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Sascha Pallenberg

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Walled Garden - Wird Samsung zum Apple 2.0?

Veröffentlicht: 23/01/2014 10:50

Samsung hat nicht nur Apple als weltgrößter Hersteller von Smartphones überflügelt, der Mega-Konzern aus Süd-Korea baut langsam aber sicher einen ähnlichen "Walled Garden" wie der Konkurrent aus Cupertino auf und könnte damit sogar Erfolg haben.

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Ich mag Apple Produkte und was im ersten Moment all die Leser schwer enttäuschen mag, die in mir immer einen blinden und leidenschaftlichen Kritiker des Herstellers aus dem Kalifornischen Cupertino sahen, ärgert euch nicht denn umgekehrt darf ich mir von nicht wenigen Fanboys des grünen Roboters anhören, dass Apple mich inzwischen assimiliert hat.

Aus der Sicht eines Technik-Enthusiasten gibt es nun einmal recht wenig an Apple Smartphones, Tablets oder gar Notebooks auszusetzen. Die jeweiligen Modelle zählen durch die Bank weg zu den besten Plattformen ihrer Kategorien und das liegt vor allen Dingen an der Kombination aus dem wohl besten industriellen Design, welches mit hochwertigen Komponenten zu einem fairen Preis angeboten wird. Nicht ein Hersteller bietet ein vergleichbares Portfolio, weshalb man glauben dürfte, dass auch ich mich bereits seit Dekaden mit Hardware der Äpfelchen ausstatte.

Nope, sorry, das wird nichts werden. Irgendwie kommen wir da einfach nicht zusammen und wenn wir mal vom iPad Air und einem Mac USB-Keyboard absehen, dann kommen Produkte aus dem Hause Apple nicht in meinem täglichen Nutzungsszenario vor.

Warum? Das abgeschottete Apple-Universum ist für mich nicht nur der Superlativ einer Infrastruktur-Kontrolle, sondern versucht mich als User wirklich um jeden Cent zu erleichtern, den man mir auch über Dritthersteller noch aus der virtuellen Brieftasche quetschen kann.

Wer sich heutzutage zertifiziertes Zubehör für z.B. sein iPad kaufen möchte muss sich darüber im klaren sein, dass ca. 30% Provision direkt in die Taschen von Apple wandern. Jap, das Plastikcase für 39 Euro könnte eigentlich fast 12 Euro weniger kosten und das ist alles andere als ein überschauberer Aufpreis den man dafür dank Apple hinblättern muss.

Wer auf sein iPad oder iPhone gar eine App installieren möchte die nicht im iTunes Store vorhanden ist, dem bleibt final nur der Jailbreak. Dieser ist zwar bis 2015 noch legal, aber wer z.B. selbiges mit seinem iPad vollziehen möchte, dürfte sich zumindest in den USA am Rande der Legalität bewegen. Nein, ich mache gar nicht erst das Hackintosh-Fass auf und versuchen die seltsamen Ansichten von Apple bezüglich der Eigentumsdefinition gekaufter Cupertino-Produkte zu erklären... Es nervt mich einfach und genau aus diesem Grunde halte ich mich nur recht spärlich in dieser bunten Welt auf.

Samsung macht den Garten dicht

Samsung hat es wirklich nicht leicht wenn es darum geht sich in "Apple's own country" gegenüber den Anhängern der Kultmarke zu positionieren. Zwar konnte man dank eines Milliarden-Budgets und der "Next Big Thing Kampagne"

ordentlich Marktanteile abgreifen, in der öffentlichen Meinung steht man jedoch dank der Patentstreitigkeiten irgendwo zwischen Dennis Rodman und einem Chinesischen Markenfälscher, was natürlich vor allen Dingen an der überwältigenden Mehrheit leidenschaftlicher Apple-User liegt. Merke: Es gibt einen US-Markt und es gibt den Rest der Welt, das sollte man niemals vergessen wenn man mit einem Nord-Amerikanischen User über Smartphones und Tablets redet. Die leben da einfach in einer ganz speziellen Blase.

Ja, es gibt einen Schwung Samsung Plattformen die hier und da an Apple Produkte erinnerten aber letztendlich handelte es sich um generische Designs, deren Patent- und Geschmackmuster-Anmeldungen weltweit für ungültig erklärt wurden. Mit auch ein Grund, warum ich bereits vor knapp 3 Jahren das Thema ein wenig süffisanter anging:

Aufgeflogen! Samsung kopierte das iPad schon im Jahre 2006

Was Samsung aber jetzt versucht zu kopieren ist genau das ganz spezielle Apple-"Feature", welches mich ehemals in die Hände der Konkurrenz von Cupertino trieb: Der berühmte "Walled Garden".

Bereits zur Vorstellung der Samsung Galaxy Gear im September 2013 kamen bei mir erste Zweifel ob der zukünftigen Strategie der Koreaner auf, denn diese Smart Watch sollte doch tatsächlich nur mit dem Galaxy Note 3 zu nutzen sein, wobei man dies inzwischen auch auf das Note 2, S3 und S4 ausgeweitet hat.

