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Donald Trump ist der nützliche Idiot der Terroristen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP SYRIA
Carlos Barria / Reuters
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Es ist nach wie vor ungeklärt, wer verantwortlich ist für den chemischen Angriff in Khan Sheikhoun.

Es war einmal ein gewisser Herr Trump, ehemals New Yorker Businessman und nun Präsident. Er schalt den damaligen Präsidenten Obama im September 2013, weil dieser einen militärischen Einsatz in Syrien erwägte.

Grund dafür war die (widerlegte) Behauptung, dass Präsident Assad chemische Waffen gegen Zivilisten in Damaskus in der Vorstadt Ghouta eingesetzt hätte. Trump riet "unserem verrückten Staatsoberhaupt" via Twitter, Syrien nicht anzugreifen - "sonst werden viele schlechte Dinge passieren und die USA wird von diesem Kampf nicht profitieren!"

Obama war in derselben Situation - und handelte richtig

Obwohl Präsident Obama erklärt hatte, ein Einsatz chemischer Waffen in Syrien würde eine "rote Linie" überschreiten und einen militärischen Einsatz von Seiten der USA zufolge haben, entschied er sich letztlich gegen den Einsatz. Zu dieser Entscheidung geraten hatte James Clapper, Leiter der United States Intelligence Community, da längst nicht genügend Beweise für einen Einsatz chemischer Waffen vorlagen.

In einem Interview mit The Atlantic sagte Obama 2016, es gäbe "ein Regelwerk in Washington, dem Präsidenten zu folgen haben". Dieses Regelwerk bezieht sich auf die Außenpolitik. Dieses Regelwerk gibt Reaktionen auf verschiedene Ereignisse vor - meist militärischer Art. Während das "Washington Regelwerk" in Krisenzeiten nützlich sein kann, "könnte es genauso gut Fallen stellen und zu schlechten Entscheidungen führen."

Seine "rote Linie" zum Einsatz chemischer Waffen, kombiniert mit der hitzigen Rhetorik seiner engsten Berater, wie zum Beispiel Außenminister John Kerry, der auf eine militärische Lösung pochte, war so eine Falle.

Schließlich machte Obama einen Rückzieher, weil er feststellte: "Bomben auf jemanden zu werfen, um zu beweisen, dass du es tun würdest, ist der schlechteste Grund für einen militärischen Einsatz." Medien, Republikaner und sogar Mitglieder seiner eigenen Partei kritisierten Obama scharf für seine Entscheidung.

Trump wollte noch nie das syrische Regime sürzen

Im November 2016, als Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde, schien er das "Washington Playbook" stärker zu meiden als Obama. Die Situation in Syrien hat sich seit 2013 gravierend verändert.

Der Islamische Staat (IS) hat große Teile des Iraks und Syriens eingenommen, die syrische Stadt Raqqa zur Hauptstadt erklärt und das Islamische "Kalifat" ausgerufen. Die amerikanischen Versuche, den syrischen Präsidenten Assad zu stürzen, fruchteten langsam, was dazu führte, dass Russland im September 2015 beschloss, sich für den angeschlagenen Präsidenten Assad einzusetzen.

Entgegen der gängigen Meinung amerikanischer Politiker, sowohl Republikaner als auch Demokraten, erklärte Trump, dass die USA sich darauf konzentrieren sollten, den IS zu bekämpfen und zu besiegen, anstatt einen Sturz des syrischen Regimes zu verfolgen.

"Meine Haltung ist", sagte Trump, "wenn du Syrien bekämpfst, und Syrien den IS bekämpft, musst du den IS ausschalten. Russland steht nun total auf Syriens Seite und da ist der Iran, der immer mächtiger wird und ebenfalls Syrien unterstützt. Nun helfen wir Rebellen im Kampf gegen Assad, und wir wissen nicht einmal, wer diese Menschen sind."

In Anbetracht der russischen Präsenz in Syrien würde USA im Endeffekt aber "Russland bekämpfen, um Syrien zu bekämpfen", schließt Trump. Nachdem die Trump-Regierung eine Serie neuer militärischer Einsätze nach Syrien und Irak geordert hatte, um den IS zu bekämpfen, schien sie sich der Meinung der Mehrheit anzuschließen, gegen den syrischen Präsidenten vorgehen zu wollen.

