Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Sebastian Albrecht Headshot

"Wie konnte es nur so weit kommen?" - Geständnisse eines jungen Republikaners

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
Carlo Allegri / Reuters
Drucken

Wie konnte es nur so weit kommen? Hätte man mir vor anderthalb Jahren gesagt, dass ich mir als junger Republikaner im November 2016 Hillary Clinton als Siegerin der US-Präsidentschaftswahl wünschen würde, so hätte ich meinen Gesprächspartner wahrscheinlich für verrückt erklärt.

Als ich vor 3 Jahren für mein Studium an die US-Ostküste zog, war mir klar, dass ich mich auch in den Vereinigten Staaten weiter politisch engagieren würde. In Deutschland war ich zum damaligen Zeitpunkt schon seit Jahren Mitglied der Schülerunion, Jungen Union und CDU und hatte politische Erfahrungen sammeln können.

Welche Partei soll es sein?

Seit langem schon war ich von US-Präsidenten fasziniert, insbesondere von JFK und Ronald Reagan und ich war mir sicher, dass man von der amerikanischen Politkultur viel lernen könnte.

Ich hatte allerdings Zweifel welcher Partei ich beitreten wollte. Die Republikanische Partei war in Europa nie wirklich beliebt, aber seit der Präsidentschaft George W. Bush's hatte die "Grand Old Party" jegliche Sympathiepunkte verspielt.

Selbst ein großer Teil meines politischen Bekanntenkreises in der CDU riet mir davon ab der GOP beizutreten, obwohl beide Parteien Teil der Internationalen Demokratischen Union sind - ein Zusammenschluss christdemokratischer und konservativer Parteien.

Mit den Demokraten konnte ich mich aber auch nicht wirklich anfreunden. Natürlich war Präsident Obamas Charisma ansteckend, aber vor allem seine Außenpolitik schien keine Früchte zu tragen. Schon 2012 hatte ich leichte Tendenzen zu Mitt Romney.

Ich entschloss mich nicht von Vorurteilen einnehmen zu lassen und besuchte ein Treffen der College Republicans auf meinem Campus. Und es mag daran liegen, dass wir in NYC sind und Großstadt-Konservative sowieso immer liberaler sind als der Rest des Landes, aber ich war von den Studenten in diesem Club tief beeindruckt.

Dort saßen keine tief religiösen Waffenfanatiker, die den Klimawandel ablehnen, sondern junge Konservative wie man sie auch in der Jungen Union finden konnte.

Niemand hatte etwas gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und niemand stellte die Existenz des Klimawandels in Frage. Die meisten identifizierten sich als Konservative, weil für sie die Wirtschafts- und Außenpolitik die wichtigsten Themenfelder waren.

Wenige Tage später fand eine Debatte zwischen den beiden College Clubs statt.

Vor allem der Präsident der College Republicans zeigte außenpolitische Kompetenz und siegte überlegen über seinen demokratischen Kontrahenten. Im Allgemeinen erschienen mir die College Republicans interessierter am Weltgeschehen als die College Democrats und vor allem die Mentalität der jungen Republikaner beeindruckte mich.

Einer meiner Kommilitonen lebt in einem "Working Class" Stadtteil Queens und fährt aus finanziellen und familiären Gründen jeden Tag zweieinhalb Stunden mit der U-Bahn zum Campus und am Abend wieder zweieinhalb Stunden zurück.

Die Familie eines anderen Kommilitonen betreibt einen kleinen Bagel-Shop und muss teilweise kurzfristig den Vorlesungssaal verlassen, um im Familienunternehmen einzuspringen.

Nach der Debatte wurde mir nahegelegt mich für das "Nachwuchsprogramm der College Republicans" zu bewerben. Ich bewarb mich und aufgrund meiner Verbandsarbeit in Deutschland wurde ich zu einem der zwei Liaisons ernannt. Ein Jahr später wurde ich dann Generalsekretär und im Jahr darauf Präsident der College Republicans an der Fordham University - als internationaler Student aus Deutschland.

Phänomen Trump und sein Erfolgsrezept

Durch den Club hatte ich die Chance an politischen Konferenzen im ganzen Land teilzunehmen und politische Persönlichkeiten zu treffen wie zum Beispiel den ehemaligen CIA-Chef General David Petraeus. Ein weiteres besonderes Highlight war ein kurzes Gespräch mit Senator Marco Rubio in einem New Yorker Penthouse Anfang 2015.

Mit der Eröffnung des Vorwahlkampfes ergaben sich dutzende andere Möglichkeiten.
So traf ich Senator Ted Cruz in einem Vorort New Hampshire's, Lindsey Graham in einem New Yorker Country Club, Carly Fiorina in Washington D.C und den ehemaligen Gouverneur New York's George Pataki ebenfalls in New Hampshire.

