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Donald Trump rückt in die Mitte

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
Jim Urquhart / Reuters
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Vor einigen Wochen hatte ich die Möglichkeit, Teil einer NBC Townhall mit Donald Trump und seiner Familie zu sein. Die Veranstaltung wurde von der Today Show organisiert und fand an einem frühen Donnerstagmorgen vor dem Rockefeller Center statt. Auch wenn einige kritische Fragen gestellt wurden war erkennbar, dass es sich um ein PR-Event handelte. Verblüfft hingegen hat mich letztlich allerdings Donald Trump selbst.

Im ersten Segment, welches aus einem Interview mit ihm und seiner Familie bestand, sagte er nahezu kein einziges Wort, was natürlich auch den Moderatoren nicht entging. Im zweiten Segment, diesmal ohne seine Familie, hielt sich Trump ebenfalls zurück, verzichtete auf seine stumpfe Rhetorik und verhielt sich beinahe präsidentiell. Mit Witz und Charme antwortete er auf eine Reihe von unterschiedlichen Fragen und einige seiner Antworten konnten mich sogar positiv überraschen.

So kritisierte er das kontroverse Gesetz North Carolinas, das Transsexuellen die Nutzung von Toiletten entgegen ihres biologischen Geschlechts verbietet. Auf Nachfrage der Moderatoren, ob Caitlin Jenner deshalb die Frauentoilette im Trump Tower benutzen dürfte, antwortete er mit ja. Tage später würde Mrs. Jenner diese Chance auch wahrnehmen.

Zudem sprach Trump sich für Steuererhöhungen für Reiche aus, sich selbst mit einbeziehend. In den vergangenen Tagen wiederholte er diesen Plan mehrfach, was ihm Kritik von Republikanern einbrachte. Gleichzeitig betonte Trump in den letzten Tagen auch mögliche Steuererleichterungen für Arbeiterfamilien. Allerdings hat Trump schon oft seine Positionen in wirtschaftlichen Fragen geändert und damit bereits mehrfach für Verwirrung gesorgt.

Am Ende der Veranstaltung teilte mir meine Begleiterin, eine recht radikale Linke, mit, dass sie vom Auftritt Trumps nicht nur positiv überrascht war sondern dass selbiger auf sie äußerst charmant wirkte.

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Trump beginnt, seine Strategie zu verändern Langsam verändert er seine Tonlage. Seit kurzem arbeitet ein Redenschreiber im Hintergrund und erst vor einigen Wochen hielt Trump sogar eine vorbereitete Rede über seine Außenpolitik, bei der er von einem Teleprompter ablas. Darüber hinaus baute er sein Wahlkampfteam um und Experten in selbiges ein. So holte er Paul Manafort, der Gerald Ford 1976 auf dem Parteitag die Mehrheit sicherte und für Trump dasselbe tun sollte, in sein Team und stellte ihm 20 Millionen Dollar zur Verfügung, um die Staaten im Nordwesten zu gewinnen. Manafort erwies sich als Coup, denn er brachte Trump zurück auf die Erfolgsspur.

Der Trend zu diesem neuen Verhalten begann bereits am Abend des Super Tuesday, als Donald Trump sich das allererste Mal merklich präsendentiell verhielt. In den folgenden Wochen ließ er immer mal wieder diese versöhnliche und besonnene Seite aufblitzen. Die Townhall mit ihm war nur ein weiteres Beispiel.

Nach der erzielten Vorentscheidung im republikanischen Vorwahlkampf ist diese Strategie nun endlich eindeutig sichtbar. Noch am Abend seines Sieges in Indiana reichte er Ted Cruz die Hand und lobte dessen exzellent geführten Wahlkampf. Nachdem Kasich einen Tag später aufgab, hob er deren gute Beziehung in den TV-Debatten hervor, bei denen sich beide regelmäßig in den Werbepausen unterhalten haben sollen.

