Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Sascha Thattil Headshot

Outsourcing nach Indien: Chance oder Risiko?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

2016-09-07-1473249317-1381194-Outsourcing.jpg

von Sascha Thattil

Immer mehr Unternehmen entscheiden sich ein Outsourcingvorhaben in Indien zu starten. Welche Chancen und Risiken birgt das? In diesem Beitrag mehr dazu.

Lernen vom amerikanischen Vorbild

In den USA ist IT Auslagerung nach Indien bereits seit mehreren Jahrzehnten ein Mainstream-Thema. Unternehmen wie Google und Apple haben letztlich darüber informiert, dass diese in Indien Entwicklungsstandorte aufbauen werden.

Laut einer Deloitte Studie aus dem Jahr 2014 ist Indien immer noch die Top Destination wenn es um den Bezug von IT Dienstleistungen geht.

Auch grosse IT Unternehmen wie Microsoft oder IBM setzen auf Indien als Entwicklungsstandort. Laut unterschiedlichen Quellen beschäftigt IBM zirka 150'000 Mitarbeiter auf dem Subkontinent.

Nur wenige Unternehmen aus Deutschland sind bisher diesem Trend gefolgt. Eines der wenigen Softwareunternehmen aus der Bundesrepublik, welches diesem Erfolgsmodell gefolgt ist, ist SAP. Das IT Haus aus Walldorf beschäftigt zirka 4500 Mitarbeiter dort.

Nach ersten Erfolgserlebnissen, hat sich SAP entschieden dort schnell weiter auszubauen.

Immer mehr KMU sehen die Vorteile

Lange Zeit war das Auslagern von IT Arbeiten in das Ausland, besonders nach Indien, verpönnt. Wer erinnert sich nicht an die unschönen Aussagen von Politikern wie "Inder statt Kinder" und ähnliche.

Kleine und Mittelständische Unternehmen (KMU), sehen jedoch den Mehrwert einer Auslagerung. Sie sehen, dass Unternehmen aus den USA einen Wettbewerbsvorteil haben, in dem sie Entwicklerteams in Indien beschäftigen.

KMU experimentieren jedoch noch, was genau klappen kann und was nicht. Viele entscheiden sich, mit ein bis zwei Entwicklern auf dem Subkontinent anzufangen und schauen wie sich das Team mit den eigenen Entwicklern vor Ort versteht. Ist die Zusammenarbeit transparent und alle Partner an einer Win-Win Situation orientiert, dann klappt es meistens auch.

Risiken im Bereich Datenschutz

Eine Hürde vor welchen Unternehmen aus Deutschland derzeit noch stehen ist der Bereich Datenschutz. In der Bundesrepublik ist der gesetzliche Rahmen für den Datenschutz, zum Beispiel Eigentum von Software-Code viel ausgeprägter als in anderen Ländern wie China oder eben Indien.

In Indien wurde vor einiger Zeit ein wichtiger Gesetzesentwurf durchgesetzt. Der IT Act. Diese gesetzlichen Änderungen sind darauf abgezielt, geistiges Eigentum, besonders im Bereich IT besser zu schützen.

Auch die derzeitige Regierung unter Präsident Modi versucht die Intellectual Property Gesetzgebungen (Geistiges Eigentum) zu verbessern.

Wie sich die Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Outsourcing ändern

In den letzten Jahren haben Universtäten und Schulen in Deutschland begonnen, einen Fokus auf die englische Sprache zu legen. Hierdurch gibt es heutzutage sehr viele junge Hochschulabsolventen welche Englisch nahezu perfekt beherrschen. Dies ist eine Grundvoraussetzung, wenn man mit Entwicklern aus Indien kommunizieren möchte.

Auf der anderen Seite haben indische Unternehmen in den letzten Jahren gelernt mit Kunden aus Europa und speziell auch mit Unternehmen aus Deutschland umzugehen. Das jährliche Auslagerungsvolumen von mehr als 100 Milliarden US Dollar zeigt, dass die indische IT Industrie erwachsen geworden ist.

Viele Projekte scheitern derzeit noch

Viele IT Projekte, welche man mit Indien angeht, scheitern derzeit jedoch noch. Der Grund liegt sicherlich auch darin, dass die Kosteneinsparungen überschätzt werden und auch die Partnerwahl nicht ausgereift ist.

Dazu muss erwähnt werden, dass IT Projekte im generellen eine hohe Scheiter-Rate haben. Laut einer Studie der Standish Group sind es mehr als 50 Prozent aller Projekte.

Unternehmen die mit Indien erfolgreich zusammenarbeiten sprechen meisten von hoher Transparenz, Entscheidungsfreitheit bei der Mitarbeiter-/Team-wahl und kommunikative Fähigkeiten der Entwickler.

Alternative Osteuropa

Osteuropa ist zum Teil noch eine Alternative für Unternehmen aus Deutschland. Besonders auch wegen der geographischen Nähe. Auch wenn es zu Indien auch nur einen Zeitunterschied von drei und halb Stunden gibt.

In Osteuropa steht man jedoch vor der Herausforderung, dass die meisten Entwickler einfach nach Westeuropa überwandern und in vielen Fällen auch sehr hohe Gehälter verlangen können. Gleichzeitig gibt sind die Bevölkerungzahlen und die Anzahl der Hochschulabsolventen mit IT Abschluss in Osteuropa eher gering, wenn man dies mit Indien vergleicht.

Fazit

Indien wird zu einem immer wichtigeren Standort für Softwareentwicklungsdienstleistungen für Unternehmen aus Deutschland. Man kann es als Sourcing-Innovation verstehen, aus diesem Land Dienstleistungen zu beziehen, da noch nicht viele Unternehmen aus der Bundesrepublik dort sind oder noch nicht die grossen Potenziale erkannt haben.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Bild: Flickr.com/ Creative Commons/ Waag Sarai

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: