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Walled Garden - Wird Samsung zum Apple 2.0?

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Samsung hat nicht nur Apple als weltgr├Â├čter Hersteller von Smartphones ├╝berfl├╝gelt, der Mega-Konzern aus S├╝d-Korea baut langsam aber sicher einen ├Ąhnlichen "Walled Garden" wie der Konkurrent aus Cupertino auf und k├Ânnte damit sogar Erfolg haben.

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Ich mag Apple Produkte und was im ersten Moment all die Leser schwer entt├Ąuschen mag, die in mir immer einen blinden und leidenschaftlichen Kritiker des Herstellers aus dem Kalifornischen Cupertino sahen, ├Ąrgert euch nicht denn umgekehrt darf ich mir von nicht wenigen Fanboys des gr├╝nen Roboters anh├Âren, dass Apple mich inzwischen assimiliert hat.

Aus der Sicht eines Technik-Enthusiasten gibt es nun einmal recht wenig an Apple Smartphones, Tablets oder gar Notebooks auszusetzen. Die jeweiligen Modelle z├Ąhlen durch die Bank weg zu den besten Plattformen ihrer Kategorien und das liegt vor allen Dingen an der Kombination aus dem wohl besten industriellen Design, welches mit hochwertigen Komponenten zu einem fairen Preis angeboten wird. Nicht ein Hersteller bietet ein vergleichbares Portfolio, weshalb man glauben d├╝rfte, dass auch ich mich bereits seit Dekaden mit Hardware der ├äpfelchen ausstatte.

Nope, sorry, das wird nichts werden. Irgendwie kommen wir da einfach nicht zusammen und wenn wir mal vom iPad Air und einem Mac USB-Keyboard absehen, dann kommen Produkte aus dem Hause Apple nicht in meinem t├Ąglichen Nutzungsszenario vor.

Warum? Das abgeschottete Apple-Universum ist f├╝r mich nicht nur der Superlativ einer Infrastruktur-Kontrolle, sondern versucht mich als User wirklich um jeden Cent zu erleichtern, den man mir auch ├╝ber Dritthersteller noch aus der virtuellen Brieftasche quetschen kann.

Wer sich heutzutage zertifiziertes Zubeh├Âr f├╝r z.B. sein iPad kaufen m├Âchte muss sich dar├╝ber im klaren sein, dass ca. 30% Provision direkt in die Taschen von Apple wandern. Jap, das Plastikcase f├╝r 39 Euro k├Ânnte eigentlich fast 12 Euro weniger kosten und das ist alles andere als ein ├╝berschauberer Aufpreis den man daf├╝r dank Apple hinbl├Ąttern muss.

Wer auf sein iPad oder iPhone gar eine App installieren m├Âchte die nicht im iTunes Store vorhanden ist, dem bleibt final nur der Jailbreak. Dieser ist zwar bis 2015 noch legal, aber wer z.B. selbiges mit seinem iPad vollziehen m├Âchte, d├╝rfte sich zumindest in den USA am Rande der Legalit├Ąt bewegen. Nein, ich mache gar nicht erst das Hackintosh-Fass auf und versuchen die seltsamen Ansichten von Apple bez├╝glich der Eigentumsdefinition gekaufter Cupertino-Produkte zu erkl├Ąren... Es nervt mich einfach und genau aus diesem Grunde halte ich mich nur recht sp├Ąrlich in dieser bunten Welt auf.

Samsung macht den Garten dicht

Samsung hat es wirklich nicht leicht wenn es darum geht sich in "Apple's own country" gegen├╝ber den Anh├Ąngern der Kultmarke zu positionieren. Zwar konnte man dank eines Milliarden-Budgets und der "Next Big Thing Kampagne"

ordentlich Marktanteile abgreifen, in der ├Âffentlichen Meinung steht man jedoch dank der Patentstreitigkeiten irgendwo zwischen Dennis Rodman und einem Chinesischen Markenf├Ąlscher, was nat├╝rlich vor allen Dingen an der ├╝berw├Ąltigenden Mehrheit leidenschaftlicher Apple-User liegt. Merke: Es gibt einen US-Markt und es gibt den Rest der Welt, das sollte man niemals vergessen wenn man mit einem Nord-Amerikanischen User ├╝ber Smartphones und Tablets redet. Die leben da einfach in einer ganz speziellen Blase.

Ja, es gibt einen Schwung Samsung Plattformen die hier und da an Apple Produkte erinnerten aber letztendlich handelte es sich um generische Designs, deren Patent- und Geschmackmuster-Anmeldungen weltweit f├╝r ung├╝ltig erkl├Ąrt wurden. Mit auch ein Grund, warum ich bereits vor knapp 3 Jahren das Thema ein wenig s├╝ffisanter anging:

Aufgeflogen! Samsung kopierte das iPad schon im Jahre 2006

Was Samsung aber jetzt versucht zu kopieren ist genau das ganz spezielle Apple-"Feature", welches mich ehemals in die H├Ąnde der Konkurrenz von Cupertino trieb: Der ber├╝hmte "Walled Garden".

Bereits zur Vorstellung der Samsung Galaxy Gear im September 2013 kamen bei mir erste Zweifel ob der zuk├╝nftigen Strategie der Koreaner auf, denn diese Smart Watch sollte doch tats├Ąchlich nur mit dem Galaxy Note 3 zu nutzen sein, wobei man dies inzwischen auch auf das Note 2, S3 und S4 ausgeweitet hat.