Soll mir diese Attitüde durch die Blume vermitteln, dass sich Samsung als derart marktbestimmend ansieht, dass man sich zutraut durch proprietäre Produktkombinationen dem potentiellen User sehr spezifische "Cross Sales" aufzudrücken?

Ich erinnere mich da noch zu gut an die eher weniger erfolgreiche Strategie von BlackBerry. Der ehemalige Smartphone-Pionier hielt es 2010 für eine gute Idee das hauseigene "Business-Tablet" nicht nur auf den dümmlichen Namen "PlayBook" zu taufen, sondern einen nativen Email-Client einfach mal wegzulassen. Der geneigte User soll sein PlayBook gefälligst mit einem BlackBerry Smartphone verbinden, dann könne er auch seine Emails auf dem größeren 7-inch Display des Tablets bearbeiten.

Das PlayBook war dadurch letztendlich erst erfolgreich, als man während des Abverkaufs der Lagerbestände den Preis um gut 70% senkte und der vermeintliche iPad-Konkurrent sang- und klanglos verramscht wurde.

Ironie und Ergebnis dieser offensichtlichen Arroganz: BlackBerry dürfte zum Ende des Jahres einen Marktanteil aufweisen wie die Dauerwerbesendungen, die auf Sport1 ab Mitternacht in der Dauerschleife abgespult werden.

Samsung und das zertifizierte Zubehör

Die hauseigene Smart Watch Galaxy Gear war aber nur ein erster Hinweis auf die neue Positionierung des Godzillas der IT-Branche, der vom kleinsten Sensor über Smartphones, Fernsehern, Kühlschränken, Panzern bis hin zu weltbekannten Gebäuden wie den Taipei 101 oder Burj Khalifa in Dubai, so ziemlich alles herstellt was man sich vorstellen kann.

Besitzer eines Samsung Galaxy Note 3 die nicht auf von Samsung lizensiertes Zubehör zurückgreifen, werden spätestens nach dem Update auf Android KitKat eine eher suboptimale Erfahrung machen. Hersteller, die in ihre Dockingstations, Netzteile oder gar Smart Covers nicht den offiziellen Samsung Chip verbaut haben, stehen sprichwörtlich vor verschlossenen Türen, sprich deren Zubehör wird nicht mehr funktionieren.

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Warum das alles? Der Smartphone Zubehör-Markt hatte bereits im Jahre 2012 ein Volumen von über $20 Milliarden und wenn man bedenkt, dass 2013 die Verkäufe um noch einmal über 40% angezogen haben, dann kann man sich ungefähr ausmalen warum neben Apple auch Samsung hier ein ordentliches Stück vom Kuchen abhaben möchte.

Der durchschnittliche Smartphone-Benutzer gibt über $50 für Zubehör aus, wohlgemerkt pro Gerät und wenn man sich dann überlegt, dass Firmen wie Apple und Samsung sich hiervon jeweils 30% Lizenzgebühren abzweigen, dann fahren beide Firmen über diese Schiene Milliarden-Gewinne ein.
Zusammengenommen haben die beiden Konkurrenten einen Marktanteil von ca. 45% weshalb man über den Daumen gepeilt mal davon ausgehen kann, dass man potentiell gut $10 Milliarden des Zubehör-Marktes mit seinen Produkten adressiert. 30% Lizenzgebühren davon... etc. pp.

Samsung hat es geschafft sich in nur 4 Jahren eine Position zu erarbeiten, die es den Süd-Koreanern erlaubt eine ähnliche Strategie wie der große Wettbewerber aus Cupertino zu fahren.

Im Moment stellt sich diese Situation nur für eine mäßig erfolgreiche Smart Watch und ein Phablet dar, welches sich immerhin alleine im letzten Jahr über 10 Millionen ausgeliefert wurde.

Dabei wird es Samsung nicht bewenden lassen, wobei ich nun entweder auf entsprechend "offenere" Konkurrenz hoffe oder sich der Hersteller aus Süd-Korea einfach auf das beschränkt, was er in den letzten Jahren exzellent vorgemacht hat: Gute und vor allen Dingen beliebte Hardware anzubieten.

Das dürfte jedoch bei jeder profitorientierten Firma ein Wunschdenken bleiben.


Sascha Pallenberg ist einer der bekanntesten deutschen Techblogger und Consultants. Er betreibt den Blog Mobilegeeks.de sowie den englischsprachigen Ableger Mobilegeeks.com und schaffte es neben Branchengrößen wie David Pogue (NY Times) und Walt Mossberg (Wall Street Journal) 2010, 2011, 2012 und 2013 auf die Liste der "Top 20 Smart Mobile Device Pundits", welche die zwanzig einflussreichsten Mobile-Computing-Experten weltweit benennt. Pallenberg bloggt seit 5 Jahren aus seiner Wahlheimat Taiwan und ist auf den globalen IT-Events zuhause.

 

Sascha Pallenberg auf Twitter folgen: www.twitter.com/sascha_p

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