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Der Rubikon ist überschritten - Werden die Republikaner Trump folgen?

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DONALD TRUMP
Reuters Photographer / Reuters
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Innerhalb der letzten neun Monate hat Donald Trump es geschafft die Welt zu empören, das Land zu polarisieren und die Republikanische Partei zu spalten. Und doch wird er voraussichtlich der republikanische Präsidentschaftskandidat werden.

Mit seinem Sieg im US-Bundesstaat Indiana hat der New Yorker Geschäftsmann nicht nur Ted Cruz, sondern einen Tag später auch John Kasich zur Aufgabe gezwungen. Die in Indiana gewonnenen Delegierte sind nicht mehr wichtig - Donald Trump ist der letzte übrig gebliebene Kandidat der republikanischen Partei und wird die notwendigen Delegierten ganz locker erreichen.

Bereits zwei Stunden nach der Verkündigung des Wahlergebnisses (und mit John Kasich zu dem Zeitpunkt immer noch kandidierend) äußerte sich Reince Priebus, der bis zuletzt neutral gebliebene Parteivorsitzende der Republikaner, und verkündete, dass Trump der voraussichtliche Präsidentschaftskandidat sein würde und dass man nun sich zusammenschließen müsse, um Hillary Clinton zu besiegen.

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Bereits Tage vor der Vorwahl in Indiana begannen sich Teile des Establishments langsam auf seine Seite zu schlagen. So hat der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, sich positiv über eine Trump Administration ausgedrückt und selbst Marco Rubio, bis vor kurzem noch ein bitterer Rivale im Vorwahlkampf, hat Trumps Fortschritte gelobt.

Ted Cruz politische Schachzüge der vergangenen Tage haben nicht die erhoffte Wirkung gezeigt

Carly Fiorina zum running mate zu ernennen brachte nicht die nötige mediale Aufmerksamkeit und selbst die strategische Allianz mit John Kaisch half nicht, um Trump in Indiana zu besiegen.

Es stellt sich sogar heraus, dass fast 10 Prozent ihre Stimme für Kasich abgaben, wohl wissend, dass ihr Kandidat keine Chance haben würde, aber gleichzeitig Ted Cruz nicht unterstützen wollten. Analysten gehen sogar davon aus, dass die Allianz Wähler ins Trump-Lager geführt hat.

Mit dem Sieg des Senators Bernie Sanders auf der anderen Seite des politischen Spektrums und seinem Willen bis zuletzt weiterzukämpfen ergibt sich ein überraschendes Szenario: Die Republikaner, die Partei, die mit 17 Kandidaten in die Vorwahlen ging, haben eher einen Kandidaten als die Demokratische Partei.

Mit dem Parteivorsitzenden der Republikaner nun aktiv Trump unterstützend und den verbliebenen Kandidaten aus dem Rennen aussteigend, erreichen wir das nächste Kapitel des U.S amerikanischen Wahlkampfes - die "General Election". Das ohnehin zerbröckelnde Primary System neigt sich dem Ende zu und beide Parteien widmen sich nun einander zu.

Auf Donald Trump kommt jetzt insbesondere eine Aufgabe zu

Er muss eine zersplitterte Partei vereinen und vor allem moderate Republikaner auf seine Seite ziehen. Hinzu kommt die Tatsache, dass er selbst diese Zersplitterung vorangetrieben hat und auf der Wut-Welle der weißen Arbeiterklasse geritten ist.

Schon in seiner Siegesansprache versuchte er erste Annäherungsversuche an die politischen Rivalen. Er dankte Ted Cruz für seinen Mut, lobte seine Intelligenz und seinen erstklassig geführten Wahlkampf. Cruz habe sich als schwerer Gegner entpuppt und würde eine großartige Zukunft haben. Er lobte ebenfalls Reince Priebus, den Repräsentanten des so verhassten Establishments und bedankte sich für dessen Aufruf, sich nun hinter ihn als Kandidaten zu stellen.

Trump ging sogar einen Schritt weiter, sprach über Partei- und Landesgrenzen hinweg und sprach sich für ein Amerika aus, dass in Freundschaft zu anderen Nationen steht und das gute aber auch faire Handelsbeziehungen möchte.

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Trump hat einen langen Weg vor sich. Viele Republikaner lehnen ihn ab. Einer meiner republikanischen Freunde kommentierte die neuesten Entwicklungen folgendermaßen: " Die Republikanische Partei hat den Rubikon überschritten und ich weiß nicht, ob ich folgen will."

Eine der wichtigsten anstehenden Entscheidungen wird die Wahl von Trump's Vizepräsidenten sein. Der running mate wird oft ausgewählt, um eine Schwäche des Kandidaten zu kaschieren und abzudecken. Barack Obama wählte beispielsweise Joe Biden, um sich Stimmen der katholischen Arbeiterklasse zu sichern, John F. Kennedy wählte Lyndon B Johnson um in den Südstaaten erfolgreicher zu sein.

Trump will erfahrenen Politiker an seiner Seite

Trump hat bereits angekündigt, dass er einen erfahrenen Politiker an seiner Seite haben möchte und dass dieser auch nicht mit Trump auf einer Linie liegen muss. Im Interview mit CNN deutete Trump an, dass er sich John Kasich durchaus in dieser Rolle vorstellen könnte und lobte deren gute Beziehung während des Wahlkampfes.

Ob der Gouverneur von Ohio dieses Angebot überhaupt annehmen würde, ist fraglich. Im Wahlkampf verneinte er diese Frage wiederholt und beschrieb sich während einer MSNBC-Townhall als "der schlechteste Vizepräsident aller Zeiten."

Indiana hat die Vorentscheidung im republikanischen Vorwahlkampf gebracht. Donald Trump hat er es tatsächlich geschafft als Außenseiter die Parteielite erfolgreich herauszufordern und zu besiegen.

Innerhalb der letzten 48 Stunden haben bereits zahlreiche Republikaner um Trump geschart und die Partei-Führung bietet Trump bereits jetzt Personen zur Wahlkampfführung an.
Egal was auch passieren wird - Er hat die Republikanische Partei bereits verändert.

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