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Warum Düsseldorf ein Pop-Museum braucht. Ein Anstoß.

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Schickimicki auf der Königsallee, Karneval- und Partytrubel in der Altstadt - das sind typische Düsseldorf-Assoziationen, sogar verankert in den Köpfen von Menschen, die noch nie in Düsseldorf gewesen sind.

Nicht nur Düsseldorfer wissen, dass die Stadt viel mehr zu bieten hat: Düsseldorf ist eine Kunststadt - mit der berühmten Kunstakademie, mit zahlreichen renommierten Museen und vielen kleinen Galerien. Düsseldorf ist eine Tanzstadt - mit dem 1998 gegründeten Tanzhaus NRW als europaweit ausstrahlender Institution.

Düsseldorf ist eine Stadt der Architektur - mit Vorzeigeprojekten wie den O´Gehry-Bauten im Medienhafen oder dem in diesem Jahr fertig gestellten und von Daniel Libeskind gestalteten Kö-Bogen am Hofgarten.

Alles schön und gut. Düsseldorf ist aber auch eine international anerkannte Stadt der Popmusik und der Popkultur - mit ... Ja, womit eigentlich?

Düsseldorf, das Mekka der elektronischen Musik

Tatsächlich gibt es bis heute keine „fest installierte" Würdigung der Stadt für ihre jüngere Musikgeschichte. Vor kurzem schrieb der Musikjournalist Julian Weber in der taz: "Für maschinelle Popmusik ist Düsseldorf das, was das Mississipidelta für den Blues gewesen ist: die Wiege."

Der Anlass für diese Lobpreisung war Rüdiger Eschs kürzlich erschienenes Buch „Electri_City. Elektronische Musik aus Düsseldorf" (Suhrkamp), das nicht nur im Kulturteil der taz positiv besprochen wurde (siehe: Spiegel Online, Deutschlandfunk, Kölner Stadt-Anzeiger, Westdeutsche Zeitung, Jungle World).

Darin erzählen rund 50 Protagonisten in zusammengeschnittenen Interview-Schnipseln, wie sich von 1970 bis 1986 der "Düsseldorf-Sound" zwischen Kraftwerk und Krautrock entwickelte - und wie immens groß sein Einfluss war. Internationale Stars wie Brian Eno, Iggy Pop oder David Bowie kamen nach Düsseldorf, um sich inspirieren zu lassen.

Für Andy McCluskey, den Gründer des Orchestral Manouevres in the Dark (OMD) war sein erstes Kraftwerk-Konzert 1975 in Liverpool gar eine musikalische Initialzündung: „Das ist in meiner Erinnerung fest eingebrannt, denn es war der erste Tag vom Rest meines Lebens."

Nicht nur OMD, so gut wie alle englischen Bands, die in den 1970er und 1980er Jahren mehr oder weniger elektronische Musik machten, waren von Kraftwerk, aber auch von Düsseldorfer Krautrock-Bands wie Neu!, Harmonia oder La Düsseldorf beeinflusst: Heaven 17, Depeche Mode, Joy Division, Ultravox, Visage.

Ein Hinterhofstudio im Bahnhofsviertel als Wallfahrtsort

Kling Klang-Studio - so heißt der in einem Hinterhof im grau-tristen Bahnhofsviertel gelegene Ort, an dem Musikgeschichte geschrieben worden ist: Hier, an der Mintropstraße 16, entstanden die Alben von Kraftwerk.

Bis heute wandeln Enthusiasten aus der ganzen Welt auf den Spuren der Band, und einige drehen sogar Videos davon und stellen sie bei YouTube ein, andere kommentieren: „I'd just start touching everything ... because ... at one point in time ... Kraftwerk touched it."

„Die Ursuppe des Elektronikpop" - so der Schriftsteller Bernd Cailloux in „Electri_city" - sie köchelte nicht in London, New York oder Detroit. Sondern in Düsseldorf.

Wo bleibt das "Düsseldorf Pop Museum"?

Bleibt zu fragen: Wann wird der Schatz endlich auch „offiziell" gehoben, den Düsseldorfs jüngere Musikgeschichte zu bieten hat? Eine Idee ist vielleicht gerade deshalb noch nie öffentlich diskutiert worden, weil sie einfach zu naheliegend ist: Düsseldorf braucht ein Pop-Museum.

Temporäre Ausstellungen gab es bereits 2007 („Pop am Rhein", Projektkoordinator: Enno Stahl) und 2013 (Kraftwerk-Foto-Ausstellung im NRW-Forum), das Know-How ist also da und müsste nur abgerufen werden.

Was fehlt, ist eine bleibende Institution: Ein Museum, das die Geschichte der Popkultur in Düsseldorf und Umgebung (inklusive Köln! Stichwort: Can) nachzeichnet - von der in Jürgen Teipels Oral History „Verschwende deine Jugend" (Suhrkamp) dokumentierten Punk- und New Wave-Szene rund um den Ratinger Hof (aus der Die Toten Hosen hervorgingen), über Kraftwerk und Krautrock bis zur heutigen Szene rund um den Salon des Amateurs und Festivals wie New Fall und Open Source.

Ein „Tanzhaus NRW" für populäre Musik. Ein Fixpunkt, um den herum eine Szene andocken und sicht entfalten kann. Ein Ort, der auch Konzert- und Proberäume bietet und junge Musiker dazu bringt, in Düsseldorf zu bleiben - oder gar dorthin zu ziehen. Ein „Düsseldorf Pop Museum" - das wäre ein längst überfälliges Statement für die Subkulturszene an Rhein und Ruhr. Es kann schließlich nicht jeder in Berlin wohnen.

Inspiration für die Ampel-Koalition: Gronau und Mannheim

Seit diesem Sommer wird Düsseldorf von einer rot-gelb-grünen Ampel-Koalition regiert. Die Hoffnung, dass nun mehr Geld für die Förderung von freier Kultur da ist als bei den CDU-Vorgängern, scheint sich zu bewahrheiten.

In diesem Sinne - lieber Oberbürgermeister Thomas Geisel, liebe Kulturpolitiker der „Ampel": Bitte übernehmen Sie! Hier lässt sich relativ kurzfristig ein bezahlbares Prestige-Objekt verwirklichen, schließlich braucht Subkultur weder Filetgrundstücke in 1A-Lage, noch aufwendige Architektur von internationalen Star-Architekten.

Zugespitzt formuliert: Irgendeine alte Fabrikhalle zwischen Flingern und Lierenfeld wird schon noch frei sein...

Und schauen Sie zur Inspiration ruhig mal nach Gronau und Mannheim: In diesen für die Geschichte der Popkultur, mit Verlaub, nicht wirklich prägenden Städten hat man aus vergleichsweise wenig (Geburtsstadt von Udo Lindenberg bzw. die Szene um Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims) sehr viel gemacht - und das Rock´n´Pop Museum bzw. die Pop-Akademie Baden Württemberg gegründet.

In Düsseldorf, da geht noch was, wenn nicht jetzt, wann dann? Oder, wie Marketing-Experte Dirk Krüssenberg es im Interview mit dem Express formuliert: "Es sind bei weitem noch nicht die echten Potenziale dieser Stadt gehoben worden. (...). Aspekte wie Kunst, Kultur und Kreativität müssen viel mehr in den Vordergrund gestellt werden."

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