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Sebastian Bartoschek: An alle feigen Empörungsnazis, die keine Nazis sein wollen

16/10/2015 09:29 CEST | Aktualisiert 16/10/2016 11:12 CEST
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Ihr braucht schwache Menschen um euch herum. Ihr erzählt euch und anderen, das sei deswegen, weil ihr diesen helfen wollt, weil ihr ein besonderes Maß an Empathie hättet. Bullshit. In Wirklichkeit ist es so, dass euch dieser abwärts gerichtete Vergleich nur aufbaut.

Da ist jemand, dem geht es noch schlechter als euch und ihr könnt euren eigenen Selbstwert dadurch verstärken, dass ihr euch um den kümmert, den vermeintlich Schwachen hegt und pflegt.

Es gibt nur ein Problem: Wenn man den Schwachen nur lang genug unterstützt, wird er irgendwann stark. Und Stärke ist etwas, das ihr einfach nicht ertragen könnt.

Denn Stärke, Standfestigkeit und das konsequente Eintreten für die eigenen Überzeugungen ist etwas, das ihr einfach nicht hinkriegt und das euch deswegen verängstigt, wenn es andere Leute tun.

Starke Persönlichkeit werden

Und wer sind denn diese ehemals Schwachen, dass sie sich jetzt auf einmal anmaßen, stark zu sein? Wie können sie es wagen, auf einmal selbst das Wort zu ergreifen? Habt ihr nicht in all den Jahren für sie gesprochen, in ihrem Namen vermeintliche Diskriminierung angeprangert, ihnen geholfen, als sie von der Welt enttäuscht verzweifelte Tweets abgesetzt haben?

Wie können sie etwas schaffen, was ihr einfach nicht hinkriegt, nämlich zu einer starken Persönlichkeit heranzureifen.

So müsst ihr euch, kaum dass jemand seine Schwäche abgelegt, sein Tief durchschritten, seine Probleme in den Griff bekommen habt, anfangen, Anzeichen dafür zu suchen, dass die neugewonnene Stärke eures Gegenübers eigentlich Teil des Problems ist, das all die anderen schwachen Menschen nach wie vor haben.

Stereotypen und Klischees

Wenn euch das nicht gelingt, und das ist oft der Fall, da Logik und kognitive Stärke nicht zu euren Kernkompetenzen gehören, greift ihr auf Begrifflichkeiten und Stereotype zurück, die in eurer von Selbstmitleid getränkten Peergroup gern gehört sind.

Es geht dann um Sachen wie Kommerzialisierung, Neoliberalismus, Heteronormität, Speziesmus, Schweinestaat, Überheblichkeit oder irgendeinen fantasievollen soziologen-englisch klingenden Begriff, der euch dann noch das Gefühl gibt, eure kognitive Schwäche zumindest dadurch auszugleichen, dass ihr ein Wort benutzt, das nicht jeder Mensch auf diesem Planeten kennt.

Empörung und Entrüstung sind die spießbürgerlichen und feigen Varianten von Wut und Zorn. Das besserwisserische Dauerempören über Alles versperrt hier zunehmend den Blick auf echte Probleme.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus Empörungsnazis!: Was ich dem Netz vorwerfe und warum ihr es nicht ändern werdet

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