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F├╝rchtet euch nicht vor der Digitalisierung

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DIGITAL LIFE
martin-dm via Getty Images
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Ein Aspekt der in der aktuellen Debatte um Digitalisierung nicht sehr stark im Fokus hat, sind die Auswirkungen dieser auf Bewohner in Psychiatrischen Wohngruppen und Einrichtungen. Wenn man in diese f├╝r viele Mitmenschen ÔÇ×unbekannte Welt" in Kontakt ger├Ąt und mit den Betroffenen und gerade den j├╝ngeren unter diesen redet, treffen die Konflikte um die Digitalisierung in diesem Milieu stark zur Tage.

Viele gerade ├Ąltere Sozialarbeiter und Mitarbeiter in diesen Einrichtungen sehen das Internet und die sich ver├Ąnderte Lebensgewohnheiten der Menschen, welche im Bezug auf die neuen Medien sich er├Âffnen als ÔÇ×Gefahr" f├╝r die jungen Bewohner. In Gespr├Ąchen mit Mitarbeitern h├Ârt man oft, dass man die Bewohner ÔÇ×vor dem Internet sch├╝tzen" will, weil man die Bef├╝rchtung hat dass die Betroffenen nicht mit dem ÔÇ×Internet umgehen k├Ânnen". Dabei ist es oft so, dass gerade die ├Ąlteren Mitarbeiter auch im Privatleben das Internet eher in einem negativen Licht sehen. Diese Einsch├Ątzung ist nicht nur bei ihnen alleine zu finden, sondern wenn man die aktuelle politische Debatte zum Thema Digitalisierung und Fake News verfolgt, herrscht meist der Tenor vor dass man diesen Wandel als Gefahr sieht die man eind├Ąmmen muss.

Wenn Heiko Maas offen im Diskurs um Fake-News staatliche Regulierung fordert, so werden gerade auch Mitarbeiter in Psychiatrischen Einrichtungen und Wohnheimen dazu angeregt, den Wunsch der jungen Bewohner zu verwehren, am Internet und der digitalen Welt teilzuhaben. Dennoch wird dabei von Seiten der Mitarbeiter und Institutionen oft verkannt, dass das Internet den Bewohnern und Betroffenen gerade eine M├Âglichkeit ergibt mit Menschen in Kontakt zu kommen, die einerseits ├Ąhnliches wie sie erlebt haben, aber auch Kontakte zu Menschen zu kn├╝pfen die ihnen wenn sie die Einrichtungen eines Tages verlassen, ihnen helfen k├Ânnen wieder in der Gesellschaft Fu├č zu fassen.

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Da viele Bewohner ein geringes Einkommen haben und nur ein ÔÇ×Taschengeld" zugesprochen kommen, haben sie es aufgrund der f├╝r sie hohen Kosten es schwer das Internet in ihrem Sinne zu nutzen. Oft passiert es wenn sie den Wunsch nach digitaler Teilhabe ├Ąu├čern, im Sinne des Patriachat nach Max Weber ihnen dies verwehrt. Die Mitarbeiter in den Einrichtungen wissen es besser als die Bewohner, ÔÇ×was gut f├╝r sie ist" und man nutzt die mangelnden Eink├╝nfte der Bewohner dazu aus, da man ihnen die Nutzung von Seiten der Einrichtungen oft verwehrt, ihnen H├╝rden dem entsprechend aufstellt.

Da gerade f├╝r j├╝ngere Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit und dem Bedr├╝fnis soziale Kontakte zu kn├╝pfen und zu pflegen heutzutage ├╝ber das Netz pflegen, k├Ânnen die Einrichtungen so eine Kontrolle ├╝ber deren Entscheidungen ihr soziales Leben selbst zu bestimmen aus├╝ben.

In einer Gesellschaft wo die Freiheit des Individuum in unserer sozialen und politischen DNA verankert ist, ist die Isolation der Betroffenen in solchen Einrichtungen ein Widerspruch zu den Werten welche wir leben wollen. Der Ausdruck das Internet f├╝r die Betroffenen zu regulieren, zeigt gerade auch den dominierenden Diskurs in unserer Gesellschaft den Digitalen Wandel wie oben angemerkt, als ÔÇ×St├Ârung" des Status Quo zu sehen.

Was kann man in dieser Situation besser machen? - Es ist klar, dass man gerade wenn man den Sozialwissenschaftlern glauben mag und wir uns ins Zeitalter der ÔÇ×Wissensgesellschaft" bewegen, ist den Betroffenen aber auch generell f├╝r diese Gesellschaft den Umgang kritisch Informationen zu bewerten. Gerade so Quellen zu pr├╝fen und einzuordnen und die Intention des Autor der Nachrichten und Informationen im Internet zu hinterfragen und mit seiner eigenen Position abzustimmen und abzulehnen, ist ein Zeichen des Aufgekl├Ąrten B├╝rgers. Das Zeichen der Aufkl├Ąrung war es den eigenen Verstand zu benutzen.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Die Digitalisierung ist eine brandgef├Ąhrliche Chance - wir m├╝ssen schon jetzt Zukunftsmodelle testen!

Auf diese Maxime sich zu besinnen und zu f├Ârdern, hilft den Individuum in der Gesellschaft wie auch ihr im ganzen an sich, F├Ąhigkeiten anzueignen um selbstbestimmt zu handeln. Dieses Erbe der Aufkl├Ąrung, auf welches wir in westlichen Gesellschaften zurecht Stolz sind sollte gerade im Zeitalter der Digitalisierung wieder in den Vordergrund.

Staatliche Regulierung oder im Kleinen in psychiatrischen Einrichtungen um den B├╝rger beziehungsweise den junge Betroffenen vor einer ÔÇ×Welt zu sch├╝tzen", die man selbst nicht versteht und dies einzugestehen bei den Akteuren als Gesichts- und Autorit├Ątsverlust gesehen wird, sind der falsche Weg. Gerade dieses politische und soziale Verhalten widerspricht unseren Werten und Traditionen auf welche wir im Westen so Stolz sind und St├Ąrke beziehen.

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