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Rassistische Kommentare gehören zur Tagesordnung - was sich an den Schulen ändern muss

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INTEGRATION SCHOOL
Rawpixel via Getty Images
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Hey, Ihr Leser*innen da draußen!

Wir freuen uns riesig, Euch im Folgenden unseren Blog "Unsere kleine Bildungsrevolution" in der HuffPost vorstellen zu dürfen!

In den kommenden Wochen erzählen wir Euch, was unserer Meinung nach im deutschen Bildungssystem passieren muss, um Integration und Inklusion langfristig erfolgreich zu meistern. Viele unserer politischen Forderungen unseres Blogs stammen vom Landesschülerausschuss Berlin, der Berliner gesetzlich legitimierten Schüler*innenvertretung. Die Forderungen findet Ihr hier.

Aber wozu das? Ist Deutschland nicht schon in so vielem Weltmeister? Die Antwort: Nein, definitiv nicht! Hier kommt unser Artikel:

Nr. 1. - Was geht ab?

Als erstes wollen wir in unserem ersten Beitrag anschneiden, was nach unseren sowie allgemeinen Erkenntnissen in deutschen Schulen gerade abgeht und erläutern wie man heutige Probleme löst: Inklusion und Integration heißen die beiden Begriffe, die wir dafür erklären.

Mehr zum Thema: Willkommensklasse: So bewältigt eine Berliner Schule die Integration von Flüchtlingskindern

Wie sieht es denn an Berliner Schulen aus?

Berlin gilt allgemein als Symbol für Vielfalt, besonders im Bezug auf die unzähligen an den Schulen vertretenen Nationalitäten als Berliner finden wir Drei natürlich: Das ist wunderschön! Aber es bringt auch Herausforderungen mit sich: Fangen wir mit Einzelerlebnissen an.

Diese repräsentieren zwar nicht die Situation aller, aber sind die Spitze eines Eisberges an Problemen, denen wir in Berlin begegnen: Rassistische Kommentare böswilliger und satirischer Art gehören teilweise zur Tagesordnung in Berliner Schulen wie z.B. ein breit diskutierter Brandbrief einer Berliner Lehrerin aktuell darlegte.

Dieser zeigt, dass aktuell immer noch Fälle vorliegen, in denen sich Schüler*innen nicht-deutscher Abstammung von Seiten der Lehrer diskriminiert fühlen, da diese sie "alle in einen Topf werfen" und ihnen teilweise schlechtere Noten geben, als die eigentlich verdienen.

Nun kommen wir zu Handfesterem: Trotz umfangreicher Umstrukturierung in Berlin, z.B durch die Sekundarschulreform, die u.a. mehr Durchlässigkeit im Schulsystem ermöglichen sollte, wurden schwächere Schüler*innen nach der "Berlin-Studie" nicht unbedingt besser.

Wir sehen zudem Schulabbruchzahlen in Berlin von über 10%, was schrecklich ist. Obendrein ein weiterer Knackpunkt: Die Chancengleichheit ist nicht gewährleistet. 77 von 100 „Akademikerkindern" erlangen einen Hochschulabschluss, nur 23 von 100 bei „Arbeiterkindern". Gleiches gilt für einen niedrigeren Durchschnittsabschluss bei Migrationshintergrund aufgrund unterschiedlichster Faktoren, auf welche wir in unserer Reihe noch eingehen werden.

Aufgrund genau dieser Probleme brauchen wir also mehr Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit. Das erreichen wir mit Integration & Inklusion!

Mehr zum Thema: Warum der soziale Aufstieg in Deutschland besonders schwer ist - und was wir dagegen tun können

Was & Warum: Chancengleicheit, Chancengerechtigkeit, Integration & Inklusion

Um die Begriffe Integration und Inklusion angemessen erläutern zu können müssen wir erst einmal zwischen den beiden doch sehr ähnlich klingenden Begriffen Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit differenzieren. Unter Chancengleichheit, wird verstanden, dass jedes Mitglied einer Gesellschaft die gleichen Rechte und Möglichkeiten hat, sich selbst zu verwirklichen.

Im Gegensatz dazu räumt Chancengerechtigkeit den unterschiedlichen Mitgliedern der Gesellschaft unterschiedliche Rechte ein, angepasst auf z.B physische oder mentale Einschränkungen, um jenen dafür aber die gleichen Möglichkeiten zuzusichern, wie dem Status quo.

Allgemeine Chancengerechtigkeit kann auf zwei Wegen erreicht werden, auf dem der Integration und dem der Inklusion. Beide Begriffe beschreiben den Prozess der
Migration einer Gruppe von Individuen in eine andere.

Exklusion - Die Baustelle heute
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(© Marlen Retke instagram.com/m.arle.n)⁠⁠⁠⁠

Sie unterscheiden sich jedoch insofern, als dass bei der Integration die migrierte Gruppe als isoliertes Kollektiv bestehen bleibt und sich somit nicht mit der Gastgebergesellschaft vereinigt.

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Integration
(© Marlen Retke instagram.com/m.arle.n)⁠⁠⁠⁠

Inklusion hingegen nimmt Bezug auf die Alteration einer Gesellschaft, um die bedingungslose Chancengleichheit jedes Mitglieds zu erwirken. Minderheiten und jegliche Form von Diskriminierung würden auf diese Weise eliminiert werden.

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Inklusion - unser generelles Ziel
(© Marlen Retke instagram.com/m.arle.n)⁠⁠⁠⁠

Aber ist Integration dann heutzutage nicht ein vollkommen veraltetes Prinzip, wenn es nicht alle zu gleichem Teilhabe führt?

Unserer Meinung nach ist es immer situativ bedingt, inwiefern welches Prinzip angewendet werden sollte. Im Bezug auf die Flüchtlingsthematik z. B. sollte langfristig das Prinzip der Inklusion angewendet werden, damit überhaupt die Möglichkeit besteht, dass Geflüchtete gleichberechtigte Mitglieder unserer Gesellschaft werden können und somit ihre Chancengleichheit gewährleistet ist.

Eine wichtige Zielgruppe der beiden Prinzipien neben z.B. Geflüchteten sind Menschen mit kognitiven Einschränkungen, welche einfach nicht über die gleichen Voraussetzungen wie gänzlich gesunde Menschen verfügen.

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Diesen dann die Möglichkeit zu bieten, auf ihre Bedürfnisse angepasste schulische Institutionen, wie Förderschulen, zu besuchen, würde dann dem Integrationsprinzip folgen, da sie zwar als mehr oder weniger "isolierte" Gruppe bestehen bleiben, aber trotzdem nach dem Schema der Chancengerechtigkeit eine Sonderstellung zugesprochen bekommen.

Deshalb ist unsere Meinung von Integration in keinster Weise veraltet oder schlechter als die der Inklusion, nur eben nicht universell anwendbar.

Im Folgenden schauen wir also, inwiefern mensch diese Baustelle aufräumen kann und dies hoffentlich schneller als den BER.

Eure kleinen Bildungsrevolutionäre Delia, Sebastian und Franz!

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Lesenswert:

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