aber ich wusste mich damals nicht besser zu wehren.

Ich war so wütend auf meine Lehrer, meine Klassenkameraden, und die ganze Schule. Ich war wütend auf Freilassing und Deutschland, wütend auf mich.

Warum konnte ich nicht dazu gehören? Warum konnte ich nicht Teil der anderen sein?

Mein Wunsch nach Zugehörigkeit wurde auch in Deutschland nicht erfüllt. Auch hier fühlte ich mich nicht zuhause.

Meine Zeit im Internat

Ich bekam immer schlechtere Noten und musste sogar regelmäßig zum Aggressionsbewältigungstraining gehen, um zu lernen mit meiner Wut umzugehen.

Ich wechselte nach ein paar Monaten die Schule und ging auf eine Privatschule, auf der man besser auf mich einging. Dort absolvierte ich meinen Realschulabschluss und versuchte danach das Fachabitur zu machen - diesmal wieder auf einer öffentlichen Schule. Doch leider kamen hier wieder die selben Probleme auf und kurz bevor ich von dieser Schule fliegen sollte, zogen meine Mutter und ich einen Schlussstrich und entschlossen, dass ich aufs Internat gehen sollte.

Binnen einer Woche verließ ich die Schule, verließ Freilassing und zog in die Nähe von Osnabrück aufs Internat. Hier kannte mich niemand, kannte weder meine Geschichte oder wusste von meinen Problemen in den vorherigen Schulen.

Ich war einfach nur der Junge mit dem lustigen Nachnamen, dessen Eltern doch bestimmt Drogendealer sein müssen. Schließlich hört sich Canaves ausgesprochen fast wie Cannabis an. Noch dazu mein zweiter, deutscher Nachname Börner, und das Wortspiel war perfekt: Cannabis, voll der Börner!

Auch heute noch muss ich darüber lachen und irgendwie war es doch komisch, dass mir ausgerechnet mein Nachname auf dem Internat dazu verhalf, Fuß zu fassen.

Ich konnte ganz neu anfangen und das tat ich auch. Denn letztendlich war es meine letzte und einzige Chance, den Schulabschluss in Deutschland doch noch zu schaffen. Zum Glück hatte ich diesmal Lehrer, die mich fair behandelten, mich motivierten und mir Hilfestellung gaben.

Ich schrieb wieder gute Noten und fühlte mich das erste Mal tatsächlich zugehörig, schließlich befand sich jeder im Internat gewissermaßen in der selben Situation. Dennoch war es für mich nur ein Zuhause auf Zeit und es war klar, dass ein Internat niemals, auch nur ansatzweise, einer Heimat nahe kommen würde.

Insgesamt verbrachte ich anderthalb Jahre im Internat und schaffte es am Ende sogar ein Einser-Abi hinzulegen.

Der Europäer in Australien

Doch trotz dieses Erfolgs wollte ich einfach nur weg. Ich wollte einen Ort finden, an dem ich mich richtig wohl fühlte, an dem ich mich dazugehörige und zuhause fühlte. Und eins war klar: Ich wollte auf keinen Fall zurück nach Freilassing und auch nirgendwo anders hin in Deutschland.

Ich erzählte meiner Mutter von meinem Wunsch ins Ausland zu gehen und sie vermittelte mir einen Job bei der Außenstelle ihrer Firma in Australien.

Australien - Wow! Noch nie zuvor war ich so weit weg von Zuhause, einem Zuhause, das es eigentlich nicht wirklich gab. Noch dazu war ich noch nie so lange weg gewesen und so komplett auf mich allein gestellt. Ich war ziemlich aufgeregt, und gleichzeitig super glücklich!

Aber auch in Australien ließ mich die Frage nach mir selbst nicht los. Ich sprach zwar Englisch, aber mein Englisch war natürlich in keinster Weise vergleichbar mit dem Englisch eines Australiers, mal ganz abgesehen vom australischen Akzent.

