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Große Klappe im Internet of Voice - Reality bites

02/12/2017 17:00 CET | Aktualisiert 02/12/2017 17:00 CET
Steve Marcus / Reuters

In Deutschland galoppiert die Digitalisierung ja eher etwas gemütlicher. Dies scheint sich in Bezug zu den Entwicklungen in Richtung Künstlicher Intelligenz zum Glück ein wenig umzukehren. Mit dem Trend der Digitalen Sprachassistenten sollte man sich jedoch besonders als Werber aus vielen Gründen nicht der hintendrannlaufenden Untugend hingeben und so früh wie möglich die Ohren spitzen.

Das Internet of Voice, auch gerne das Conversational Internet genannt, wobei „Voice" (=Stimme) es wohl eher trifft, insofern man es auf Digitale Sprachassistenten wie z.B. Amazon Alexa oder Apple Siri bezieht, kommt nicht, es ist bereits da. Aktuelle Spam- und Buzzwordschleudern hämmern derzeit ja gerade quasi täglich die Begriffe wie Bitcoin, Deep Learning, Blockchain, Chatbots, Künstliche Intelligenz und eben auch Digitale Sprachassistenten raus und so stellt sich die Frage, ob hinter all diesem Geschwurbel auch wirklich etwas steckt, vor allem auch so etwas wie Know-how. Erst vor kurzem wurde ein Unternehmen sprunghaft höher bewertet, weil es einfach mal in einem Nebensatz Blockchain und Künstliche Intelligenz erwähnt hat, obwohl Beides nicht wirklich Teil der Sache war. Hmm....

Selten steckt hinter den großen Versprechungen wirklich etwas Hirnfestes. Komplexe Filter, Algorithmen und Datenbankabfragen sind noch längst keine Künstliche Intelligenz. Wie immer reitet ein jeder oft und gerne die aktuellsten Buzzwords ab, um im Teich des Bullshitbingos mitschwimmen zu können, aber das was drauf steht, ist in der Regel eben oft halt nicht wirklich drin. Oder glaubt wirklich noch irgendjemand, dass kein Unternehmen der Welt mehr Server hat, dafür aber eine Cloud!? Oder nun sämtliche Startups wirklich eine KI haben? Jou!

Entsprechend brüsten sich so auch gerne immer mehr Agenturen und Unternehmen damit, Sprachassistenten gestalten und anwenden zu können, obwohl das Know-how für das Design von Sprache, beziehungsweise das Umsetzen von Sprache in Software und Prozesse nicht vorhanden ist und sich in deutschen Landen gerade mal auf eine Hand voll Menschen beschränkt. Es sei denn, dass diese wenigen Menschen durch einen Riss im Raum-Zeit Gefüge überall gleichzeitig arbeiten. Auf Künstliche Intelligenz gehen wir hier erst lieber gar nicht tiefer ein, denn da schaut es schon viel, viel schlimmer aus. Ein jeder will also nun Experte in einem Thema sein, welches noch nicht mal wirklich existent ist. Aha! Dabei reicht es doch oft schon aus, wenn die Technik einfach „smart" ist und der Mensch dies für Künstliche Intelligenz hält, auch wenn es faktisch keine ist. Aber was ist auch schon Intelligenz? Und was ist dann auch noch Künstliche Intelligenz? Eben! Auch hier liegt das Know-how in Deutschland aktuell bei nur einer Handvoll Menschen und Unternehmen, auch wenn die Nachrichtenwelle uns gerne etwas anderes glauben lässt. Grundsätzlich kann eine Künstliche Intelligenz, wie man die auch immer definieren mag, nur dann gute Arbeit leisten, wenn neben der Informatischen Seite auch die Wissensbasis vorhanden ist oder zumindest angereichert werden kann. Wer also eine gute Wissensbasis anbieten kann, dem ist es auch zuzutrauen Teil einer guter KI sein zu können, um damit natürlich dann auch den Sprachassistenten füttern zu können. Ohne Wissen und ohne Lernen, kann es keine gute KI geben. Die primäre Frage ist also stets: Wer hat die optimalste Wissensbasis, um die Künstliche Intelligenz und damit auch den Sprachassistenten zu füttern? Die logische Folgefrage ist: Wer kann diese Wissensbasis am besten in einer KI verarbeiten und dies dem Sprachassistenten zu Verfügung stellen? Das sich der Markt der Anbieter hier auf sehr wenige beschränkt, ist da aktuell wohl unumgänglich. Egal wie viel Geschwurbelt wird.

