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Finde die Fehler oder auch: Der Mann, die Frau, das Paar und die Schwangerschaft

19/08/2015 12:54 CEST | Aktualisiert 19/08/2016 11:12 CEST
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Ach, ist sie nicht schön: diese letzte, intensive, gemeinsame Zeit zu zweit? Das Leben wird sich nun bald verändern und man spürt die Vorfreude jeden Tag mehr, aber auch Angst und Sorgen machen einem dann und wann zu schaffen. Man verändert sich, setzt neue Prioritäten, schwebt von einer rosa Wolke zur nächsten und malt sich das Leben zu dritt in den schillerndsten Farben aus.

Hand in Hand hüpft man über Regenbögen, richtet sein Nest ein, zeigt sich gegenseitig die niedlichsten Kindersachen und schmiegt beim Auswählen des Babybettes, den Kopf an die starke Schulter des zukünftigen Vater.

Man lacht viel zusammen, bucht noch eine letzte schöne Reise und genießt die „Kugelzeit" - wie sie in vielen der wunderbar stilvollen Blogs im Internet genannt wird - in vollen Zügen.

Die Abende verbringt man ausschließlich eng umschlungen zusammen auf dem Sofa, streichelt unentwegt über den Bauch und freut sich über jedes neue Lebenszeichen des Fötus. Jeder Kontakt mit dem zukünftigen Sohnemann oder des Töchterchens rührt ihn fast zu Tränen, nun endlich kann er auch an diesem Wunder teilhaben, von dem er so viel gelesen hat in den Schwangerschaftsratgebern für Männer, um sie besser verstehen zu können, seine geliebte Frau.

Er kann den Blick kaum vom wohlgeformten Körper dieser Fruchtbarkeitsgöttin wenden, in freudiger Erwartung auf ein neues Lebenszeichen, eine weitere fantastische Regung. Das Wunder des Lebens hautnah.

Glücklich und zufrieden schläft man nun ein nach diesem fantastischen Tag und träumt von einer wundervollen Zeit zu dritt, der eigenen Familie...

Möööööööööööööööp.

In diesem Text befinden sich xx Fehler, findest du sie alle?

Hier die Auflösung:

„malt sich das leben zu dritt in den schillerndsten Farben aus"

Viel gemalt wird hier nicht, zumindest sind beim männlichen Geschlecht die Buntstifte alle abgebrochen und der Anspitzer verlegt, die Fantasie eines Mannes, was die zukünftige Familie angeht, beginnt ungefähr ab dem Vorschulalter.

In sämtlichen Vorstellungen kann das Kind schon sprechen, auf jeden Fall schon laufen, denn um was man sich nun am meisten sorgt, sind Spielplatzkumpel. Die kriechen dann aber auch aus allen möglichen Ecken hervor:„Ich habe heute xx getroffen, der wird auch bald Papa, wir haben uns schon für den Spielplatz verabredet."

Ich wusste bis dato noch nicht, dass es auch Spielplätze für Säuglinge gibt, aber ich bin gespannt auf die Rutschpartie mit einem 10 Tage alten Baby und ich drücke die Daumen für die Wippe. Aber auf der Kletterburg, da bin ich mir sicher, werden sie beide eine gute Figur machen.

Nach der Spielplatznummer passiert auch lange Zeit nichts und die Vorstellungskraft setzt erst wieder ein, wenn es um die Wahl des Berufs oder die Wahl der zu erlernenden Musikinstrumente geht.

Ich verhalte mich noch ganz ruhig und sage ihm nichts, aber ich freue mich auf sein Gesicht, wenn er plötzlich einen total nutzlosen und hilflosen Säugling in den Händen hält, der weder das Alphabet kann, noch an Fußball interessiert oder gar in der Lage ist, seinen Kopf eigenständig zu heben. Der schmatzende Geräusche von sich gibt und nicht viel mehr will, als sich in die Hose zu machen und Mamis Busen zu ruinieren.

„richtet sein Nest ein, zeigt sich gegenseitig die niedlichsten Kindersachen und schmiegt den Kopf an die starke Schulter des zukünftigen Vaters beim Auswählen des Babybetts."

Hier baut meistens nur einer und das bist DU.

Dieses Kind auszustatten und kleidungstechnisch gesellschaftstauglich zu machen, wird dein Job sein. Du unterschreibst den Arbeitsvertrag mit deiner Schwangerschaft. Dieser Job ist allerdings unkündbar, denn tust du es nicht, tut es keiner und die Sache mit dem Lendenschurz kommt nur in Disney Klassikern süß rüber.

Möchtest du also nicht mit einem kleinen Mogli aus dem Krankenhaus schleichen, dann kümmere dich selbst um alles. Dafür erntet man nicht besonders viel Anerkennung, denn aus männlicher Sicht wartet man am besten, bis einem alles geschenkt wird oder es dann doch der Klapperstorch bringt.

Ich denke in manchen Fällen ist es auch ganz sinnvoll im 9. Monat mal nach einem Bett für das Neugeborene Ausschau zu halten, man weiß ja nie, manchmal kommen Kinder ja doch ganz klein und nicht schon als Manuel Neuer auf die Welt...