Man fragte mich, woher ich denn kommen würde und ich erzählte den Leuten, dass ich in Spanien geboren und aufgewachsen, und dann später nach Deutschland gezogen sei. Dass meine Mutter Deutsche und mein Vater Spanier, und ich somit Halb-Spanier und Halb-Deutscher bin.

Dabei fiel mir auf, dass es für die Australier keinen Unterschied machte, ob ich nun Spanier oder Deutscher, oder eben beides bin. Für sie war ich einfach nur Europäer.

Auf Fraser Island in Australien

Ich mochte diesen Gedanken. Diese Idee, mich nicht zwischen zwei Ländern, zwischen zwei Kulturen entscheiden zu müssen. Ich konnte beides sein und das wurde von den Australiern schlichtweg so hingenommen. Für sie war ich einfach nur ein cooler Typ aus Europa, der mehrere Sprachen sprach und für ein paar Monate zum Arbeiten und Reisen nach Australien kam.

Es war das erste Mal, dass ich mir keine großen Gedanken über meine Herkunft machen musste. Und noch viel besser: Ich wurde so akzeptiert, wie ich bin. Punkt.

Dies löste in mir ein so unglaublich befreiendes Gefühl aus, dass ich wirklich der sein konnte, der ich war. Ich musste nicht mehr krampfhaft versuchen, den anderen Kindern in Spanien mehr zu ähneln oder meinen Lehrern in Deutschland zu gefallen. Ich konnte einfach nur ich sein.

Ich war überglücklich, denn endlich hatte ich einen Ort gefunden, der mich ankommen ließ. Der mir die Möglichkeit gab, mich wie zuhause und wie einen Teil der Gesellschaft zu fühlen. Natürlich würde ich auch in Australien nie wirklich dazu gehören, schließlich war ich kein Australier, dennoch wurde ich hier mehr akzeptiert, als ich es in Spanien oder Deutschland je wurde.

Ich wurde von einer komplett anderen Kultur am anderen Ende der Welt mit offenen Armen empfangen und fand sofort Anschluss - ein unbeschreibliches Gefühl!

Ich fühlte mich in Australien so wohl, dass ich mit der Zeit immer mehr typisch australische Eigenschaften übernahm. Zum Beispiel liebe ich es bei einer Flasche Bier am Strand den Barbecue-Grill anzuschmeißen und wenn Leute mich heute auf Englisch reden hören, denken sie oftmals, ich wäre Australier. Schon irgendwie witzig.

Ein schwerer Rückschlag

Weniger witzig war dann allerdings der Unfall, den ich zum Ende meiner Zeit in Australien hatte und der mich dazu zwang, schon früher wieder zurück nach Deutschland zu fliegen. Ich wurde bei einem Überfall mit K.o.-Tropfen und einem anschließenden Autounfall so schwer verletzt, dass ich mehrere OPs durchmachen und später sogar an einer Reha-Therapie teilnehmen musste. Dieser Unfall stellte mein Leben für ein paar Jahre auf den Kopf und stellte auch die Weichen für mein jetziges Leben.

Studium in den Niederlanden und weitere Auslandserfahrungen

Zum Glück verlief die Heilung schnell und nach knapp sechs Wochen konnte ich wieder ganz normal laufen und meine Arme und Hände nutzen.

Für mich stand dann auch direkt ein neues Abenteuer an, denn ich zog fürs Studium in die Niederlanden. Insgesamt zweieinhalb Jahre verbrachte ich dort und nahm auch hier wieder etwas mit: Ich lernte fließend Niederländisch zu sprechen!

Meine nächste Station brachte mich für ein Auslandssemester nach Bulgarien. In dieser Zeit schnappte ich ein bisschen Bulgarisch auf und brachte mir das Kyrillische Alphabet bei, das ich heute noch lesen kann. Zudem reiste ich viel durch Osteuropa und fing an, erste Beiträge auf Off The Path zu veröffentlichen. Da ich mich im Deutschen aber immer noch nicht sicher fühlte, schrieb ich auf Englisch.

Ich fühlte mich immer weniger mit meiner alten Heimat Deutschland und fast noch weniger mit meinem Geburtsland Spanien verbunden. Schließlich waren es schon fast acht Jahre, seit ich von Mallorca weggezogen war und rund vier, seit ich Deutschland den Rücken kehrte.

Diese Verbundenheit wurde noch weniger, als es für mich im Anschluss für ein Praktikum nach Bangkok ging. Hier war ich sowieso nur ein Farang, ein Ausländer. Ob nun aus Spanien, Deutschland, Europa oder Australien, in Thailand ist jeder Nicht-Thai einfach nur ein Farang.

Die Frage, woher ich kam, rückte also immer mehr in den Hintergrund.

Während des Studiums

Wie das Reisen zu meiner Identitätsfindung beitrug
Stattdessen fand ich meine Identität nun mehr und mehr losgelöst von meiner Herkunft. Ich mietete mir nach meiner Zeit in Bangkok zwar eine Wohnung in Berlin, aber auch nur, weil ich mich dazu entschlossen hatte, das Reisebloggen zu meinem Beruf zu machen und so weiter durch die Welt reisen zu können. In Berlin legte ich also immer nur eine Art Zwischenstopp ein, bevor ich mich wieder auf die nächste Reise machte.

Ich merkte, wie mir das Reisen immer mehr dabei half, meine eigene Identität zu finden. Es wurde immer unwichtiger, wo ich eigentlich geboren war. Ich fühlte mich komplett frei und wurde nicht wegen meiner Herkunft verurteilt. Den Einheimischen war es meistens völlig egal, wo genau ich her kam, sie freuten sich einfach nur darüber, dass jemand anderes Interesse an ihrer Kultur und ihrem Land hat.

Ähnlich ging es mir mit all den anderen Reisenden, die ich unterwegs traf. Auch für sie war meine Herkunft kein so großes Thema. Denn letztendlich waren wir alle aus ein und dem selben Grund Reisende: wir interessierten uns für fremde Kulturen, wollten Neues erfahren, waren neugierig und hatten keine Angst vor Herausforderungen. Viel mehr war für sie spannend, welche Länder ich schon bereist und was ich alles so erlebt hatte.

Und genau dieser Punkt zeigte mir, was meine Identität wirklich ausmachte: die Kulturen, die ich auf meinen Reisen mitnahm und die Erlebnisse und Abenteuer, die mich jedes Mal aufs Neue über mich hinauswachsen ließen, die mich an meine Grenzen brachten, mir unbeschreibliche Glücksmomente schenkten und meinen Kopf mit unendlichen vielen, unvergesslichen Bildern füllten.

Ich bezog meine Identität nun nicht mehr auf meine Herkunft und auf die Kultur meiner Eltern, sondern ganz allein auf mich und meine Erfahrungen. Ich lernte mich von Reise zu Reise immer besser selbst kennen, lernte, welche Interessen ich hatte und was mir wirklich Spaß machte. Ich lernte meine Stärken, aber auch meine Schwächen und meine ganz eigenen Charakterzüge kennen - eine Reise zu mir selbst quasi!

Angekommen in der Welt

Heute habe ich schon über 100 Länder bereist und in insgesamt 10 gelebt. Mittlerweile reise ich auch nicht mehr allein, sondern gemeinsam mit meiner Freundin Line, deren Leben sich seither auch komplett umgekrempelt hat.

In den letzten drei Jahren waren wir schon zusammen in Großbritannien, Belgien, Spanien, Italien, Österreich, Australien, Neuseeland, Singapur, Hong Kong, Macao, Thailand, Sri Lanka, Dubai, Marokko und Florida und haben gemeinsam in Schweden, Indonesien und Südafrika gelebt.

Die Frage, wo unser zuhause ist, stellt sich für uns gar nicht mehr, denn unser zuhause befindet sich da, wo wir gerade sind, und das kann auf der ganzen Welt sein. Und genauso beantworten wir die Frage, wer wir sind, nicht mehr mit der faulen Antwort, die unser Herkunftsland, oder in meinem Fall, Herkunftsländer aufzählt, sondern mit dem, was uns wirklich ausmacht.