Darüber hinaus hörte ich mir Reden von Jeb Bush, Chris Christie, Rand Paul, Bobby Jindal, Mike Huckabee, Ben Carson und Rick Santorum live an. Und die Events beschränkten sich nicht nur auf die republikanischen Kandidaten.

In New Hampshire traf ich Governor Martin O'Malley und den ehemaligen Senator Virginia's Jim Webb. Zudem hatte ich die Chance Teil des Live Publikums der Show "The View zu sein". Stargast bei der von Whoopy Goldberg moderierten Show war damals Bernie Sanders.

Die Kandidatur Trumps und seine ersten Erfolge besorgten mich zwar, aber ich war immer noch der Meinung, dass die Partei am Ende in der Lage sein würde einen vernünftigen Kandidaten zu nominieren.

Stattdessen konzentrierte ich mich auf die Probleme der GOP. Auch wenn es in einigen Bereichen Fortschritte gab wie zum Beispiel der steigenden Akzeptanz für die gleichgeschlechtliche Ehen, so gab es immer noch zahlreiche Baustellen. Deswegen machte ich es mir zur Aufgabe zumindest den College Republicans auf dem Campus einen Modernisierungskurs zu unterziehen.

Einer unserer ersten Redner war Robert Sisson, Präsident von ConservAmerica, einer konservativen Organisation die versucht Republikaner für den Kampf gegen den Klimawandel zu gewinnen.

Sisson teilte mir auch mit, dass Teile der Kandidaten ein Gespräch mit ihm gesucht haben und im Privaten erklärten, dass sie zwar an den Klimawandel glaubten aber ihnen aufgrund der extremen Positionen im Vorwahlkampf politisch momentan die Hände gebunden wären.

Nach Sisson brachten wir Jedediah Bila auf unseren Campus um eine Strategie auszuarbeiten wie Republikaner in Großstädten gewinnen könnten ( eine Strategie von der auch die CDU etwas lernen könnte) und im Frühjahr 2016 auch Steve Forbes - Eigentümer und Chefredakteur des gleichnamigen Magazins.

Im Frühjahr 2016 gab es nur noch drei Kandidaten auf Seiten der Republikaner - Donald Trump, Ted Cruz und John Kasich. Vor allem der Gouverneur von Ohio war in meinen Augen die letzte Chance um Trump aufzuhalten und Wahl im November zu gewinnen und ich hatte schon bald die Möglichkeit ihn während einer MSNBC Townhall kennen zu lernen.

Einige Wochen später gelang es mir sogar ihn für ein Campus-nahes Event in die Bronx zu holen. Sein Besuch wurde zu einem seiner besten Events und vom Aufschwung mitgerissen registrierte ich mich als Volunteer für den Vorwahlkampf in Pennsylvania.

2016-11-08-1478588601-8412339-kasichtownhall.jpg

Am Tag vor meiner Abreise in den Bundesstaat wurde ich dann noch zu einem ganz speziellen Event eingeladen. Einer Townhall mit Donald J. Trump vor dem Rockefeller Center. Das ganze war keine richtige Townhall in der kritische Fragen gestellt wurden, sondern war ein reines PR Event des Fernsehsenders NBC.

Allerdings war ich von Trump überrascht.

Selbst meine Begleiterin, eine knallharte Clinton Unterstützerin war von seinen Worten beeindruckt. Das Gerücht schien zu stimmen - Trumps Worte scheinen im Fernsehen kaum Sinn zu ergeben, aber live wurde von man dann doch von der Atmosphäre mitgerissen.

Meine Begleiterin erschrak als sie für einen kurzen Moment selbst beim Anfeuerungsruf "Build the Wall" mit schrie.

Nachdem dem Interview schüttelte er die Hände aller Zuschauer ( inklusive uns) und auch wenn ich immer noch kein Fan Donald Trumps war, so hatte er doch einige Sympathiepunkte bei mir gewinnen können.

Allerdings wollte ich ihn immer noch aufhalten.

In Pennsylvania klopfte ich innerhalb der nächsten Tage an 700 Türen und machte unzählige Telefonanrufe für die Vorwahl. Ich war bereit bis zum Ende weiterzukämpfen und Trump bis zur letzten Vorwahl in Kalifornien Widerstand zu leisten.