„Man lacht viel zusammen, bucht noch einen letzte schöne Reise und genießt die „Kugelzeit" - wie sie in vielen der wunderbar stilvollen Blogs im Internet genannte wird - in vollen Zügen."

Na gut, hier kann ich nur sagen: Ich beneide alle, die noch das nötige Kleingeld für eine Reise haben und ich hasse alle, die das Wort „Kugelzeit" benutzen.

„Die Abende verbringt man ausschließlich eng umschlungen zusammen auf dem Sofa...."

Die Abende verbringst DU definitiv hauptsächlich auf der Couch, ob eng umschlungen oder nicht spielt so oder so keine Rolle, weil du spätestens um 23.00 Uhr im Land der Träume versinkst, nachdem du dich ungefähr 40 mal unruhig hin und her gewälzt hast, weil alles unglaublich unbequem ist und entweder dieser Bauch oder dein Partner im Weg ist, wenn er sich nicht gerade wieder mit seinen Kumpels ein paar Schnaps und Bier auf seine bevorstehende Rolle als Vater und Familienoberhaupt vorbereitet.

Und nun zu meiner Lieblingsstelle

„.....streichelt unentwegt über den Bauch und freut sich über jedes neue Lebenszeichen des Fötus. Jeder Kontakt mit dem zukünftigen Sohnemann oder des Töchterchens rührt ihn fast zu Tränen, nun endlich kann er auch an diesem Wunder teilhaben von dem er so viel gelesen hat in den Schwangerschaftsratgebern für Männer, um sie besser verstehen zu können, seine geliebte Frau. Er kann den Blick kaum vom wohl geformten Körper dieser Fruchtbarkeitsgöttin wenden...."

Es ist schon richtig, es fasziniert sie, dass sie ihr Kind zum ersten Mal fühlen oder zum ersten Mal die Wölbung des Bauches vom Kinderarsch beobachten können. Allerdings fasziniert sie das genau, lasst mich nachrechnen: ein Mal.

Während man gebannt auf den eigenen dicken Leib starrt und es kaum glauben kann, dass er jetzt schon so groß ist, dass man das Baby nicht nur fühlt, sondern zeitgleich auch fast schon sehen kann, findet er die bunten Bilder des 20.15 Uhr Blockbusters wesentlich aufregender. Bei weiteren Verweisen auf die Bauchdecke mit dem Eigenleben nur der Hinweis: „Hab ich doch eben schon gesehen." Na gut..... weiter im Pro-Sieben-Film....

Schwangerschaftsratgeber für Männer: Hier gibt es nicht viel zu sagen, außer: Solltest du ein Eselsohr in diesem entdecken, sei dir sicher, es ist entstanden, als er sich versehentlich drauf gesetzt hat, ganz sicher nicht aus Gründen der ABnutzung oder generell der BEnutzung.

„Glücklich und zufrieden schläft man nun ein, nach diesem fantastischen Tag und träumt von einer wundervollen Zeit zu dritt, der eigenen Familie..."

Ja, einschlafen tut man und das auch recht früh, um möglichst oft in der Nacht aufzuwachen und aufs Klo zu rennen oder sich hin und her zu wälzen und dann am Morgen besonders früh aufzuwachen aus einem wundervollen Albtraum....

Aber das, so hab ich mir sagen lassen, geht wohl auch vorbei. Irgendwann.

Wenn sie dann endlich ihr Praktikum in New York machen, als Entwicklungshelfer in Uganda rumspazieren oder auf Welttournee mit ihrer Hardrock Band sind. Dann wird man ganz plötzlich aufhören, sich Sorgen zu machen und man kehrt wieder in seine alte Form zurück.....

Na, dann sind das ja nur noch 18 Jahre oder in der Zeitrechnung des männlichen Geschlechts 18 Wochen.

Aber nicht vergessen, du bist nicht allein damit, es gibt auf dieser Welt tausende Mütter und dicke Schwangere, die deine Sorgen teilen und dich verstehen....naja und ab und an gibt es da ja auch noch den Vater deines Fußballprofi-Kindes, die wir ja auch genau dafür lieben.

Was wäre schlimmer als ein zweites hormongeladenes Monstrum, was sich wahnsinnig macht mit der Suche nach der richtigen Kita und der besten Erziehungsmethode? Jemand, der dich permanent nötigt, deinen dicken Bauch liebkosen zu wollen oder mitten im Park anhält, um mit deinem Unterleib Konversation zu betreiben.

Ein Partner, der jeden Tag neuen Babykram ins Nest schleppt oder vor Aufregung nicht einschlafen kann, weil er sich wieder etwas Neues und Aufregendes für das Wandbild im Kinderzimmer ausgedacht hat?

Ist schon ganz gut so, wie es ist. Danke Natur, du kannst ja nix dafür und danke Männer für den Eistee vom Späti in der Nacht und den liebevoll verbrannten Grießbrei am Abend, wir sehen eure Bemühungen und ohne euch wäre es doch alles nur halb so schön. Was wären wir denn schließlich ohne euch??? Stimmt, definitiv: nicht schwanger.


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