Skydiven in Neuseeland

Ich bin nicht einfach nur Halb-Spanier, Halb-Deutscher. Ich bin vielmehr ein Abenteurer, ein Reisejunkie. Ich liebe die Herausforderung, liebe Neuseeland und Südafrika. Ich liebe Line und die Möglichkeit, meine Abenteuer gemeinsam mit ihr zu erleben und jeden Abend neben ihr einzuschlafen.

Ich surfe gerne, ob nun mit oder ohne Kite. Und ich esse für mein Leben gerne Burger und trinke unheimlich gerne Flat White. Meine krasseste Erfahrung ist nicht nur eine, sondern gleich mehrere: Ob nun das Schwimmen mit wilden Delfinen in Kaikoura, die Walking Safari bei Port Elizabeth oder die Kajaktour in die Nacht hinein durch die Everglades - all diese Erlebnisse machen mich zudem, der ich heute bin.

Ich schreibe meine Beiträge heute hauptsächlich auf Deutsch und habe es sogar geschafft, mein erstes eigenes Buch mit einem Verlag rauszubringen - und auch das komplett auf Deutsch. Ich rede ganz offen über meine Vergangenheit, meine Probleme in der Schule und meine einstigen Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Denn auch das ist ein Teil von mir.

Und selbst wenn ich heute, mit 27, immer noch blond und blauäugig bin, spielt mein Aussehen eigentlich keine Rolle mehr. In meinem Herzen bin ich nicht nur Spanier und Deutscher, sondern nun auch ein wenig Australier, Bulgarier, Südafrikaner und noch so viel mehr. Jedes Land und jede Kultur, die ich erlebt habe, haben einen Platz in meinem Herzen gefunden und sind heute Teil von mir. Ich fühle mich heute überall zuhause und nicht mehr wie ein Fremder.

Denn ich bin ein Weltbürger. Ich bin Sebastian.

Line und ich in Schottland

Ich weiß, dass es vielen ähnlich geht wie mir. Denn heutzutage gibt es immer mehr Menschen, die mit zwei oder sogar mehr Kulturen aufwachsen. Die sich nie wirklich dazugehörig gefühlt haben und erst durchs Reisen zu ihrer Identität und ihrem wahren Ich gefunden haben. Die so viel reisen wie ich, und die heute mehrere Orte ihr Zuhause nennen.

Meiner Meinung nach geht es nicht darum, in welchem Land wir geboren wurden, sondern was tatsächlich in uns steckt. Und was über die Jahre noch so dazu kommt. Letztendlich hat jeder von uns mehr als nur eine Identität, denn Identität ist nichts eindimensionales. Sie besteht vielmehr aus ganz vielen verschiedenen Schichten.

Und Reisen kann dir dabei helfen, diese Schichten deiner Identität zum Leben zu erwecken und zu dir selbst zu finden. Sei es durch unvergessliche Erfahrungen oder Herausforderungen, die zuerst unüberwindbar scheinen und die du dann doch meisterst. Oder durch die Begegnung mit zunächst fremden Kulturen, die dir dann doch ganz schnell, ganz vertraut und ein Teil von dir werden.

Du kannst das Reisen fast schon wie eine Probe für deine eigene Identität sehen: Wenn du unterwegs bist, begibst du dich auf eine Reise zu dir selbst und lernst dich selbst besser kennen. Du merkst, dass du nicht nur eine Identität hast, sondern dass sich dein Ich aus vielen verschiedenen Identitäten zusammensetzt. Aus vielen verschiedenen Kulturen und aus dem, was du in deinem Leben alles erlebst.

Denn jedes Land und jedes Abenteuer machen dich zu dem, der du bist! Wenn ich dich also jetzt fragen würde, wer du bist, was würdest du antworten? Begib dich jetzt auf eine Reise zu dir selbst und finde deine eigene Identität!

Du willst wissen, wer du bist, welche Kulturen in dir stecken und was deine Identität wirklich ausmacht? Dann stell dich diesen Fragen und mache einen DNA-Test! Gemeinsam mit momondo verlosen wir einen DNA-Test, mit dem du genau das herausfinden kannst!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf offthepath.

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