Handlungsdruck durch Amazon Alexa

Grade weil die Situation ist wie sie ist, zeigt sie deutliche Trends/Chancen an, um mit Sprachassistenten im Internet of Voice, auch bzw. besonders im Marketing aktiv zu sein/zu werden. Sprache ist die natürlichste Form der Kommunikation für den Menschen und wirklich ein jeder wollte doch schon mal immer mit der Maschine sprechen wie Kapitän Kirk. Der Bedarf ist da, der Markt und besonders die Nebenmärkte wachsen stark und ein Sattelpunkt ist noch nicht erreicht. Marketing ist Kommunikation, also ist es eine Grundpflicht für das Marketing diesen neuen, persönlichen und direkten Kommunikationskanal per Sprachassistenten zum Kunden hin zu bedienen.

Sprachassistenten nehmen quantitativ und qualitativ schnell Fahrt auf und entsprechend ist der Markt ungefähr so, wie er damals zu Beginn des Siegeszuges der Smartphones war. Es ist sicher, dass Sprachassistenten sich große Teile der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine einverleiben werden und damit auch andere Märkte, wie z.B. den Smart Home/Smart Living Bereich stark antreiben. Somit wird es schon sehr bald mehr gute Entwickler, mehr gute Produkte und auch so etwas wie Künstliche Intelligenz geben und auch Sprachassistenten mit denen man natürlicher spricht als wie jetzt aktuell im Kasernenhofton. Die logische Folgerung ist, dass die Unternehmen sich des Themas ...mal wieder... JETZT annehmen müssen, um in den heutigen, schnell entwickelnden Märkten ein gutes Standbein zu haben oder andersherum, später nicht das Nachsehen zu haben. Das setzt eine Flexibilität der Unternehmen voraus, die es in Neuland nicht gibt, wie der Einfluss der deutschen Digitalwirtschaft auf die internationale Branche leider eindrucksvoll mit quasi Null Einfluss zeigt. Dabei Chatbots zu vergöttern, die nach wie vor eher mit Schlagwortanalysen agieren als mit natürlicher Sprache, ist dabei nur ein Übergangspunkt, hin zum Sprachassistenten. Eine Eingabe per natürlicher Sprache wird immer der Eingabe per Taste bevorzugt werden. Das liegt nun mal in der „Natur" der Sache und auch der wesentlich größeren Eingabegeschwindigkeit. Trotzdem kann die bildschirmgesteuerte Digitalwirtschaft mit Chatbots zum aktuellen Zeitpunkt gelerneter umgehen und mit Ihnen ein paar Qualitätspunkte beim Konvertieren von Nutzern zu Kunden rausholen, was auch über bestimmte Kanäle absolute richtige Berechtigung hat und sogar ein Muss ist, aber eben nur ein Zwischenschritt hin zum Sprachassistenten, wo er in den entsprechenden Anwendungsfall denn dann auch reinpasst, ist.

Damit wären wohl ausreichend Argumente geliefert weshalb Sprachassistenten mit einer hohen Priorität auf die Agenda eines jeden Unternehmens, besonders des Marketings gehören. Oder doch nicht? Na gut, dann einfach mal grade frech ein Loch in die Welt des Marketings brutzeln und behaupten, dass bereits in den nächsten 2 bis 3 Jahren Bildschirmwerbemittel, sowie der erste Listenplatz bei Google, ihre Relevanz verlieren und Domains quasi wertlos werden. Und? Jetzt irgendwie interessiert?