In seiner Siegesrede sprach er auch über die Afroamerikanische Bevölkerung und seinen Anspruch, ihr Dasein mit guten Jobs verbessern zu wollen. So verknüpfte er illegale Immigration und den dadurch entstandenen Niedriglohnsektor mit der hohen Arbeitslosigkeit in der Afro-Amerikanischen Bevölkerung und seinem Versprechen, dass diese durch seine Politik wieder Arbeit finden würden

Ein besonders skurriler Versuch Trumps, sich anderen Gruppen anzunähern, ereignete sich am 5. Mai, oder besser: dem Cinco de Mayo - einem wichtigen Feiertag in Mexiko. Am späten Donnerstagnachmittag postete er ein Bild seiner Selbst in seinem Büro mit einer Taco Bowl sitzend. Die Bildunterschrift lautete: Happy Cinco de Mayo! The best taco bowls are made in Trump Tower Grill. I love Hispanics!

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Wenngleich solche Aktionen nicht sehr durchdacht wirken - so stellte Benny Johnson, Creative Director des Independent Journals fest, dass sich unter den Taco Bowls ein 'People Magazine Foto' seiner Ex-Frau Marla Maples befand - so hat er es bitter nötig seine Beziehungen zu anderen Gruppen zu verbessern.

59% der amerikanischen Bevölkerung teilen eine negative Meinung über Trump, 70% der amerikanischen Frauen lehnen ihn ab, ebenso 80% der afroamerikanischen Bevölkerung. Politische Analysten sind sich sicher, dass die Republikanische Partei mindestens 40% des "hispanic votes" gewinnen müsste, aber auch hier lehnen 70% Trump ab. Noch schwerwiegender wiegt die Ablehnung Trumps bei den Millennials (18-29%). Laut einer PPP-Umfrage würden gar 49% der amerikanischen Jugendlichen ernsthaft darüber nachdenken, das Land im Falle eines Wahlsieges Trumps zu verlassen.

Und auch innerhalb der republikanischen Partei tun sich Probleme auf. Obschon Teile des Etablishments überraschend schnell auf seine Seite wechselten, so ist der Widerstand gegenüber Trump noch nicht gebrochen. Paul Ryan erklärte in einem Interview mit MSNBC, dass er noch nicht bereit sei, Trump zu unterstützen und dass dieser den Einigungsprozess beginnen muss. Ryans Kommentare brachten ihm schwere Kritik ein und der Konflikt der beiden Männer war das zentrale Thema in der vergangen Wochen.

Zudem haben die ehemaligen US-Präsidenten George H. W. Bush und George W. Bush signalisiert, dass sie Trump nicht unterstützen werden und auch Jeb Bush sowie der U.S Senator Lindsey Graham haben publik gemacht, dass sie Trump im November diesen Jahres nicht wählen werden. Ben Sasse, U.S Senator aus Nebraska, hofft auf einen dritten Kandidaten, damit die Republikaner ihr Gesicht wahren können.

All jene lehnen Trump ab, aber gehören nicht zur #NeverTrump Bewegung, die vor allem aus Anhängern Ted Cruz´ besteht. So spricht sich der einflussreiche konservative Radio Show Host Glenn Beck gegen Trump aus und geht sogar so weit zu behaupten, dass die Republikaner mit Trump nie wieder das Weiße Haus zurückerobern werden. Andere Mitglieder der Anti-Trump Bewegung sind George Will, Bill Kristol und Mark Levin.

Donald Trump hat begonnen, in die Mitte zu rücken, was jedoch nichts daran ändert, dass er noch einen langen Weg vor sich hat. Er muss die Republikanische Partei um sich scharen und die bestehende Lücke zu Hillary Clinton schließen. Im Moment liegt selbige in mehr als 40 Umfragen vor Trump, mit einem durchschnittlichen Vorsprung von 7-8%. Clinton ist im Moment die Favoritin aber wer hätte noch vor einem Jahr überhaupt gedacht, dass Donald Trump tatsächlich einmal der Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei werden würde?

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