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Angekommen.

12/03/2017 16:07 CET | Aktualisiert 12/03/2017 16:07 CET
KIKILOMBO via Getty Images

Was bedeutet Mexiko? Bis jetzt bedeutet Mexiko für mich einen konstanten Geräuschpegel. Heute Morgen wollte ich die leicht frische Luft genießen und öffnete die Eingangstür. Inzwischen sitze ich hinter der geschlossenen Schlafzimmertür.

Mir fehlt Madrid, wo wir stets in entspannten, ruhigen Straßen wohnten. Und während ich den letzten Satz beendet habe, ertönt hinter mir wieder das Geräusch eines Hammers, mit dem ein Nachbar scheinbar irgendeine Wand bearbeitet.

Madrid hatte Parks und selbst mitten in der Stadt fand man wundervolle Quellen inneren Friedens, wie zum Beispiel die Straßen zwischen Plaza de España und der Bibliothek Conde Duque oder am Río Madrid, einer schön aufbereiteten Zone entlang des Manzanares, die man beispielsweise von der Station Príncipe Pío aus in Minuten erreicht.

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Aber Stationen, Metro also, gibt es hier auch nicht. Stattdessen klapprige Busse, deren Fahrer nicht nur einen verantwortungslosen Eindruck machen, sondern sich tatsächlich immer wieder in waghalsige Manöver begeben.

Bei meinem letzten Aufenthalt in Mexiko, damals nur eine gute Woche wegen meiner Hochzeit, stieg nach einem dieser Manöver ein wütender Fahrer aus seinem Auto und zerschlug mit seiner Faust die Scheibe neben dem Busfahrer.

Ich saß damals regungslos auf meinem Sitz, gewiss, dass ich gleich zum ersten Mal Zeuge eines Mordes werden würde. Glücklicherweise kam es nicht so weit, aber ich habe seither Vorbehalte dem öffentlichen Nahverkehr gegenüber.

Madrid, du Tempel der Ruhe. Nach dem Unterricht in der Sprachschule lief ich oft nur wenige Straßen zum Parque del Oeste, wo ich mit Santiago seelenruhig Sandwiches mit Chipotle und Würstchen oder seine köstliche Hühnersuppe aß.

Soeben fräst sich mein Nachbar in die Wand, die nicht weit von der entfernt sein kann, an die mein Kopf lehnt. Kürzlich habe ich gelesen, dass die kolumbianische Stadt Medellín ein hervorragendes System in Sachen Nahverkehr besitzt, welches als Vorreiter für ganz Lateinamerika gelten sollte.

Selbst Mexico City besitzt guten Nahverkehr. Und wundervolle ruhige Ecken und Parks. In der Colonia Roma möchte man Stunden mit seinem Kaffee vor sich verweilen.

Aber hier ist alles Lautstärke. Motoren, die einfach weiterlaufen, oder eher weiterdonnern, denn ich habe durchaus schon Leisere gehört. Vorbeifahrende Autos, aus denen heraus schreiend Brot verkauft wird. Nein, ich möchte es nicht kaufen, allein schon, weil ihr so unsagbar nervig seid. Hupen. Schreie.

In Madrid hatte ich mir etwas zum Lesen und Verpflegung eingepackt und bin dann einfach in den Retiro-Park, wenn wieder mal Brenda, die laute Freundin meiner Mitbewohnerin da war, um unser WLAN für Gespräche nach Nicaragua zu nutzen oder vier Joghurtbecher gleichen Geschmacks jeweils halb leer zu essen.

Hier sitze ich fest. Ich. Der Europäer. Der nach seinem ersten Auslandssemester gar nicht schnell genug wieder nach Spanien zurückkommen konnte um sich in fremden Kulturen zu suhlen. Ich sitze jetzt hier in einem Zimmer und möchte auch gar nicht wirklich nach draußen. Zu Fuß traue ich mich nicht, auch wenn sich das sicher bald ändert.

Das Auto hat Santiago mit zur Arbeit genommen, nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich mich sowieso nicht traue, hier zu fahren. Mexiko fährt so, wie ich fahren würde, wenn ich immer exakt das Gegenteil von dem täte, was mein Fahrlehrer mir beigebracht hatte.

Mexiko, du machst mich wahnsinnig. Vor einigen Tagen aß ich in Frankfurt zu Mittag mit Susanne, die wir aus Madrid kennen. Sie hatte eineinhalb Jahre in diesem Teil Mexikos gelebt und sagte, ich würde am Ende sicher gar nicht mehr weg wollen. Ich glaube ihr. Das Knifflige an der Sache wird, wie ich an dieses Gefühl rankomme.

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