Mehr als zwei Monate lang schien die neue Trump-Regierung uns weißmachen zu wollen, dass Trump, ähnlich wie sein Vorgänger, das "Washington Playbook" ignorieren würde, was die Politik in Syrien angeht.

Es hieß, man wolle sich nicht einmischen

Im August 2011 sagte Obama, dass ein Regierungswechsel in Damaskus Grundvoraussetzung für eine Ende des seit April 2011 herrschenden Konflikts sei. Nun gaben amerikanische Regierungsbeauftragte bekannt, dass dies nicht länger der Fall sei.

"Du wählst deine Schlachten", sagte die amerikanische Vertreterin der Vereinten Nationen, Nikki Haley, der Presse am 30. März 2017 . "Wenn wir uns die Situation anschauen, müssen wir unsere Prioritäten ändern und unsere Prioritäten sind nicht mehr, dazusitzen und Assad abzuschaffen."

Außenminister Rex Tillerson griff ihre Worte noch am selben Tag auf und sagte bei einem Besuch der Türkei: "Ich denke, dass auf lange Sicht das syrische Volk über den Status des Präsidenten Assad entscheiden wird."

Schock-Bilder aus Syrien sollten provozieren

Diese neue Richtung in der Politik hielt kaum fünf Tage an. Am frühen Nachmittag des 4. April 2017 wurden verstörende Bilder und Videos aus der syrischen Provinz Idlib von Anti-Regierungs-Aktivisten geschickt.

Unter den Aktivisten waren auch Mitglieder der sogenannten "Weißen Helme", ein freiwilliges Rettungsteam, deren Arbeit in einer gleichnamigen und Oscar-prämierten Dokumentation festgehalten wurde.

Diese Bilder zeigten Opfer in verschiedenen Leidensstadien bis zum Tod. Den Aktivisten zufolge entstanden diese Leiden am selben Morgen durch den Einsatz chemischer Waffen von Seiten der syrischen Luftwaffe in Khan Sheikhoun.

Bilder dieser tragischen Todesfälle wurden sofort in den amerikanischen Medien übertragen. Experten prangerten die abscheuliche Natur chemischer Waffen an, die fast einstimmig dem syrischen Regime zugeschrieben worden sind, obwohl der einzige Beweis die Bilder und Aussagen der Anti-Assad-Aktivisten war, die, nur einige Tage zuvor den Haltungswechsel Amerikas gegenüber der syrischen Regierung kritisierten. Präsident Trump sah diese Bilder und war zutiefst bestürzt über das, was sie zeigten - vor allem über die leidenden und toten Kinder.

Die Bilder wurden als Beweise in einer leidenschaftlichen Rede Haleys während einer Sitzung des Sicherheitsrates am 5. April 2017 eingesetzt, in der sie Russland konfrontierte und mit einem unilateralen Einsatz des US-Militärs drohte, sollte der Sicherheitsrat nicht auf den angeblichen chemischen Angriff Syriens reagieren.

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"Gestern früh wachten wir auf und sahen die Bilder von Kindern mit Schaum vor dem Mund, mit Krämpfen, während sie in den Armen ihrer verzweifelten Eltern lagen", sagte Haley, während sie zwei Beispiele der Bilder hochhielt, die sie von Assad-Gegnern erhalten hatte.

"Wir sahen reihenweise leblose Körper, manche trugen noch Windeln... wir können unsere Augen vor diesen Bildern nicht verschließen. Wir können uns nicht vor der Verantwortung drücken, zu hanedeln." Wenn der Sicherheitsrat sich weigern sollte, gegen Syrien vorzugehen, sagte Haley: „Gibt es Zeiten, in denen ein Staat alleine handeln muss."

Trump ist in die Falle getappt

2013 wurde Obama mit Bildern von toten und verletzen syrischen Zivilisten konfrontiert, inklusive kleiner Kinder, die genauso herzerweichend waren wie die von Haley präsentierten. Außenminister Kerry hielt eine leidenschaftliche Rede, in der er sich deutlich für einen militärischen Einsatz in Syrien aussprach.

Präsident Obama befahl seinem nationalen Sicherheitsteam eine Bandbreite militärischer Optionen gegen Assad. Nur die Intervention James Clappers und die Zweifel, die über den tatsächlichen Zusammenhang des Einsatzes von chemischen Waffen in Ghouta und dem syrischen Regime bestanden, hielten Obama davon ab, grünes Licht für einen Luftangriff zu geben.

Wie sein Vorgänger befahl Präsident Trump seinem nationalen Sicherheitsteam, militärische Optionen vorzubereiten. Ungleich Obama zögerte Trump keinen Augenblick und ließ den Autoritäten keine Zeit, um zu ermitteln, was sich wirklich in Khan Sheikhoun abgespielt hatte.

Wie Nikky Haley ließ er sich von seiner emotionalen Reaktion auf die Bilder der Anti-Assad-Aktivisten leiten. Am Nachmittag des 6. April, als er sich auf ein Gipfeltreffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping vorbereitete und gerade das Weiße Haus verließ, deutete seine kryptische Antwort auf die Fragen der Reporter zu einer Reaktion Amerikas darauf hin, dass er schon eine Entscheidung getroffen hatte: "Ihr werdet sehen", sagte er, bevor er wegging.

Nur wenige Stunden später schoss die US Navy 59 Block IV Tomahawk Marschflugkörper (Kosten: etwa 1,41 Millionen Dollar pro Stück) auf Luftwaffenstützpunkte, Flugzeugbunker, Benzinlager, Munitionslager, Luftabwehrsysteme und Kommunikationszentren des Al-Shayrat-Stützpunktes im Landesinneren Syriens.

Al Shayrat war Stützpunkt zweier in Russland hergestellter Schwadronen von SU-22-Jagdbomber, die von der syrischen Luftwaffe operiert wurden. Eine davon wurde am 4. April 2017 morgens auf dem amerikanischen Radar gesichtet - sie befand sich etwa zur selben Zeit über Khan Sheikhoun, in der die chemischen Waffen eingesetzt worden sein sollen.

Und mal wieder ein fundamentaler Richtungswechsel

Es gab zwei Gründe für den amerikanischen Einsatz: Erstens sollte er eine Botschaft an die syrische Regierung und ihre Verbündeten vermitteln, die laut Außenminister Tillerson besagt: "Der Präsident ist bereit, zu drastischen Maßnahmen zu greifen, wenn nötig" - vor allem, wenn er mit den Beweisen eines Einsatzes von chemischen Waffen konfrontiert wird, von denen sich die USA "nicht abwenden und blind stellen können." Der andere Grund ist, einem US-Militärsprecher nach, "Syriens Möglichkeiten, chemische Waffen zu liefern, zu reduzieren."

Die Schonphase, die die Trump-Regierung vor kurzem dem Assad-Regime gegenüber veräußert hatte, war vorbei. "Es ist sehr, sehr möglich und ich sage euch, es ist bereits passiert, dass meine Haltung gegenüber Syrien und Assad sich sehr verändert hat", teilte Trump der Presse mit, bevor die US-Raketen abgeschossen wurden. Tillerson ging noch weiter: "Es scheint, dass er [Assad] nicht mehr berechtigt ist, das syrische Volk zu regieren."

Mehr zum Thema: Liebe Staatschefs, Ihnen dürfen diese Bilder nicht egal sein. Handeln Sie endlich!

So ein fundamentaler Richtungswechsel in der Politik in so einer kurzen Zeit ist überraschend. Trump ging nicht nur leicht vom Kurs ab, sondern machte eine 180-Grad-Wende. Die vorherige Strategie, sich nicht in die innerpolitischen Vorgänge Syriens einzumischen, um gegen den IS vorzugehen und Beziehungen mit Russland zu verbessern, wurde von einem inbrünstigen Drang verdrängt, das Regime zu wechseln, militärische Mittel einzusetzen und das in Syrien stationierten russischen Militär zu konfrontieren.

Normalerweise kann so ein Richtungswechsel in der Politik nur von neuen, beweisbaren Tatsachen erklärt werden. Die mutmaßlich eingesetzten chemischen Waffen in Khan Sheikhoun waren keine neue Realität.

Waren Terroristen für den Giftangriff verantwortlich?

Chemische Waffen tauchten regelmäßig in Syrien auf, trotz des internationalen Einsatzes seit 2013, sie in Syrien einzudämmen. Diese Einsätze hatten gemischte Ergebnisse zufolge, manche wurden dem syrischen Regime zugesprochen (was es vehement bestreitet), die Mehrheit jedoch erzielten Regimegegner, allen voran die Al-Nusra-Front, ein Verbündeter von Al Quaida.

