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Die Sache mit der Selbstliebe

10/06/2017 15:05 CEST | Aktualisiert 10/06/2017 15:05 CEST
filadendron via Getty Images

Ja, seit dem Film „Embrace" ist es in aller Munde. Und das ist gut so!

"Lieb' Dich selbst! Umarme Dich!" eine wunderbare Botschaft.

Nur: ist es immer so einfach?

Ich würde behaupten, ich finde mich ganz gut. Ich mag viele Dinge an mir und würde behaupten, dass ich mit mir klar komme. Aber Liebe? Hm... schwierig! Empfinde ich die? Nicht so recht.

Ihr kennt es sicher alle: da kommt Jemand und sagt „Hey, ich hab' so ein schönes Foto von Dir gemacht! Da siehst Du ganz natürlich aus!".

Tja, und dann siehst Du es und denkst Dir "Mist! Hätte ich gewusst, dass diese Strickjacke so aufträgt, hätte ich sie nicht angezogen." oder "Meine Haare sehen da total dünn und fisselig aus." oder "Ich sollte nicht mit offenem Mund lachen.".

Könnte ich jetzt ewig so weiterführen, denn irgendwas ist immer. Machen wir selbst ein Foto von uns, dann rücken wir uns ins rechte Licht, zumindest aus unserer Sicht.

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Mein Freund mag mich zum Beispiel nicht so gerne auf meinen #Selfies. „Viel zu unnatürlich!" - womit er Recht hat. Schließlich kann der ein oder andere Selfie-Schuss schon vergehen, bis man sich selbst auf dem Bild mag.

Aber warum eigentlich? Warum können wir uns nicht einfach lieben? Egal wie. Egal, ob zwei Kilo zu viel oder zu wenig. Egal, ob zu kleine oder zu große Brüste. Und egal, ob blöder Gesichtsausdruck oder eben nicht.

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Was mag ich an mir?

Gute Frage und schwere zugleich.

Ich mag' meine Beine. Aber nicht wenn sie dank Hitze oder Hormonen anschwellen. Dann möchte ich sie am liebsten verstecken.

Ich mag mein Gesicht. Wenn ich mit offenem Mund lache allerdings nicht mehr so. Aber grundsätzlich schon.

Ich mag meine Haut. Da gibt's sogar fast nichts zu meckern. Fast.

Hm. Sonst noch was? Ne. Irgendwie nicht.

Und was mag ich nicht?

Mein Busen ist zu klein. Mein Bauch nie flach genug. Meine Oberarme sind auf Fotos unmöglich. Und meine Oberschenkel zu breit.

Mein Rücken ist dank Skoliose und einer OP leider nicht so vorzeigbar, wie ich es gerne hätte. Und meine Augen sind zu klein. Meine Hände sind nicht feingliedrig genug und meine Füße sowieso nicht. Meine Knie haben zuviele Narben von diversen Stürzen und meine Knöchel sind nicht schlank genug.

...

Da würde mir sogar noch mehr einfallen, aber das ist ja schon genug, was ich als „Makel" empfinde.

Selbst bei den Dingen, die ich mag, mache ich Einschränkungen. Dabei finde ich mich noch nicht mal hässlich, aber eben nicht perfekt.

Zudem bedauere ich, dass ich zu wenig Selbstbewusstsein habe (wie auch...) und keine totale Ulknudel sein kann. Ich wäre gerne talentierter und hätte am liebsten ein sportliches Hobby, in dem ich richtig gut bin. Außerdem hätte ich gerne beruflich mehr Karriere gemacht und wäre manchmal lieber weniger „lieb".

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Sich selbst zu lieben, ist nicht einfach. Eshat viel mit akzeptieren und Kompromisse eingehen zu tun. Man orientiert sich an einem vermeintlichen Ideal und muss eben feststellen, dass man davon mehr oder weniger weit entfernt ist. Ich möchte nicht, dass meine Kinder sich solche Gedanken je machen. Aber wie, wenn ich es noch nicht mal schaffe?

Das klingt jetzt alles sehr dramatisch - und es ist auch nicht so, dass das meinen Alltag dominiert. Aber es ist schon ein Thema, was immer wieder präsent ist. Und das ist sehr schade.

Ich verstehe jetzt, warum mein Vater die Hände vors Gesicht schlug, wenn ich mir früher „Germanys Next Topmodel" in TV reinzog. Recht hatte er!

Da werden Urteile gefällt, die einen Menschen auf rein äußerliche Merkmale reduzieren. Und dabei geht es um breite massen-taugliche Schönheit und selten um spannende Individualität. Mädchen weinen, weil sie nicht "schön" genug sind oder angeblich nicht authentisch genug posierten für gestellte Bilder. Nicht selten werden da zarte Wesen zerstört und deren Selbstbewusstsein ausradiert.

Natürlich möchte man gefallen, vor allen Dingen seinen liebsten Menschen - aber das Gute ist: das tut man! Ich weiß sicher, dass mein Freund mich liebt, egal ob ich mich gerade schön genug finde oder nicht. Und meine Eltern sowieso. Auch für meine Kinder bin ich die schönste Mama auf der Welt, was einfach ein tolles Gefühl ist.

Aber das Annehmen solcher Sachen und das Wahrnehmen, das ist das, was man lernen sollte und muss!

Liebt Euch selbst! Und hört zu, wenn Euch gesagt wird, wie einzigartig Ihr seid!

Ich mache auch mit und teste das mit der Selbstliebe ab jetzt auch noch mal!

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