Man braucht gar nicht so weit zu suchen um diese Behauptung zumindest teilweise zu untermauern. Eine kleine Recherche in den üblichen Suchmaschinen und Branchenportalen reicht da schon. Trotzdem hier im Folgenden mal zusammenschubst. Wobei angemerkt sei, dass ein jeder sich selbst zu überzeugen, dass Sprachassistenten einen großen Einfluss auf den gesamten Digitalmarkt und damit erst Recht im Marketing haben werden. Auch wäre es mehr als vermessen in einem so schnellen Markt wie dem Digitalen zu behaupten, dass die Aussagen von heute, morgen noch richtig wären. Also, Augen auf beim Infokauf...

Vertraue der Stimme

Welcher Kommunikation bringt der Nutzer das größte mögliche Vertrauen entgegen? Einer Textausgabe auf einem Bildschirm, oder einer Sprachausgabe auf Basis natürlicher Sprache? Nun, diese Antwort dürfte wohl ein jeder nur in Richtung der natürlichen Sprache entscheiden. Daher ist es an dieser Stelle auch nicht weiter nötig Pro oder Kontras suchen zu wollen. Mit Sprache als Kommunikationsschnittstelle zum Nutzer/Kunden, ist man so emotional, nah und bewusst am Menschen wie noch nie zuvor.

Domains sind Adressen

Unsere Urahnen wussten nicht, oder nur ungefähr, wo man seinen Bedarf an den Dingen des Lebens stillen konnte. „Loslaufen und suchen" war also die Regel, wobei es oft vorkam, dass die bekannten Orte bereits von anderen geplündert waren. Diese Orte sind seit der Existenz des Internets die „Domains", sind quasi unplündbar und wurden in der Regel mit aufwändigem Marketing in die Köpfe der Nutzer gepflanzt. Jedoch war und ist es nie der Fall gewesen, dass dieser zu besuchende Ort selbst der Anlass war ihn aufzusuchen, sondern die Dinge die man an diesem Ort erhält oder weil das Werbeversprechen es geschafft hat dem Nutzer einzubläuen, dass die Dinge die man an diesem Ort bekommt, ja so viel besser seien als an anderen Orten. Früher die Beeren, heute das iPhone. Der Mensch ändert die Orte ohne mit der Wimper zu zucken, seinen Bedarf jedoch nicht.

Nachdem das Marketing dem Menschen also mit viel Aufwand beigebracht hat an einem bestimmten Ort und auf eine sehr unnatürliche und angelernte Weise (Tastatur und Bildschirm) seinen Bedarf zu stillen, kommen nun die Sprachassistenten daher und holen diesen Vorgang wieder auf die menschlichste Art und Weise zurück, der Sprache, und damit zu dem eigentlichen Bedarf und nicht mehr zu den bunten Bildchen. Der Nutzer sucht also nicht den Ort (=die Internetadresse/Domain) auf, sondern nennt eben direkt seinen Bedarf, wobei ihm der Ort gänzlich egal ist „Alexa, kaufe ein Satz AA Batterien". Er wird nicht oder nur angelernt-selten sagen „Alexa, kaufe bei ??????? ein Satz AA Batterien". Der Sprachassistent wird diesen Einkauf logischerweise nur an einer einzigen Quelle durchführen, die auch einzig und alleine der Sprachassistent bestimmt, es sei denn der Nutzer konnte im Sprachassistenten diese Einkaufsquelle gezielt konfigurieren oder der Betreiber des Sprachassistenten gibt die Quelle vor, wie z.B. Amazon bei Alexa.