Es gibt verschiedene Theorien, was den Einsatz chemischer Waffen in Syrien betrifft. Geradezu reflexartig wird das syrische Regime für das verantwortlich gemacht, was in Khan Sheikhoun passiert ist. Ohne, dass offiziell ermittelt worden ist.

Irgendeine Art von Chemikalien verursachte den Tod von vielen Zivilisten. Wer aber ist verantwortlich für den Angriff? Niemand stellt infrage, dass die syrische Luftwaffe Jagdbomber am Morgen des 4. April auf ein Ziel in Khan Sheikhoun abwarf. Die Anti-Regierungs-Aktivisten in Khan Sheikhoun haben jedoch ein Bild gezeichnet, in dem die syrische Luftwaffe chemische Bomben auf eine schlafende zivile Bevölkerung abwirft.

Eine kritische Information, die die Mainstream-Medien übersehen haben, ist, dass Khan Sheikhoun ein Ground Zero für islamistische Djihadisten ist. Bis Februar 2017 war Khan Sheikhoun von einer Pro-IS-Gruppe namens Liwa al-Aqsa besetzt, die oft mit ihrem Mitstreiter Al-Nusra um die politische Vorherrschaft in der Gegend kämpfte.

Das russische Verteidigungsministerium hat behauptet, dass Liwa al-Aqsa Einrichtungen in und um Khan Sheikhoun herum nutzt, um Hülsen für chemische Waffen und Landminen für den IS herzustellen, die für den Kampf im Irak eingesetzt werden.

Den Russen nach wurden Einrichtungen zur Herstellung chemischer Waffen in Khan Sheikhoun bei der Wiedereinnahme der von Rebellen kontrollierten Gebiete Aleppos von russischen und syrischen Einheiten entdeckt.

In Aleppo entdeckten die Russen Laboratorien zur Herstellung von Waffen, in denen Minenwerferhülsen und Landminen mit einer Mischung aus Chlor und weißem Phosphor befüllt wurden.

Nach einer forensischen Untersuchung, die von Spezialisten vom Militär durchgeführt wurde, händigten die Russen der Organisation für das Verbot chemischer Waffen Proben für weitere Untersuchungen aus - zusammen mit Bodenproben, die mit den Waffen im Umkreis der Laboratorien in Kontakt gekommen sind.

Al Nusra stellt schon seit langem chemische Waffen her und wendet sie an. Beim chemischen Angriff auf Ghouta 2013 wurde minderwertiges Sarin-Nervengift genutzt, während bei Attacken in und um Aleppo 2016 eine Mischung aus Chlor und weißem Phosphor angewandt wurde.

Trump wurde geblendet

Wenn Russland Recht hat und das Gebäude, das am Morgen des 4. April in Khan Sheikhoun bombardiert wurde, chemische Waffen herstellte oder lagerte, ist die Wahrscheinlich hoch, dass Nervengift oder andere giftige Substanzen abgegeben und vom Wind in die umliegenden Gebiete getrieben wurde.

Dieses Gegennarrativ der Russen und Syrer wurde sowohl von den amerikanischen Medien als auch von der Trump-Regierung heruntergespielt, verspottet und ignoriert. Es mangelt an logischen Argumenten dafür, warum Präsident Assad mit dem Einsatz chemischer Waffen alles riskieren sollte, um ein Ziel anzugreifen, das über keinen militärischen Wert verfügt - und das zu einer Zeit, in der er eine verhältnismäßig starke Machtposition innehat.

Warum sollte auch Russland, das nach 2013 politisch in die Entwaffnung in Syrien investiert hat, nicht reagieren, wenn die syrische Luftwaffe so einen Angriff ausführten, vor allem, wenn Russland am besagten Stützpunkt zur Zeit des Angriffs militärisch präsent war?

Solch eine Analyse scheint für Amerika nicht infrage zu kommen. Stattdessen nehmen Medienkanäle wie CNN alles an, was amerikanische Quellen ihnen bieten, inklusive der absurden Annahme, dass Russland am Einsatz chemischer Waffen teil hatte.

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Die vorher genannte Präsenz von russischen Offizieren am Luftwaffenstützpunkt Al Shayrat wird als Beweis zitiert, dass Russland über Syriens Möglichkeiten des Einsatzes von chemischen Waffen Bescheid wusste und nichts gegen den Einsatz unternahm.

Um diese mangelnde Logik fortzusetzen, haben die amerikanische Öffentlichkeit und die Entscheidungsträger die ausgeklügelte Propagandakampagne des Aleppo-Medien-Zentrums, die Videos und Narrative von Assad-Gegnern beinhaltet, für sich ausgenutzt. Dabei ist das Medien-Zentrum dafür bekannt, einseitige Informationen gegen Assad zu propagieren.

Und Trump weigert sich, zuzugeben, dass diese Schock-Bilder eine wesentliche Rolle bei seiner Entscheidung spielten, seine Meinung über Assad zu überdenken und den Angriff auf Al Shayrat anzuweisen.

Fake-Bilder der "Opfer" sollten manipulieren

Viele der Kämpfer, die in Verbindung mit Tahrir al-Sham stehen, sind Veterane der Kämpfe um Aleppo, deswegen sind sie zutiefst vertraut mit den Mitteln und Wegen des weitreichenden Propagandakampfes, der parallel zum eigentlichen Kampf ausgetragen wurde, damit der Westen eine aggressivere Haltung gegen das Assad-Regime einnimmt.

Diese Maßnahmen sollten dazu beitragen, ein Gegennarrativ über den chemischen Vorfall in Khan Sheikhoun zu produzieren. Ironischerweise wurden viele Aktivisten, wie die "Weißen Helme" auch mit der Unterstützung von US-Geldern darin geschult, Social-Media-Taktiken manipulativ einzusetzen. Dass diese Taktiken in Endeffekt den amerikanischen Präsidenten so weit manipulieren würden, dass er einen Kriegsakt ausführen würde ist dem Verantwortlichen wahrscheinlich niemals in den Sinn gekommen.

Sogar geschicktes Medien-Training kann allerdings nicht über grundlegende faktische Inkonsequenzen hinwegtäuschen. Anfangs haben die Assad-Gegner den Vorfall in Khan Sheikhoun als "Sarin-Nervengift" bezeichnet. Ein Arzt, der mit Al Qaida in Verbindung steht, hat Bilder und Kommentare in sozialen Medien gepostet, die Symptome, wie geweitete Pupillen, dokumentierten.

Die diagnostizierte er als Konsequenz einer Sarin-Nervengift-Attacke. Sarin ist ein geruchloses, farbloses Material, das entweder als Flüssigkeit oder Dampf vorkommt. Augenzeugen sprechen von einem "beißenden Geruch" und "blau-gelben" Wolken, was eher Anzeichen von Chlor sind.

Während amerikanische Medien wie CNN von Munitionen gesprochen haben, die "bis zum Anschlag" mit Sarin-Nervengift gefüllt waren und die in Khan Sheikhoun angewandt worden sind, gibt es einfach keinen Beweis dafür.

Herzerweichende Bilder von Opfern, die als Beweise für Sarin-Symptome gehandelt wurden, sind aus medizinischer Sicht fraglich. Es gibt keine Bilder von Opfern am Ort des Geschehens. Stattdessen zeigt ein Video der "Weißen Helme" Behandlungen in einem der Quartiere, in das die Opfer gebracht wurden.

Mangelnde Schutzkleidung der "Weißen Helme", während sie die Opfer behandeln, ist ein weiterer Indikator dafür, dass die chemische Substanz kein Sarin war. Wenn es Sarin gewesen wäre, wären die Helfer selbst zu Opfern geworden. Zudem sprechen manche von einem "beißenden Geruch", den sie verspürten - aber wie gesagt, Sarin ist geruchlos.

Mehr als 20 Opfer des Khan-Sheikhoun-Vorfalles wurden ins türkische Krankenhaus gebracht. Drei von ihnen starben. Dem türkischen Justizminister nach zeigen die Autopsien der Leichen, dass sie Giftgas ausgesetzt worden waren.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO sagt, dass die Opfer in Khan Sheikhoun Symptome von Sarin und Chlor zeigen. Die amerikanischen Medien sehen die Aussagen des türkischen Justizministers und der WHO als "Beweise" dafür, dass die syrische Regierung involviert war. Jedoch würde jeder Kontakt mit der Chlor-Phosphor-Mischung der Al Nusra ähnliche Symptome provozieren.

Al Nusra könnten die wahren Täter sein

Wenn Al Nusra dasselbe minderwertige Sarin angewandt hätte, das sie schon in Ghouta 2013 eingesetzt haben, hätten die Opfer Symptome von Sarin gezeigt. Blutproben der Opfer könnten ein genaueres Bild über die chemischen Subtanzen, denen sie ausgesetzt waren, liefern.