Mehr zum Thema: "Eine Schande für die Demokratie" - Man sollte einen Schutzzaun um die USA hochziehen

Die Hoffnung war, dass Cruz und Kasich zwar nicht gewinnen konnten aber Trump die Mehrheit an Delegierten verweigern könnten. Dadurch erhofften wir uns, dass der Parteitag einen anderen Kandidaten nominieren würde

Der Plan ging aber nicht auf. Der Sieg Trumps in Indiana führte zur Aufgabe Ted Cruz und einen Tag später auch zur Aufgabe John Kasich's.

Mit dem Vorwahlsieg Trumps wurde mir auch klar, dass ich nicht mehr der Repräsentant der College Republicans auf dem Campus sein wollte.

Ich stellte mich nicht zur Wiederwahl und hatte kein Interesse mehr daran meinen Sommer als Praktikant bei der Republikanischen Partei zu verbringen. Stattdessen verbracht eich die Sommermonate als Freiwilliger im Westjordanland um mehr über den Israelisch-Palästinensische Konflikt in Erfahrung zu bringen.

Während meines Aufenthalts wuchs meine Ablehnung gegenüber Trump.

In Gesprächen mit der lokalen Bevölkerung wurde immer deutlicher, dass Trump nie außenpolitischen Erfolg in dieser Region haben würde. Selbst wenn er den Willen dazu hätte, niemand würde sich als Partner anbieten, da eine Assoziierung mit ihm unmittelbar zu einem Vertrauensverlust in der eigenen Bevölkerung führen würde

Gegen Ende meines Abenteuers brachte mich ein Freund in Kontakt mit dem Team Gary Johnsons. Aufgrund meiner Erfahrungen wurde mir angeboten Teil des Wahlkampteams zu werden und als Volunteer Director alle Wahlhelfer in New York zu organisieren.

Ich nahm diese Position mit Freude an, da ich unbedingt etwas gegen Trump tun wollte und die Libertarians mehr Stimmen von Trump wegnehmen, als von Clinton und ich sie dadurch indirekt unterstütze.

Hillary Clinton ist wahrlich keine großartige Kandidatin

Ihr Resümee ist bei weitem nicht fehlerfrei und in den vergangen 30 Jahren hat sie sich einige Schnitzer erlaubt. Die die Plattform ihres Wahlkampfprogramms spiegelt nicht meine politischen Ansichten wider aber im Gegensatz zu Trump versetzt mich der Gedanke einer Präsidentin Clinton nicht in Angst und Schrecken.

Im Gegenteil, wenn man sich die Transkripte ihrer Wall Street Reden anschaut, entdeckt man viele politischen Standpunkte die sie moderater machen, als ein Barack Obama. Vor allem ihre außenpolitische Erfahrung ist ein Pluspunkt im Gegensatz zum amtierenden US-Präsidenten.

Nicht alles von Trumps Kandidatur ist negativ. Er hat der politischen Elite gezeigt wie sehr die Bevölkerung sich nicht mehr repräsentiert fühlt und er hat die Aufmerksamkeit auf die negativen Aspekte der Globalisierung gelenkt - ein Sachverhalt der in den vergangenen Jahren komplett ignoriert wurde.

Er hat auch recht, dass die NATO Bündnisstaaten in den letzten Jahren nicht ihren Verpflichtungen nachgekommen sind und zu wenig in den Verteidigungshaushalt investiert haben. Man kann als Präsidentschaftskandidat aber nicht die Existenz der NATO in Frage stellen. Man kann nicht Minderheiten als Vergewaltiger und Mörder hinstellen.

HuffPost-Tarif

Europa-Flat, Daten-Flat: Einer der günstigsten Handy-Tarife auf dem Markt

Mit der Spar-Aktion der Huffington Post in Zusammenarbeit mit Chip und Tarifhaus bucht ihr einen Smartphone-Tarif, der preislich kaum zu schlagen ist und eine Vielzahl an Vorteilen bietet.
Mehr Infos findet ihr hier.

Man kann nicht einen John McCain für seine Folter in Kriegsgefangenschaft verspotten. Man kann sich nicht über Menschen mit Behinderungen lustig machen und man kann nicht einfach einer gesamte Religion die Einreise in die USA verweigern.

Der Ton und der Charakter Donald Trump's ist der eines US-Präsidenten nicht würdig.

Er ist nicht qualifiziert Commander in Chief zu sein. Ist Hillary Clinton perfekt? Nein - sie ist sogar weit entfernt und ich hoffe dass sie nur für vier Jahre im Amt sein wird. Ich hoffe, dass die republikanische Partei sich wieder erholt und 2020 das weiße Haus zurück erobert. Heute aber ist Hillary Clinton unsere erste Wahl und ich hoffe sehnsüchtig, dass sie gewinnt.

Auch auf HuffPost:

Fan prügelt auf Protestierenden ein - Trump sieht einfach nur zu

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.