Insofern der Sprachassistent wirklich smart ist, wird ihm die Quelle des Einkaufs bzw. der Information ziemlich egal sein und er wird als Informations- bzw. Einkaufsquelle diejenige nehmen, die den Bedarf des Menschen am besten decken kann. Preis, Liefergeschwindigkeit, Qualität, Informationsgehalt, etc. sind die ausschlaggebenden Elemente der Ausgabe an den Nutzer und nicht mehr die Platzierung in irgendeiner Liste.

Domains über Sprachassistenten sind somit wieder nur noch das, was sie wirklich sind: Einfach nur noch Adressen. Welche Adresse da genau abgegriffen wird, interessiert nicht mehr. Es zählt nur noch „was" in dieser Adresse drin steckt und ob dies dem Bedarf des Nutzers am optimalsten entspricht. Dieser „Punkt der Erfüllung", aus dem der Sprachassistent sein Wissen für den Nutzer schöpft, muss dabei jedoch nicht zwingend der optimalste oder wahrste sein, auch wenn er das sein sollte. Er wird jedoch definitiv der "einzige" sein der im Ohr des Nutzers landet. Dabei hilft es auch nicht, dass der Sprachassistent vielleicht einen Bildschirm hat. Letztendlich wird auch der Bildschirm nur das anzeigen was der Sprachassistent als relevant bestimmt. Domains sind unter Sprachassistenten quasi irrelevant. Es sei denn, dass der Sprachassistent sich einer Suchmaschine bedient die entsprechende Priorisierungen durchführt. Doch kein Sprachassistent ist gezwungen dies zu tun. Beziehungsweise nur der Betreiber des Sprachassistenten könnte eine Suchmaschinennutzung erzwingen, was den Nutzern aber wohl ein ordentlicher Dorn auf der Zunge sein dürfte. Der Rückschluss dürfte an dieser Stelle nur einer sein: Natürlich formulierte und hochqualitative Inhalte sind der Schmierstoff um über Sprachassistenten einen Weg zum Nutzer zu finden. Domains haben nur eine Relevanz, wenn der Sprachassistent eine Suchmaschine nutzt und sind ansonsten faktisch wertlos.

Wer braucht noch SEO?

Da haben die Unternehmen mühsam gelernt mit Schlagworten im Internet umzugehen und nun dreht sich der Wind wieder in die Richtung natürlicher Sprache. Die bisher auf Schlagwortbasis entstandenen Formulierungen und Konstrukte sind dabei oft an Unnatürlichkeit und auch Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Es wurde alles für die Maschine, aber nur wenig für den Nutzer formuliert. Auch wenn der Mensch mit dem Sprachassistenten noch nicht wirklich in natürlicher Sprache agieren kann, so wird dies jedoch kontinuierlich schnell besser, und entsprechend werden Schlagworte eben nicht mehr der Suchmaschine liebstes Kind, sondern ganze Sätze und Phrasen. Grundsätzlich wird die Suche nach Schlagworten genauso wenig verschwinden wie der Bildschirm, aber eine Suche per Sprache ist aus Nutzersicht halt natürlicher und schneller, daher wird die Suche über ganze Sätze, die Suche per Schlagworte zu einem nicht unerheblichen Teil ablösen. Ob die Suchergebnisse dann als Liste auf einem Bildschirm landen oder als Ausgabe mit dem nur einzige richtigen qualifizierten Datensatz über den Sprachassistenten, ist eine andere Baustelle. Wobei jedoch auch hier eigentlich logisch ist, dass der Bildschirm auch hier sehr viel Platz an den Voice-First Sprachassistenten abgeben wird.