Solche Proben wurden von den Al-Nusra-Mitgliedern genommen und internen Ermittlern weitergegeben. Die Annahme, dass irgendeine ermittelnde Instanz es Al Nusra erlauben würde, sie mit forensischen Beweisen zur Unterstützung einer Ermittlung zu versorgen, wobei die Terrororganisation nur eine von zwei möglichen Schuldigen sein kann, ist furchterregend, aber genau das ist passiert.

Aber die Trump-Regierung hat beschlossen, zu agieren, bevor diese Proben analysiert werden konnten. Vielleicht hat sie Angst, dass die Ergebnisse nicht ihre Vermutung unterstützen würden, dass Sarin von der syrischen Luftwaffe eingesetzt worden war.

Die meisten Mainstream-Medien in den USA haben das Narrativ, das Al-Qaida-Verbündete erstellt haben, dankbar angenommen. Dabei ist gut dokumentiert, wie sie selbst chemische Waffen in Syrien anwenden und Informationen gegen Assad im Westen verbreiten sowie für einen Regierungswechsel werben. Was Syrien angeht, folgen die amerikanischen Mainstream-Medien schon lange den Narrativen von Al Qaida und anderen islamistischen Anti-Regierungs-Organisationen.

Trump als Marionette der Terroristen

Die wahren Schuldigen hier sind die Trump-Regierung und Präsident Trump selbst. Die Tatsache, dass der Präsident mehr Wert darauf legt, was er im Fernsehen sieht, als darauf, was die Autoritäten ihm mitteilen, und sein Mangel an intellektueller Neugierde sowie sein Unwissen über die Nuancen und Komplexitäten über internationale und nationale Sicherheitsthemen haben die Bedingungen geschaffen, in denen die Bilder der Khan-Sheikhoun-Opfer von Al-Nusra-Befürwortern verbreitet werden konnten. Das könnte schwerwiegende Entscheidungen zufolge haben.

Dass Präsident Trump Opfer solch einer offensichtlichen Manipulation werden könnte, ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass er auf Twitter wegen jeder Nichtigkeit Menschen angreift. Dass sein nationales Sicherheitsteam es zulässt, dass er sich manipulieren lässt und nichts dagegen tut, um sich gegen Trumps Meinung oder jegliche voreilige Aktion zu stellen, ist skandalös.

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Die Zukunft wird zeigen, dass Trump, seine Berater und die amerikanischen Medien wenig mehr als Marionetten von Al Qaida und deren Verbündeten sind, deren Manipulationen des syrischen Narrativs in einem politischen Umschwung resultierten, der sich positiv für sie auswirkt.

Der andere Gewinner dieser traurigen Geschichte ist der IS, der den Vorstoß Amerikas gegen Al Shayrat nutzen kann, um in der Stadt Palmyra gegen die syrische Regierung vorzugehen. Al Shayrat war nämlich Haupt-Luftstützpunkt für Operationen in der Palmyra-Region.

Der Zusammenbruch der Beziehung zwischen Russland und den USA bedeutet, dass zumindest in naher Zukunft die Koordination im Kampf gegen den IS ein Ding der Vergangenheit sein wird - was nur ein Vorteil für den IS ist.

Für einen Mann, der in der Vergangenheit einen solchen Schwerpunkt darauf gelegt hat, gegen den IS vorzugehen, können die Taten Trumps nur als eine sich selbst zugefügte Wunde interpretiert werden. Die vorschnelle Handlung eines Keystone Cop und nicht die wohlüberlegte Tat des Staatsoberhauptes einer der mächtigsten Nationen der Welt.

Wer zuletzt lacht, ist wohl Präsident Assad selbst. Das Pentagon behauptet, es hätte den Al-Shayrat-Luftwaffenstützpunkt nachhaltig geschwächt, weil 58 der 59 Raketen ihre Ziele getroffen hätten. Russland jedoch berichtet, nur 23 der Raketen hätten die Einrichtungen getroffen, und diese haben nur leichten Schaden verursacht.

Die Landebahn wurde verfehlt. Tatsächlich startete am 7. April ein syrischer Kampfflieger in Al Shayrat und flog zur Idlib-Provinz, wo er Posten der Al Nusra in der Nähe von Khan Sheikhoun befeuerte.

Der Beitrag erschien zuerst bei der Huffington Post USA und wurde aus dem Englischen übersetzt.

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