BLOG

Der Deutsche weiß, wie man richtig flüchtet

17/03/2016 09:46 CET | Aktualisiert 18/03/2017 10:12 CET
Getty

Ich denke oft darüber nach, wie die deutschen Flüchtlinge wohl wären.

Brav sitzen sie da in den Unterkünften und halten alles sauber und halten ihren Mund. Denn sie wissen, dass man dankbar sein muss und sich allgemein einfach nicht kritisch äußert, wenn man schon Hilfe bekommt.

Für den deutschen Flüchtling ist es auch kein Problem, wenn um die hundert Leute sich eine Toilette teilen. Genügsam wartet er mit der Zeitung des jeweiligen Landes (in Landessprache, die er schon gelernt hat, wie auch die Sprachen aller Länder, welche er bei seiner Reise zu Fuß passieren musste) auf eine freie (und natürlich saubere) Kabine, um sein Geschäft zu verrichten und sich gleichzeitig über die Meinung des jeweiligen Volkes hinsichtlich der deutschen Flüchtenden zu informieren.

Der deutsche Flüchtling hat keine Probleme mit anderen Flüchtenden, die sich mit ihm den Platz in der Unterkunft teilen. Er respektiert immer die Meinung aller anderen, auch derer, die laut werden (wobei es so etwas unter gesitteten Deutschen nicht wirklich gibt).

Seinen Sexualtrieb hat der deutsche Flüchtende immer unter perfekter Kontrolle. Allgemein sind deutsche Flüchtende sehr pflegeleicht. Es gibt unter ihnen keine Alkohol- oder Drogenabhängigen, keine Menschen mit ungewöhnlichen sexuellen Neigungen, keine Streitsüchtigen, keine Lauten oder Leisen, keine Armen oder Reichen, keine Links- oder Rechtswähler, keine Links- oder Rechtshänder.

Der Deutsche weiß, wie man richtig flüchtet. Das liegt in seiner Natur. Für die lange Wanderung besitzt er seine Jack-Wolfskin-Jacke, die er nun endlich auf dem freien Gelände testen kann.

Immer wieder organisiert er sich mit anderen Deutschen zusammen zu Fahrgemeinschaften oder nutzt den lokalen Nahverkehr des jeweiligen Landes (über den er sich vorher online informiert hat).

Sein Smartphone hat der Deutsche vor seiner Flucht via eBay verkauft, da er weiß, dass man als Flüchtender (genau wie im Dschungelcamp) keine Luxusgüter mitnehmen darf. Eisern verharrt er in der Kälte vor den Erstaufnahmezentren, und achtet dabei stets das deutsche Schlangenbildesystem.

In lokalen Supermärkten kauft er nur Wasser und Brot, denn auf alles andere hat er als Flüchtender keinen Anspruch. Er weiß, dass er ganz allein für den Krieg verantwortlich ist, vor dem er flüchtet. Er weiß, er hätte in seinem Land im Namen der deutschen Regierung kämpfen müssen, bis er und sämtliche seiner Landsleute gefallen sind.

Und er weiß, dass er und alle Anderen Deutsche sind. Ein Volk aus Kartoffeln, manche größer oder kleiner, aber alle schuldig und alle charakterlos. Und am Ende alle einheitlicher Kartoffelbrei. Ohne Klümpchen.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf Sean Patrick Neuns Facebook-Seite.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Video: Das ist die Zukunft?: Was WIRKLICH mit den Flüchtlingen passiert, die hier bleiben

Auch auf HuffPost:

Lesenswert:

Gesponsert von Knappschaft