Soll mir diese Attit├╝de durch die Blume vermitteln, dass sich Samsung als derart marktbestimmend ansieht, dass man sich zutraut durch propriet├Ąre Produktkombinationen dem potentiellen User sehr spezifische "Cross Sales" aufzudr├╝cken?

Ich erinnere mich da noch zu gut an die eher weniger erfolgreiche Strategie von BlackBerry. Der ehemalige Smartphone-Pionier hielt es 2010 f├╝r eine gute Idee das hauseigene "Business-Tablet" nicht nur auf den d├╝mmlichen Namen "PlayBook" zu taufen, sondern einen nativen Email-Client einfach mal wegzulassen. Der geneigte User soll sein PlayBook gef├Ąlligst mit einem BlackBerry Smartphone verbinden, dann k├Ânne er auch seine Emails auf dem gr├Â├čeren 7-inch Display des Tablets bearbeiten.

Das PlayBook war dadurch letztendlich erst erfolgreich, als man w├Ąhrend des Abverkaufs der Lagerbest├Ąnde den Preis um gut 70% senkte und der vermeintliche iPad-Konkurrent sang- und klanglos verramscht wurde.

Ironie und Ergebnis dieser offensichtlichen Arroganz: BlackBerry d├╝rfte zum Ende des Jahres einen Marktanteil aufweisen wie die Dauerwerbesendungen, die auf Sport1 ab Mitternacht in der Dauerschleife abgespult werden.

Samsung und das zertifizierte Zubeh├Âr

Die hauseigene Smart Watch Galaxy Gear war aber nur ein erster Hinweis auf die neue Positionierung des Godzillas der IT-Branche, der vom kleinsten Sensor ├╝ber Smartphones, Fernsehern, K├╝hlschr├Ąnken, Panzern bis hin zu weltbekannten Geb├Ąuden wie den Taipei 101 oder Burj Khalifa in Dubai, so ziemlich alles herstellt was man sich vorstellen kann.

Besitzer eines Samsung Galaxy Note 3 die nicht auf von Samsung lizensiertes Zubeh├Âr zur├╝ckgreifen, werden sp├Ątestens nach dem Update auf Android KitKat eine eher suboptimale Erfahrung machen. Hersteller, die in ihre Dockingstations, Netzteile oder gar Smart Covers nicht den offiziellen Samsung Chip verbaut haben, stehen sprichw├Ârtlich vor verschlossenen T├╝ren, sprich deren Zubeh├Âr wird nicht mehr funktionieren.

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Warum das alles? Der Smartphone Zubeh├Âr-Markt hatte bereits im Jahre 2012 ein Volumen von ├╝ber $20 Milliarden und wenn man bedenkt, dass 2013 die Verk├Ąufe um noch einmal ├╝ber 40% angezogen haben, dann kann man sich ungef├Ąhr ausmalen warum neben Apple auch Samsung hier ein ordentliches St├╝ck vom Kuchen abhaben m├Âchte.

Der durchschnittliche Smartphone-Benutzer gibt ├╝ber $50 f├╝r Zubeh├Âr aus, wohlgemerkt pro Ger├Ąt und wenn man sich dann ├╝berlegt, dass Firmen wie Apple und Samsung sich hiervon jeweils 30% Lizenzgeb├╝hren abzweigen, dann fahren beide Firmen ├╝ber diese Schiene Milliarden-Gewinne ein.
Zusammengenommen haben die beiden Konkurrenten einen Marktanteil von ca. 45% weshalb man ├╝ber den Daumen gepeilt mal davon ausgehen kann, dass man potentiell gut $10 Milliarden des Zubeh├Âr-Marktes mit seinen Produkten adressiert. 30% Lizenzgeb├╝hren davon... etc. pp.

Samsung hat es geschafft sich in nur 4 Jahren eine Position zu erarbeiten, die es den S├╝d-Koreanern erlaubt eine ├Ąhnliche Strategie wie der gro├če Wettbewerber aus Cupertino zu fahren.

Im Moment stellt sich diese Situation nur f├╝r eine m├Ą├čig erfolgreiche Smart Watch und ein Phablet dar, welches sich immerhin alleine im letzten Jahr ├╝ber 10 Millionen ausgeliefert wurde.

Dabei wird es Samsung nicht bewenden lassen, wobei ich nun entweder auf entsprechend "offenere" Konkurrenz hoffe oder sich der Hersteller aus S├╝d-Korea einfach auf das beschr├Ąnkt, was er in den letzten Jahren exzellent vorgemacht hat: Gute und vor allen Dingen beliebte Hardware anzubieten.

Das d├╝rfte jedoch bei jeder profitorientierten Firma ein Wunschdenken bleiben.

Sascha Pallenberg ist einer der bekanntesten deutschen Techblogger und Consultants. Er betreibt den Blog Mobilegeeks.de sowie den englischsprachigen Ableger Mobilegeeks.com und schaffte es neben Branchengr├Â├čen wie David Pogue (NY Times) und Walt Mossberg (Wall Street Journal) 2010, 2011, 2012 und 2013 auf die Liste der "Top 20 Smart Mobile Device Pundits", welche die zwanzig einflussreichsten Mobile-Computing-Experten weltweit benennt. Pallenberg bloggt seit 5 Jahren aus seiner Wahlheimat Taiwan und ist auf den globalen IT-Events zuhause.