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Indiana - Die Vorentscheidung?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRUMP CRUZ
Spencer Platt via Getty Images
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Innerhalb der letzten 9 Monate hat Donald Trump es geschafft die Welt zu empören, das Land zu polarisieren und die Republikanische Partei zu spalten. Und doch kann er am morgigen Abend die Vorentscheidung im Republikanischen Vorwahlkampf erzielen und somit der Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden.

Sollte der New Yorker Geschäftsmann den Bundesstaat Indiana und damit alle seiner 57 Delegierten gewinnen, ist es höchstwahrscheinlich, dass Mr. Trump durch sein erwartetes gutes Abschneiden in den darauffolgenden Bundesstaaten genügend Delegierte hinter sich versammeln kann, um eine Mehrheit auf dem Parteitag in Cleveland zu erzielen.

Rubio lobt Trump

Bereits jetzt scheinen sich Teile des Establishments langsam auf seine Seite zu schlagen. So hat der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, sich positiv über eine Trump Administration ausgedrückt und selbst Marco Rubio, bis vor kurzem noch ein bitterer Rivale im Vorwahlkampf, hat Trumps Fortschritte gelobt.

Der Widerstand gegenüber Donald Trump ist allerdings nach wie vor ungebrochen. Auch wenn mehr und mehr Funktionäre die Seiten wechseln, so wird die Reaktion des „Never-Trump"-Lagers immer deutlicher. Sowohl John Kasich als auch Ted Cruz wollen bis zum bitteren Ende weiterkämpfen, um eine Trump-Kandidatur zu verhindern.

Deren Ablehnung geht sogar so weit, dass beide Kandidaten eine kurzfristige strategische Allianz geschlossen haben, um Trump von einer Mehrheit an Delegierten abzuhalten. So wird der Gouverneur von Ohio den Weg für Cruz in Indiana frei machen und keine Veranstaltungen abhalten, während Ted Cruz zugleich die Bundesstaaten Oregon und New Mexiko auslassen wird. Hintergrund ist, dass der erzkonservative Ted Cruz keine Chance in den liberalen Ostküstenstaaten hat und John Kasich zu moderat für die konservative Parteibasis in traditionell republikanischen Bundesstaaten ist.

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Beide Kandidaten stehen an entgegengesetzten Flügeln des republikanischen Spektrums und es ist fraglich, ob die Wählerschaft der beiden Kandidaten deren Ruf folgen wird. Zudem scheint die Allianz bereits zu bröckeln. Dennoch gibt es nun einen faktischen Zweikampf im Kampf um Indianas 57 Delegierte.
In allen Umfragen liegen Cruz und Trump bei 30-40 %, wobei Trump zumeist sogar einen Vorsprung von mindestens 5-10 % vorweisen kann. Allerdings erzielt Gouverneur Kasich Umfragewerte von 20 % und sollten diese wirklich auf Ted Cruz übergehen, würde dies dem Senator aus Texas den Sieg bescheren.

Alle Augen richten sich deshalb gerade auf den ersten "Hispanic" der einen Bundesstaat in einem republikanischen Vorwahlkampf gewonnen hat. Ted Cruz weiß, dass Indiana die Entscheidung bringt und wirft deshalb alles in die Waagschale. Um die mediale Aufmerksamkeit von Trump und seinen jüngsten Siegen im Nordosten der USA zu lenken, verkündete er am Mittwochnachmittag, dass die ehemalige CEO von Hewlett Packard, Carly Fiorina, sein "running mate" werden würde. Es ist ungewöhnlich seinen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten zu präsentieren, bevor man überhaupt selbst den Vorwahlkampf gewonnen hat und zeigt deutlich, wie ernst das Cruz-Lager die Situation einschätzt.

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Carly Fiorina, die selbst auch eine der 17 ursprünglichen Kandidaten der Republikaner war, hat Cruz schon seit Wochen unterstützt und Wahlkampfauftritte für ihn absolviert. Fiorina ging bei den meisten der TV-Debatten als eine der Sieger hervor und durch ihren aggressiven Tonfall brannte sie sich vielen in Erinnerung. Gleich in den ersten Tagen nach der Ankündigung forderte sie in einer Abendsendung des konservativen Fernsehsenders Fox News John Kasich auf, aus dem Rennen auszusteigen und Ted Cruz sprach in mehreren Veranstaltungen davon, dass Kasich in Indiana "aufgegeben hätte", weil er keinen Weg zum Sieg mehr hätte.

Aussagen wie diese führten zu Unmut im Wahlkampfteam von Governeur Kasich. Unklar auf was genau er sich eigentlich bezieht, schrieb John Weaver, einer von Kasichs wichtigsten Beratern, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter - "I can't stand liars." Politische Manöver wie diese verunsichern viele der Unterstützer Kasichs. Ted Cruz genießt kein hohes Ansehen - weder in der Nation, der Partei oder dem U.S Senat. Lindsey Graham, Senator aus South Carolina, äußerste sich einmal zur Persona des Senators und sprach davon, dass man Ted Cruz vor dem gesamten U.S Senat erschießen könnte, niemand aber jemanden beschuldigen würde. Viele der Kasich-Unterstützer sind moderate Republikaner und würden zum Teil eine Trump Kandidatur eher unterstützen als die eines Erzkonservativen.

Carly Fiorina zum running mate zu ernennen war ein riskanter Schachzug. Kurzfristig wird sie helfen die mediale Aufmerksamkeit auf Ted Cruz zu lenken und damit vielleicht Indiana zu gewinnen. Langfristig wird es aber andere Probleme geben. Fiorina hat nie ein politisches Amt bekleidet und bisher jeden ihrer Wahlkämpfe verloren. Selbst wenn Trump keine Mehrheit im ersten Wahlgang erzielt, kann Cruz nun nicht mehr mit Kasich ein 'Ticket' bilden und dessen Delegierte auf seine Seite ziehen. Und selbst für den Fall, dass Ted Cruz der Kandidat der Republikanischen Partei wird - Carly Fiorina bietet kaum Profil, um einen strategisch wichtigen Bundesstaat zu gewinnen.

All dies scheint Ted Cruz aber (noch) nicht sonderlich zu interessieren. Er kämpft um das Überleben seiner Kandidatur und für viele damit um das Überleben der Republikanischen Partei.

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