Auch werden Suchmaschinen die natürliche Sprache immer stärker in ihre Rangbewertung mit einfließen lassen. Wer also SEO betreibt, um ganz oben zu sein, muss sich von den gelernten Schlagwörtern, hin zu natürlich Sprache entwickeln und seine Inhalte so aufbereiten das sie so natürlich wie nur möglichen sind. Typische W-Fragen dürften dabei ein wichtige Rolle spielen: Was, Wann, Wo, Wie... etc. Diese W-Fragen zeigen auch wiederrum, dass die Anwendungsfälle im Vordergrund stehen und nicht die Produkt- und Leistungsmerkmale. Diese Fragen als Befehl umformuliert ergänzen dann den anderen Weg, den Sprache mit sich bringt: Von „Wo gibt es günstig Bananen?" hin zu „Sag mir wo es günstig Bananen gibt!". Bis heute haben ja die wenigsten Vermarkter verstanden das Marketing nicht das Sprengen von Budgets und das Plattwalzen von Preisen, Leistungen und Reichweiten ist, sondern dass es um Positionierung, Image, Nachhaltigkeit und vor allem Bedürfnisse und eben Anwendungsfälle geht, die dem Kunden das Gefühl geben sein Bedürfnis am optimalsten zu befriedigen.

Natürliche Sprache hebt diesen Anspruch auf einen höheren Qualitätslevel, da kein Preisschild der Welt einen natürlich gesprochenen Satz mit dem wirklichen Bedarf des Nutzers in seiner Emotionalität überflügeln kann. Im Falle des Sprachassistenten muss SEO also qualitativer, menschlicher, natürlicher und auch regionaler zu werden. In Bayern spricht man nun mal anders als in Sachsen. Das sind alles positive Anforderungen welche zum Glück auch noch helfen die aktuell typischen Schlagwortschleudern auf die hinteren Plätze zu verweisen und den qualitativen Inhalten wieder zu mehr Recht zu verhelfen, um den Nutzer besser zu erreichen.

Grundsätzlich hilft jedoch alles SEO nicht, wenn der Sprachassistent gar keine Suchmaschine nutzt, um dem Nutzer die „eine richtige" Information auszuliefern. Auch wenn Suchmaschinen aktuell noch die Richtungsweiser zu Inhalten sind, so wird die Entwicklung der Sprachassistenten zeigen ob dies so bleibt. Der Sprachassistent tut nur dann einen guten Dienst, wenn er möglichst die eine passendste Information an den Nutzer liefert und kein Werber kann dem Sprachassistenten vorgeben dabei eine Suchmaschine verwenden zu müssen, in der die Rankings/Inhalte mühevoll optimiert wurden. SEO könnte hier durchaus zu einem Auslaufmodell werden, oder wird zumindest in gewisse Schranken gewiesen, die nicht einfach mal wieder ebenso zu ignorieren sind.

Voice Search tötet Mäuse und Tasten

Des Vermarkter liebstes Kind und schwarzes Loch mit vielen Unbekannten, um platt die Nr. 1 ganz oben in der Liste zu sein... und genau mit dem Begriff „Liste" beginnt hinsichtlich der Sprachassistenten das Grundsatzproblem, denn Listen transportieren Sprachassistenten nicht. Sprachassistenten präsentieren dem Nutzer maximal eine kleine Auswahl und die auch nicht etliche Male, sondern maximal ein bis zwei Mal. Ebenso ist nicht gesagt, dass diese Auswahl auch wirklich die ersten Plätze aus der Trefferliste abdeckt und dass der Sprachassistent überhaupt eine Suchmaschine in Anspruch nimmt.

Die logische Konsequenz ist, dass der Sprachassistent das dem Nutzer vermittelt, was der Programmierer des Sprachassistenten da vorgesehen hat. Kein Nutzer wird bei der Ausführung der Suche explizit eine Suchmaschinen oder Seite benennen. Gefragt wird z.B. „Wo finde ich günstig Bananen?" und nicht etwa „Suche auf Google wo ich günstig Bananen finde!". Die Antwort des Sprachassistenten werden stets 1 bis maximal 3 Ergebnisse sein, denn mehr passt in ein nutzerfreundliches Dialogmodell nicht hinein.

Die Suchanfragen über Voice Search steigen seit 2013 massiv an und erleben seit der Einführung von Alexa in den USA einen deutlichen Schub. Auch wenn aktuell die meisten Ergebnisse dieser Anfragen auf einem Bildschirm landen, so dreht sich auch hier der Wind in Richtung Voice-First. Dies sind verlorene Umsätze für Bildschirmwerbemittel und was der Sprachassistent letztendlich ausliefert muss auch nicht zwingend der Platz 1 der Suchmaschinenliste sein. Voice Search und SEO sind nur da relevant, wo der Sprachassistent auch wirklich eine Suchmaschine bedient, und selbst dann ist nicht gesagt, dass der Sprachassistent die Ergebnisse der Suchmaschine so weitergibt wie die Suchmaschine die Inhalte priorisiert hat. Womit eigentlich klar wird, dass es in erster Linie gilt den Sprachassistenten/den Nutzer zufrieden zu stellen und nicht die Suchmaschine.

Medienbrüche sind out

Die traditionelle Kommunikation mit Maschinen ist durchzogen von Medienbrüchen, die eine Anwendung für den Menschen mit hohen Hürden ausstattet und sehr unnatürlich ist. Der Mensch muss mühsam lernen mit Eingabemedien wie Bildschirm, Tastatur und Maus umzugehen und für alle denkbaren Aktionen hin und her wechseln. Natürliche Sprache, und damit der Sprachassistent, lässt diese Hürden verschwinden und damit auch die Medienbrüche. Viele Prozesse werden extrem kürzer. Auch hier braucht es keine weiteren Argumente um zu verstehen, dass Sprachassistenten viel mehr sind als nur ein neuer, weiterer Kanal in der Medienwelt. Sie sind eigentlich die „natürliche" Schnittstelle, die bisher gefehlt hat, weil sie eben bisher ja auch nicht gut genug funktionierte. Lediglich reine Gedankenübertragung wäre noch effizienter und direkter. Der aufkeimende Siegeszug der Sprachassistenten bedeutet schlicht, dass alle Inhalte und Anwendungsfälle die mit Sprache gut abgedeckt werden können, auch mit Sprache abgedeckt werden und müssen. Der Bildschirm wird natürlich trotzdem nie verschwinden, da der Mensch nun mal auch Augen hat und viele Anwendungsfälle und Inhalte stets eine Visualisierung brauchen. Ob jedoch Tastatur und Maus noch ein so großes Einsatzgebiet wie heute haben werden, ist sehr stark zu bezweifeln bzw. eigentlich ist dessen Verwesung so gut wie sicher.

Werbemittel fürs Ohr

Da hat der BVDW eine Empfehlung für die Vermarktung von Audio-Inhalten rausgegeben und dabei eigentlich nur ein Steinzeit-Dokument für OnAir Medien neu gestaltet und umformuliert, beziehungsweise die Vorschläge angebracht, die große Musikportale wie mp3.de oder Besonic (R.I.P) bereits vor etlichen Jahren serviert haben und damals, weil viel zu früh, niemanden interessiert haben. Alter Wein in neuen Schläuchen. Natürlich ist es nicht so, dass diese traditionellen Methoden zur Massen-Reichweiten-Werbevermarktung nicht auch eine Berechtigung haben. Jedoch zeigt es mehr als deutlich, dass bis zum heutigen Tage die Interaktivität und Personalisierung, die das Internet möglich macht, noch immer nicht in den Köpfen angekommen sind und der erste Gedanke noch immer die Holzhammermethode der Werbeplatzierung ist, anstatt mit geschärftem Ohr die Anwendungsfälle und Bedürfnisse der Nutzer genau auszuwerten, um an den richtigen Plätzen entsprechende vor allem auch interaktive Werbeplätze zu schaffen. Personalisierung findet maximal nur statt, um dann doch wieder einen Werbespot zu platzieren. Schade auch, dabei wird aus dem Wörtchen Ziel-GRUPPE durch die extrem hohe Personalisierungsmöglichkeiten der Sprachassistenten nun die Ziel-PERSON, da jeder Nutzer völlig individuell adressierbar wird.

Im Grunde ist im Falle von Sprachassistenten als Werbekanal das Content-Marketing der eigentlich einzig intelligente und vor allem effiziente Weg ins Ohr des Nutzers. Mit platten Werbespots die den Kontext der Kommunikation stören, wird der Werber vor allem erreichen, dass die Kommunikation und damit das Vertrauen komplett zer-/ge-stört wird. Entsprechend müssen Werbebotschaften Teil der Kommunikation und des Kontextes sein, um Vertrauen beim Nutzer erhalten. Je interaktiver dies geschieht, umso eher landet es im Kopf des Empfängers. Was ist da besser geeignet als ein Sprachassistent? Z.B. in Form eines persönlichen Beraters, der auf den Bedarf des Kunden eingeht und ihm nicht gleich wieder den tollsten Preis um die Ohren klatscht. Hm!?

Das Bedürfnis des Nutzers abseits von Preis und Verfügbarkeit ist dabei stets der Dreh- und Angelpunkt für die Botschaft. Kein Nutzer der Welt will z.B. wenn er Hunger hat, ein Angebot für den nächsten Pizzadienst haben, sondern Vorschläge auf Basis seiner Vorlieben in Bezug auf das Gericht. An welcher Stelle und zu welchem Preis er sich dann sein Essen besorgt, steht für den Nutzer an hinterer Stelle. Dies hat grundsätzlich auch den Vorteil, dass bei einer einmal gefassten Entscheidung für ein bestimmtes Essen, der Preis im Grunde zweitrangig wird. Der beste Beweis dafür ist mal wieder Apple. Der Preis spielt absolut gar keine Rolle in Apples Universum und auch die Leistung nicht. Was zählt ist der Trend/das Bedürfnis des Kunden unbedingt ein solches Produkt zu haben, um sich damit gut zu fühlen, was der einzig richtige Ausgangspunkt für eine emotionale Marke ist und erst Recht für einen Sprachassistenten, der emotional und direkt mit seinem Nutzer auf natürliche Weise sprechen kann.

Erst vor kurzem hat Amazon für Alexa eine Funktion freigeschaltet die es möglich macht, während eines Ladevorgangs vorbestimmte Inhalte auszuspielen. Hier könnte man in der Tat gut auch traditionelle Audio-Spots ausspielen, als eine Art „Wartemusik", und damit eines der Werbemittel, die ein jeder Vermarkter schon immer kannte und damit umgehen kann. Ein erster Schritt, insofern Amazons Politik dies zulässt oder auch die Werbekanäle über Alexa erst mal für sich selbst schützen will.

Wer also über Sprachassistenten seine Produkte und Dienste an den Nutzer bringen möchte, sollte im Kern Content-Marketing ausspielen und über den echten Bedarf des Nutzers Anwendungsfälle abbilden, die eben nicht der übliche Preisvergleich sind, sondern dem Nutzer ein gutes Gefühl vermitteln am richtigen Platz zu sein und nicht gleich als erstes „Kaufen" suggeriert zu bekommen. Es gilt den Sprachassistenten zu bedienen und nicht die Suchmaschine, da derzeit nicht klar ist, welchen Einfluss die Suchmaschinen und damit besonders SEO auf die Sprachassistenten haben wird. Weitergesponnen dürfte man davon ausgehen, dass eine Art, nennen wir es mal VAO (= Voice Assistent Optimization) entstehen wird, wie auch immer das aussehen wird. Interessante Zeiten also für alle die das Internet sprechen lassen wollen. Die Nutzer tun es schon längst und in Zukunft noch viel, viel mehr.

Macht was draus!

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