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Smartphone-Eltern: Schrei nach Aufmerksamkeit

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Digitale Kindheit: In welchem Alter sollten Kinder Smartphones haben? Wie wichtig ist es, frĂŒh zu lernen, wie Computer funktionieren? Und: Sind Computerspiele nun schĂ€dlich - oder gar nĂŒtzlich? Diese Fragen machen viele Eltern hilflos.

Das will die HuffPost Àndern. Wir haben Experten aus allen relevanten Bereichen gesprochen. In Interviews, Analysen und Blogs werden wir das Thema in der aktuellen Themenwoche behandeln.

Aber wir wollen auch eure Meinungen dazu veröffentlichen - wie bringt ihr euren Kindern den klugen Umgang mit den Medien bei? Schreibt uns eure Geschichten und/oder schickt ein Video an Blog@huffingtonpost.de

Mein Aha-Erlebnis tat weh. Ich ging mit meiner Tochter durch die Straßen und sie erzĂ€hlte mir etwas aus ihrem Leben. Plötzlich hörte sie auf. Ich fragte nach „Hey, wie war das noch einmal?"; ihre Antwort: „Ach Papa, Du hörst doch sowieso nicht zu." Autsch, das saß, denn es stimmte. Ich war nĂ€mlich gedanklich mit meinem iPhone beschĂ€ftigt; ein Business-Call stand noch aus.

Smartphone

Kinder spĂŒren instinktiv, ob wir ihnen unsere Aufmerksamkeit schenken oder diese nur vorgaukeln. Keiner will eine Pseudo-Aufmerksamkeit haben. Übrigens Eltern auch nicht. HĂ€ufig gehört am Spielplatz ist der Satz: „Schau mich an, wenn ich mit Dir rede." Eine Sache die Eltern oft gebrauchen, wenn sie sicher sein wollen, dass ihr Kind zuhört.

Gerade berufstĂ€tige Eltern kennen das PhĂ€nomen: Alles schreit nach Aufmerksamkeit. Die Kinder, der Partner, die Kollegen, der Chef, die Kunden, das Projekt, die eigenen Eltern und so weiter. Und als ob das nicht genug wĂ€re, gibt es jetzt diese iPhones, Samsung Galaxies und wie sie nicht alle heißen, die via Whatsapp, SMS, E-Mail oder klassisches Telefonat um unsere Aufmerksamkeit buhlen.

Smartphone-Eltern: Alles schreit nach Aufmerksamkeit

Lösung: Aufmerksamkeitsethik

Buchautor und Psychologe Georg Milzner schreibt treffend „Wir haben alle ein bisschen ADS" (Digitale Hysterie, BELTZ, S. 164) und er bietet als Lösung eine Aufmerksamkeitsethik an. Die gefĂ€llt mir sehr als Impuls.

Regel eins: KlĂ€re, wer fĂŒr Dich die wichtigsten Menschen sind.

Regel zwei: KlÀre, welche der wichtigen Menschen Du nur selten treffen kannst.

Regel drei: Die wichtigsten Menschen bekommen auch die meiste Aufmerksamkeit und zwar ungeteilt.
(Digitale Hysterie, BELTZ, S. 167 f.)

FĂŒr mein Aha-Erlebnis bedeutet dies:

Erstens: Meine Tochter gehört ohne Frage zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben.

Zweitens: So hÀufig sehe ich sie leider nicht, denn sie lebt bei ihrer Mutter.

Drittens: Eigentlich hĂ€tte ich das iPhone ausmachen mĂŒssen, denn der Business-Call war zwar wichtig, zugleich nicht so wichtig, wie meine Tochter.

Nun, ich habe eine Lernkurve hingelegt. Als im Circus Krone alle Zuschauer aufgefordert wurden, ihre Handys auszuschalten, hat meine zweite Tochter laut gerufen „Papa, Handy aus." Und ich konnte sagen „Ich habe es gar nicht dabei; es liegt zu Hause." Gegenfrage: „Wieso?" Antwort: „Weil ich mit dir im Zirkus bin, das ist mir wichtig. Da brauche ich kein Handy dafĂŒr." Das fĂŒhlte sich fĂŒr uns beide richtig gut an.

Eine Frage der Selbstdisziplin

In seinem Buch „Digitale Hysterie" verweist Georg Milzner noch auf einen zweiten wichtigen Punkt. Jedes Klingeln, Piepen, Vibrieren oder was Dein Handy noch so kann, ist wie ein Knacken im Wald. Instinktiv wollen wir wissen, was los sein könnte - frĂŒher hĂ€tte ja das Knacken im Walde den SĂ€belzahntiger ankĂŒndigen können. WĂ€re nicht so gut fĂŒr uns.

Diese Instinkte sind immer noch in unserem Hirn vorhanden. Daher nehmen wir jede technische Äußerung unseres Handys war. Ob wir ihr dann folgen, ist eine Frage der Disziplin. Mir fĂ€llt es leichter, mein iPhone auf stumm oder in den Flugmodus zu schalten. Dann lasse ich mich nicht ablenken. Und von den Business-Kontakten hat sich noch niemand beschwert, dass ich nicht erreichbar wĂ€re. Im Gegenteil, wenn ich zurĂŒckrufe, dann haben sie nĂ€mlich meine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Der Autor betreibt den Blog www.selflab-blog.de. Der Beitrag erschien ursprĂŒnglich hier.

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