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Medien in der Familie: Wieso generelle Verbote keine Lösung sind

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Fast täglich erscheinen neue Artikel und Bücher, die vor den Gefahren und Risiken von Computerspielen, Internet, Social Media und Co. warnen. Auf Elternabenden diskutieren Erzieher und Lehrer eindringlich über die störenden Gerätschaften in den Rucksäcken der Kids. Generelle Regeln und Verbote sollen es richten und erzeugen häufig doch nur Frust. Zeit, etwas Neues zu wagen!

Der Abwehrreflex von Eltern

Die digitale Welt ist immer noch Neuland für die meisten Eltern. Zwar bedienen wir Eltern Computer und Smartphones und lassen uns manchmal sogar schon von ihnen beherrschen - Stichwort Smartphone-Eltern.

In unserer Erinnerung gibt es jedoch noch die analoge Welt mit Wählscheibentelefon und Brieffreundschaften statt Touchscreen und Whatsapp oder Snapchat. Also wollen wir diese alte „heile" Kindheitswelt auch für unsere Kids. Doch unsere Kinder sind in eine digitale Welt geboren, die sich rasend schnell verändert - zu schnell für uns. Der Reflex ist, mit Regeln und Verboten das Neue auf Abstand zu halten.

Wieso Verbote funktionieren, jedoch das Familienklima vergiften

Starre Regeln oder generelle Verbote können wir Eltern durchsetzen - zugleich höchstens bis zur Pubertät. Wieso? Weil wir die Macht in der Familie haben. Je kleiner unsere Kinder sind, umso mehr werden sie sich an unsere Vorgaben halten. Je älter sie werden, umso mehr werden unsere elterlichen Vorstellungen hinterfragte, hintergangen oder boykottiert.

Das ist der ganz natürliche Lauf in der Kindheit. Fast alle Eltern können sich übrigens selbst sehr gut erinnern, wie sie Verbote in der eigenen Kindheit ausgehebelt haben - ob es die heimlichen Comics unter der Bettdecke oder das Rauchen in der dunklen Schulecke war.

Das Gift in Verboten ist die unterschwellig einhergehende Bestrafung, falls das Verbot gebrochen wird. Sonst sind Eltern ja zahnlose Tiger. Wenn ich die Nutzung von Whatsapp verbiete, dann muss ich ja eine klare Konsequenz in petto haben, falls meine Kinder trotzdem Whatsappen. Und ich muss kontrollieren. Familienleben im Kontrollstatus - das bringt kaum einem Familienmitglied Freude und Spaß.

Die Alternative: Offenheit und Führung

Offenheit wagen. Das ist leichter geschrieben, als getan. Wenn wir Eltern uns offen zu den Computerspielen, Social-Media-Trends und Youtube-Shows positionieren, haben wir nichts zu verlieren. Wir werden nur Neues entdecken. Lernen von unseren Kindern, was sie bewegt, was ihnen Spaß macht, was sie begeistert. Und wir werden Sachen sehen, die uns nicht gefallen oder die nicht altersgerecht sind - von Gewalt bis zur Pornographie.

Genau dann sind wir Eltern gefragt. Dann müssen wir führend einschreiten. Führung bedeutet in diesem Fall, das wir klar und deutlich unsere Grenzen setzen. Nur heißt dies nicht, a priori alle Computerspiele zu verdammen oder zu verbieten, sondern sich gezielt mit dem einem kritischen Spiel auseinanderzusetzen.

Auf der Basis dann eine spezifische Grenze zu ziehen und darauf zu vertrauen, dass mein Kind diese akzeptiert. In den meisten Fällen folgen Kinder der klaren elterlichen Führung. Natürlich nicht immer freudig, sondern eher mürrisch und traurig. So ist das analoge Leben.

Wenn ein Kind nicht folgt oder immer wieder die Grenzen überschreitet, dann hat die Familie kein Problem mit den Medien, sondern ein Thema bezüglich der Beziehungen zueinander

Hier muss dann nicht die Medienkompetenz der Kids sondern die Beziehungskompetenz der Eltern gestärkt werden. Der Umgang mit der digitalen Welt ist dann nur der Bildschirm für das „Beziehungsdrama" im Familienleben.

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Der Autor betreibt den Blog www.selflab-blog.de.

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Digitale Kindheit: In welchem Alter sollten Kinder Smartphones haben? Wie wichtig ist es, früh zu lernen, wie Computer funktionieren? Und: Sind Computerspiele nun schädlich - oder gar nützlich? Diese Fragen machen viele Eltern hilflos.

Das will die HuffPost ändern. Wir haben Experten aus allen relevanten Bereichen gesprochen. In Interviews, Analysen und Blogs werden wir das Thema in der aktuellen Themenwoche behandeln.

Aber wir wollen auch eure Meinungen dazu veröffentlichen - wie bringt ihr euren Kindern den klugen Umgang mit den Medien bei? Schreibt uns eure Geschichten und/oder schickt ein Video an Blog@huffingtonpost.de

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