Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Sascha Schmidt Headshot

Wir wollen ja gute Väter sein, ihr Mütter müsst uns nur lassen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DAD
Gettystock
Drucken

Wer zum ersten Mal Vater wird, kann sich nicht ansatzweise vorstellen, was auf ihn zukommt. Ein Vater berichtete, nach der Geburt habe er sein altes Leben an der Garderobe abgegeben; plötzlich sei alles anders! Und schon vorher erleben wir die Veränderung in der Beziehung zur Frau. Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, um so mehr wird sich die Frau auf sich und das Baby konzentrieren. Wir verlieren an Aufmerksamkeit, rutschen in der Liebeshitliste von Platz 1 auf Platz 2. Und da bleiben wir dann die nächsten Jahre „hängen".

Der Familienexperte Jesper Juul hat einen pragmatischen Tipp, um aus der Liebesfalle herauszukommen: zwei Handys, eins mit dem Namen der Frau und eins mit der Kennzeichnung "Mama". „Warum ich so etwas vorschlage? Weil ich viele frustrierte Väter erlebe, die endlich mal wieder mit ihrer Freundin und Geliebten in Kontakt treten wollen, aber immer nur die Mutter ihres Kindes erreichen. Mit zwei Handys ist die Sache ziemlich einfach gelöst: Sie wird von nun an immer wissen, wen du ansprechen möchtest." (Juul: Mann & Vater, 2011, S. 25)

Eine außerpartnerschaftliche Affäre während oder nach der Schwangerschaft ist keine ehrliche Lösung! Natürlich kann damit die Sexualität befriedigt und das Selbstbewusstsein gestärkt werden; schau her, ich bin weiterhin attraktiv und ein toller Hecht. Nur ist das nicht männlich, sondern feige. Es ist Feigheit vor dem Feind. Der vermeintliche Feind ist die eigene Gefühls- und Bedürfniswelt.

Mutig und tapfer ist das Gespräch mit der Partnerin über die eigenen Ängste, Phantasien und Träume als Vater. So besteht die Chance, dass Sie gegenseitig Verständnis gewinnen für die jeweilige Situation und nach Lösungen suchen können - das Juulsche Handybeispiel ist nur ein Weg von vielen.

In den ersten Monaten nach der Geburt eines Kindes befinden Väter sich in einem Gefühlschaos. Auf der einen Seite sind wir stolz wie Oskar über unseren Sohn oder unsere Tochter und auf die neue Familie. Auf der anderen Seite spüren wir eventuell Inkompetenz: Wie das zarte Wesen anfassen? Was machen, wenn es nachts durchschreit? Wie mit der Wochenbettdepression der Mutter umgehen? Und so weiter ... alles Nährboden für ein schlechtes Gewissen, nicht ein richtiger Vater zu sein.

Auch hier hilft die eigene Ehrlichkeit über die Gefühlslage. Gespräche mit anderen Vätern können helfen. Oder sprechen Sie mit Ihren Eltern, wenn möglich. Wichtig ist einfach, anzuerkennen, dass wir Neuland betreten und auf uns gestellt sind dabei. Was gibt es Männlicheres, als diese Herausforderung anzunehmen und zu meistern?

Verantwortung in der Familie

Die tradierten Familienrollen sind vorbei. Natürlich gibt es noch das Bild von der Mutter am Herd und dem Vater auf der Arbeit. Nur spätestens mit der Generation Y, d.h. mit Männern, die um das Jahr 2000 Teenager waren, kommen neue Väter auf den Markt.

Der Anspruch ist jetzt die Vereinbarkeit von Karriere und Familie - zur Not auf Kosten der Karriere. Für die Väter der neuen Väter noch unvorstellbar! Wie die Familie organisiert, strukturiert und wer welche Rolle einnimmt, ist selbstbestimmbar.

Es gibt Väter, die ganz bewusst jegliche Verantwortung an die Mutter abgeben oder auf sie abwälzen - je nach Sichtweise. Und es gibt Mütter, die das genauso wollen. Wenn das für beide stimmig ist, dann ist dies okay.

Nur immer mehr Männer wollen aktiv Vater sein. Das überfordert so manche Mutter. Plötzlich wird in der Vaterzeit anders gegessen, die Windel nicht alle Stunden gewechselt und das Kind angeblich viel zu leicht bekleidet für den Spaziergang angezogen. Nun müssen Väter ihren Mann stehen - nämlich in Abgrenzung zur Mutter und deren Vorstellung, was richtig und was falsch ist.

Es geht um die gemeinsame Verantwortung für das Kind:

Wer weiß, wann das Kind wieder zum Arzt muss?
Wer kümmert sich um neue Kleidung?
Wer achtet darauf, dass es genug Babynahrung gibt?
Wer hat Überblick über die Schultermine?

Die Liste ließe sich noch lange weiterführen. Wenn Sie als Vater hier Verantwortung abgeben, dann gilt es, die Leistung Ihrer Frau anzuerkennen, dass sie den Überblick über die Bedürfnisse des Kindes behält. Wenn Sie Teile der Verantwortung übernehmen können und wollen, dann gilt es für die Mutter, loszulassen und Ihnen zu vertrauen, dass Sie es eventuell anders machen, als sie es tun würde. Es ist die gemeinsame Verantwortung der Eltern, hier einen Weg für die Familie zu finden.

"Kinder haben ein klares Bild von dem, der sozusagen der "Chef" in ihrer Welt ist. Wenn die Mutter die Hauptverantwortliche ist, dann spüren das die Kinder und wenden sich selbstverständlich an sie." (Juul: Mann & Vater, 2011, S. 52) Das führt dazu, das Väter sich teilweise als überflüssig betrachten. Es ist wichtig, dass die Mutter hier dem Vater hilft. Nicht im Sinne von "Ich sage Dir, wie es geht", sondern im Sinne von "Ich vertraue Dir und mische mich nicht ein".

Zusammenfassung

Aktive Vaterschaft bedeutet die Übernahme von Verantwortung für das Kind. Damit dies geschehen kann, muss die Mutter bereit und fähig sein, Verantwortung abzugeben bzw. den Fähigkeiten des Mannes zu vertrauen.

Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch Neue Väter - neue Karrieren von Sascha Schmidt.

2016-07-08-1467976832-3890664-BuchcoverNeueVaterneueKarrieren.jpg

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-09-1468043190-9784650-2016060214648668675342179HUFFPOST3.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Mit dieser Methode hören Babys innerhalb von Sekunden auf zu schreien

Lesenswert: